Gesichtserkennung: Software erkennt sexuelle Orientierung

Article by · 11. September 2017 ·

Michal Kosinski (Professor) und Yilun Wang (Student) von der kalifornischen Stanford University ist es laut einer Studie im „Journal of Personality and Social Psychology“ gelungen, eine Gesichtserkennungssoftware so zu programmieren, dass sie aus Porträtfotos mit sehr hoher Trefferquote die sexuelle Orientierung eines Menschen ablesen kann, berichtet The Economist.

Die beiden Forscher zeigen, dass Gesichter viel mehr Informationen über die sexuelle Orientierung enthalten, als vom menschlichen Gehirn wahrgenommen und interpretiert werden können. Mittels einer Software namens VGG-Face wurde von den Forschern ein Feature-Vektor für die Gesichter berechnet (eine Art Fingerabdruck für Gesichter). Diese Merkmale wurden in eine logistische Regression einbezogen, die darauf abzielte, die sexuelle Orientierung zu klassifizieren. Bereits anhand eines einzigen Gesichtsbildes konnte ein Klassifikator in 81% der Fälle zwischen schwulen und heterosexuellen Männern korrekt unterscheiden und in 74% der Fälle für Frauen. Menschen, denen die gleichen Bilder vorgelegt wurden, haben eine deutlich geringere Genauigkeit erreicht: 61% für Männer und 54% für Frauen. Die Treffsicherheit des Algorithmus erhöhte sich sogar auf 91% bzw. 83% bei fünf Gesichtsbildern pro Person.


Zu Beginn haben die Forscher in eine Standard-Gesichtserkennungs-Software (VGG-Face) 35.326 Bilder von 14.776 Personen aus einer Dating-Börse eingelesen. Die Bilder enthielten Metadaten über sexuelle Präferenzen. So lernte die Software, bestimmte Merkmale als Indikatoren für sexuelle Orientierungen zu erkennen. Der Algorithmus lernte dabei selbst auf kleinste Unterschiede zu achten, die Menschen üblicherweise entgehen. Laut den Forschern haben homosexuelle Männer etwas femininere Züge, schmälere Kiefer, längere Nasen und eine höhere Stirn. Bei den Frauen seien es ein tendenziell breiteres Kinn und eine kleinere Stirnpartie. Das lasse homosexuelle Männer leicht „weiblicher“ erscheinen und homosexuelle Frauen leicht „männlicher“.

Offenbar hat das Programm jedoch auch Grenzen. So sollte es aus 1000 zufällig ausgewählten Männern auf der Basis von jeweils mehr als fünf Fotos jene 100 Männer auswählen, die am ehesten schwul sind. ES lag bei dieser Auswertung relativ oft daneben: Von den 100 ausgewählten Männern waren tatsächlich nur 47 homosexuell.

Im Begleittext weisen die Forscher darauf hin, dass sie lange überlegt haben, ob sie ihre Studie überhaupt publizieren sollten. Tatsächlich thematisiert die Studie die denkbaren Missbrauchsmöglichkeiten solcher Technologien in aller Form, denn zum einen ist es Realität, dass homosexuelle Menschen nach wie vor diskriminiert werden, in manchen Ländern besteht für sie Lebensgefahr, zum anderen stellt die Fähigkeit einer Software, Personen aufgrund ihrer Fotos zu kategorisieren, ein ernsthaftes Eindringen in die Privatsphäre von Menschen dar. Tatsache ist, dass die Ergebnisse der Studie schon bald nach Veröffentlichung angefeindet wurden. In einer zwei Tage nach der Studie veröffentlichten Stellungnahme schreiben die beiden Forscher: „Wir haben kein Werkzeug gebaut, um in die Privatsphäre von Menschen einzudringen. Wir haben existente Technologien studiert, die bereits von zahlreichen Unternehmen und Regierungen eingesetzt werden, um zu sehen, ob diese ein Risiko für die Privatsphäre von LGBTQ-Individuen darstellen. Es hat uns zutiefst erschreckt, das bestätigt zu finden.“

