HeheStreams: Piratensite-Betreiber angeklagt wegen illegalem Sportstreaming und Erpressung

Der Betreiber der illegalen Sportstreaming-Site HeheStreams wurde u.a. wegen illegalen Sportstreaming und Erpressung angeklagt.

US-Bundesermittler beschuldigen einen Mann aus Minnesota u.a. des illegalen Sportstreaming von Inhalten der größten Profisportligen des Landes. Auf seiner Website HeheStreams soll er hierfür entsprechende Angebote bereitgestellt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, Major League Baseball („MLB“) erpresst zu haben, informierte das U.S. Department of Justice (DOJ). Bei einer Verurteilung in allen fünf Anklagepunkten droht dem Angeklagten eine Höchststrafe von 37 Jahren Haft.

Die US-Staatsanwaltschaft hat den 30-jährigen Joshua Streit aus St. Louis Park, Minnesota, angeklagt. US-Bundesermittler werfen ihm u.a. vor, Computersysteme der Major League Baseball („MLB“) infiltriert zu haben. Infolge erpresste er per E-Mails MLB. Er drohte damit, die Schwachstelle aufzudecken, die er ausgenutzt hat, um sich unbefugten Zugriff zu verschaffen, es sei denn, MBL zahlt ihm 150.000 US-Dollar.

Ursprünglich erwartete er von dem Unternehmen die „Zuwendung“ im Rahmen eines Bug-Bounty-Programms. MLB teilte jedoch mit, dass sie zwar kein Bug-Bounty-Programm haben, jedoch seine Enthüllungen „schätze“. Daraufhin drohte er mit einer Veröffentlichung in den Medien.

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Ferner hätte er urheberrechtlich geschützte Inhalte von MBL, National Basketball Association („NBA“), National Football League („NFL“) und National Hockey League („NHL“) gestreamt ohne rechtliche Zustimmung der Rechteinhaber. Die US-Staatsanwaltschaft bekundet, dass Streits illegales Sportstreaming einer Sportliga über 3 Millionen US-Dollar an Einnahmeverlusten gekostet habe.

Joshua Streit war auch bekannt unter dem Namen „Josh Brody“. Seine Piraten-Streaming-Website namens HeheStreams soll er von 2017 bis August 2021 betrieben haben. Wie die US-Bundesbehörden mitteilten, konnte Streit Live-Spiele aus den vier großen US-amerikanischen Sportligen streamen. Dafür hätte er „die urheberrechtlich geschützten Inhalte erhalten, indem er sich über Zugangsdaten legitimer Benutzer der Websites dieser Sportligen unbefugten Zugriff darauf verschafft hat“.

Streit soll diesbezüglich einen Fehler im Zugangs-Token-System eines Drittanbieters ausgenutzt haben. Dieser hätte es „HeheStreams“-Benutzern ermöglicht, auf Live-Sport-Streams zuzugreifen, indem sie sich als legitime Benutzer der tatsächlichen Plattformen authentifizieren.

Besonderheiten von HeheStreams-IPTV-Dienst

TorrentFreak wies darauf  hin:

„Die meisten traditionellen IPTV-Anbieter erleichtern den Zugriff auf raubkopierte Streams, indem sie diese von ihren eigenen Servern anbieten. Dies ist ein Modell, das viel Bandbreite verbraucht und als notwendiger Kostenfaktor für die Geschäftsabwicklung angesehen wird. Was HeheStreams geschafft hat, ist, diese Kosten fast vollständig zu eliminieren, indem es überhaupt keine Raubkopien verwendet.

Stattdessen wurde ein Weg gefunden, HeheStreams-Benutzer mit echten Streams zu verbinden, die von den Sportsendern angeboten werden. Dies hatte offensichtliche Vorteile – keine massiven Streaming-Serverrechnungen mehr und da offizielle Streams selten zusammenbrechen oder puffern, eine Menge zufriedener Kunden.“

U.S. Staatsanwalt Damian Williams gab zum Fall an:

„Joshua Streit wird vorgeworfen, Sportinhalte der MLB, der NHL, der NBA und der NFL zu seinem eigenen persönlichen Vorteil illegal online gestreamt zu haben. Außerdem soll Streit die Computersysteme der MLB gehackt und versucht haben, 150.000 Dollar von der Liga zu erpressen. Dank der Zusammenarbeit dieses Amtes mit allen vier großen amerikanischen Sportligen und dem FBI ist Streit mit seinem illegalen Streaming- und Erpressungsprogramm gescheitert“.

Die Website unter der Domain HeheStreams.com hätte dabei „unbegrenztes Streaming einer ganzen Saison von MLB-Spielen für 100 US-Dollar pro Jahr“ angeboten. Der offizielle MLB.tv-Streaming-Dienst von MLB hingegen berechnet 129,99 US-Dollar für eine ganze Saison, berichtet ArsTechnika. Inzwischen befindet sich die Site allerdings unter der Kontrolle von ACE (Alliance for Creativity).

Tarnkappe.info

Antonia Frank

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.