Abmahnung wegen Filesharing verjährt erst nach zehn Jahren

Das LG Köln entschied, dass Schadenersatzansprüche einer Abmahnung wegen der illegalen Verbreitung eines Filmes erst nach 10 Jahren verjähren.

Abmahnung, LG Köln

Das Landgericht Köln entschied, dass  Schadenersatzansprüche einer Abmahnung wegen der illegalen Verbreitung eines Filmes erst nach 10 Jahren verjähren. Das Urteil fiel am 17.05.2018 unter dem Az 14 S 32/17. Damit hat man das Urteil des Amtsgerichts Köln wieder aufgehoben. Demnach hatte man sich zuvor für eine Verjährung der Abmahnung und aller Ansprüche der Kanzlei Waldorf Frommer ausgesprochen.

P2P-Abmahnung verjährt nach 10 Jahren

Gegenstand des Verfahrens vor dem LG Köln war die Teilnahme an einer P2P-Tauschbörse. Damit auch der illegalen Verbreitung eines urheberrechtlich geschützten Filmes. Die süddeutsche Medienkanzlei Waldorf Frommer hatte im Auftrag eines Filmstudios den Abgemahnten nach Ablauf der regelmäßigen Verjährung von drei Jahren auf Herausgabe des rechtswidrig Erlangten (Schadenersatz und Lizenzkosten wegen des Konsums & der illegalen Verbreitung des Kinofilms) verklagen wollen.

Sie vertreten dabei die Ansicht, dass laut der BGH-Entscheidung „Everytime we touch“ (Urteil vom 12.05.2016, Az. I ZR 48/15) geklärt sei, dass ihre Forderungen bei Anspruch auf Herausgabe eines „widerrechtlich erlangten Etwas“ erst nach zehn Jahren verjähren. Der reine Konsum des Films wurde vom Amtsgericht Köln in der Art bewertet, dass man die Ansprüche des Filmstudios und der Medienkanzlei als verjährt ansah. Wer nichts bekommen hat (außer einer Datei auf der Festplatte), muss auch nach Ablauf der regulären Verjährungsfrist im Fall einer Abmahnung nichts dafür bezahlen, argumentierte das Amtsgericht Köln.


LG Köln widerspricht AG Köln

Das sieht das Landgericht Köln anders, wie der Blog von der Kanzlei Waldorf Frommer berichtet. Nach Ansicht der Richter habe der Abgemahnte etwas erlangt. Nämlich den Gebrauch eines ihm nicht zustehenden Rechts auf den Konsum des Filmes. Die Ansicht des AG Köln, der Abgemahnte habe sich lediglich die Kosten für eine DVD etc. sparen wollen, wird als falsch angesehen. Der Kölner hat ja nicht nur sich selbst bedient. Er hat das Werk diversen anderen Nutzern öffentlich zugänglich gemacht. Deswegen habe die letzte Instanz den Kern der streitgegenständlichen Rechtsverletzung verkannt.

Der Empfänger der Abmahnung muss nun einen Lizenzschadenersatz in Höhe von 1.000 Euro leisten. Dieser berechnet sich aufgrund des Wertes des Kinofilms und der Anzahl der geschätzten Transfers in der P2P-Tauschbörse an Dritte.

Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.