Diese aufgezeigten technologischen Möglichkeiten sind vor allem Horrorszenarien, gehören allerdings schon lange nicht mehr in den Berich Science Fiction. Der Forscher hält die zunehmende Anwendung solcher Techniken und ihren Missbrauch, da einmal vorhanden, von daher kaum mehr vermeidbar. Die Privatsphäre von Menschen werde dadurch zwangsläufig weiter durchdrungen. Wenn man Menschen nur anhand von Fotos oder anderen selektiven Informationen Eigenschaften zuordnet, könnte das dann schon bald über deren Zukunft bestimmen. Kosinski meint dazu: „Die Sicherheit von Homosexuellen und anderen Minderheiten hängt damit nicht an Rechten, die uns Privatsphäre garantieren, sondern an einer konsequenten Durchsetzung von Menschenrechten, an der Toleranz von Gesellschaften und Regierungen.“

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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7 Comments

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    hmmm .... ??

    Hab ich da im Text was nicht richtig verstanden?

    So schlecht hat das Programm doch gar nicht abgeschnitten:

    Das Programm hat von 1000 (!) Männern zunächst 100 als am ehesten homosexuell ausgewählt.

    Von diesen 100 (!) waren dann tatsächlich 47 homosexuell.

    Mit „Münze werfen“ ist da gar nichts.

    Vielleicht kann ja ein Statistiker kurz berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, zufällig eine derartige Trefferquote zu erzielen (ich bin in der Beziehung leider absolut unfähig :-) )

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    Robert

    Rein statistisch betrachtet: Wenn Menschen blind raten würden, wer von 100 Menschen homosexuell sei, müsste die Trefferquote bei zwei Antwortmöglichkeiten (ja/nein) bei 50% liegen.

    Insofern ist das Programm mit 47% sogar schlechter als mathematisch „erlaubt“ :-)

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    Rosavonpraunheim

    Nur um das mal klarzustellen, der Artikel ist dazu ja nicht in der Lage. Die Software erkennt geschminkte Gesichter, bzw besondere Merkmale in Gesichtern. Die Forscher glauben dann, genau wie hier Userin Max, dass Schwule sich besonders oft schminken und deshalb daran erkennbar sind. Die Software kann also nicht erkennen, wer wen bumst (oder wie User Max, für immer ungebumst bleibt), das behauptet dann der Forscher oder Max.
    Ihr hoffentlich nicht mehr, ich mag hier ja weiterlesen und ich lese so ungern dumme Sache.

    Nebenbei: 47, wow, eine Münze erkennt mit 50% Wahrscheinlichkeit, ob jemand schwul ist oder nicht.
    Demnächst auf tarnkappe: Zaubermünze erkennt sexuelle Orientierung.
    Wie das dann mit boitcoins wird, weiß ich aber nicht.

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      Antje Bischoff

      @Rosa – Vorsicht mit der Schnappatmung und den Buchstaben:

      „…ich mag hier ja weiterlesen und ich lese so ungern dumme Sache…..“

      Was komisches geraucht, oder ist der Butt-Plug noch drinnen :)

      „…Die Software kann also nicht erkennen, wer wen bumst…“

      Da hat die Software etwas mit Dir gemeinsam :)

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    Max

    Homosexuelle (oft-wie geschminkt und übertrieben weibliche Züge) und Lesben (Skinny/Kurzhaarschnitt etc,) erkenne ich oft mit bloßem Auge.
    Dafür brauche ich keine Software.
    Spätestens wenn sie gegenseitig ihre Zungen verschlucken, weiss man Bescheid :)

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen, solange wir Normalen nicht die Ausnahme bilden und krumm angeschaut werden.

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      Anonymous

      Ach Max, deine Zeit ist vorbei, face it.

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        Antje Bischoff

        Ja Max und wenn man sie nicht sofort erkennt, dann verhalten sie sich wie Veganer. Lautstarke Eigenwerbung so das es jeder hören muss.

        Eine Software braucht man dafür nicht. Wobei so eine Erkennungsapp bei Dunkelheit, Nebel und schlechtem Wetter hätte auch einen gewissen Reiz.
        In der Natur wäre so eine Spezies vom Aussterben bedroht.

        Jemand muss doch Kinder natürlich kriegen, nur adoptieren geht nicht lange gut. Wenn der Nachschub fehlt.


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