Digitalcourage e.V. fordert Testabbruch vom Bahnhof Südkreuz

Gesichtserkennung am Südkreuz: Bundespolizei hat falsch informiert – Digitalcourage e. V. fordert sofortigen Abbruch des Tests.

Digitalcourage
Digitalcourage Grafik geralt, thx! (CC0 1.0 PD)

Seit dem 01.08.2017 läuft am Bahnhof Südkreuz ein sechsmonatiges Pilotprojekt, in dem die Möglichkeit getestet wird, aus Menschenmassen heraus Personen per Kamera automatisch zu erkennen, deren Gesichter zuvor gespeichert wurden. Unter den 275 freiwilligen Testpersonen ist auch padeluun von Digitalcourage. Er hat den Transponder genauer untersucht und dabei herausgefunden, dass der wesentlich mehr kann, als den Testpersonen mitgeteilt wurde. Digitalcourage fordert nun, dass der Test sofort abgebrochen wird.

Digitalcourage fordert Abbruch der Testreihe

Für die sich am Projekt „Erprobung intelligenter Videotechnik zur Gesichtserkennung“ beteiligten Testpersonen wurde es am 01.08.2017 ernst. Das Vorhaben startete. Man erfasst nun die Pendler, die täglich die Teststrecke des Bahnhofs durchqueren, videotechnisch. Mittels eines ihnen ausgehändigten Transponders soll festgestellt werden, ob das System die Person tatsächlich immer erkennt, wenn sie einen markierten Bereich im Bahnhof betritt. Dieser Bereich ist mit RFID-Baken „abgezäunt“. Die Freiwilligen mit den RFID-Transpondern sollen so auf jeden Fall erkannt werden, sobald sie die Fläche betreten. Wenn der Algorithmus also das Gesicht nicht erkennt, wird die Person über den Transponder dennoch identifiziert. Damit verbessere man die Zuverlässigkeit der Gesichtserkennung, so die offiziellen Angaben.


iBeacon statt RFID-Chip ausgehändigt

Auch padeluun, der Gründungsvorstand von Digitalcourage e.V., hat sich als Testperson für das Projekt zur Verfügung gestellt. Er hat den ausgehändigten Transponder unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass es sich nicht, wie von der Bundespolizei vorher angekündigt, um einen RFID-Chip handelt, sondern, dass er einen iBeacon in Empfang nahm. Das ist ein aktiv sendender Bluetooth-Transponder, mit 20 Metern Reichweite, der in der Lage ist, noch weitaus mehr Informationen zu erfassen, als für den Test nötig sind. Dazu gehören Temperatur, Neigung und Beschleunigung. Der iBeacon kann diese Informationen aufzeichnen, speichern und weitergeben. Diese Daten könnten mit einer App aus Googles Play Store ausgelesen werden. Aufgrund dessen wäre es möglich herzuleiten, was die Personen auch außerhalb des Bahnhofs gemacht haben – also auch außerhalb des Testbereichs.

Der Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage fordert einen sofortigen Abbruch der Tests zur Gesichtserkennung am Südkreuz mit der Begründung, dass die Bundespolizei die Testpersonen falsch über die eingesetzte Technik informiert habe. Es wurde dabei Technik eingesetzt, der die Testpersonen nicht zugestimmt haben. Zudem erfassen die Geräte auch die Gesichter von Personen, die gar nicht am Test teilnehmen. Ebenso würden die Lesegeräte neben den blukii iBeacons noch andere Bluetooth-Geräte erfassen. Auch dazu haben die betroffenen Personen nicht ihre Einwilligung gegeben.

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Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.