Fanal in Hollywood: Physische Oscar Screener gehen in den Ruhestand

Angst vor Piraten? Oscar Screener dürfen bald nicht mehr als physische Kopie, sondern nur noch als Links eingereicht werden.

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Bildquelle: giobartlett , thx! (Unsplash-Lizenz)

Die Oscar-Verleihung steht vor einer Revolution. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences will demnächst keine Oscar Screener mehr für den Abstimmungsprozess ihrer Juroren verwenden. Damit geht eine lang gehegte Tradition zu Ende. Vermutet wird, dass neben den ökologischen und finanziellen Vorzügen auch die Angst vor Piraten zu diesem Schritt führten.

Physische Oscar Screener landen oft auf Torrent-Seiten

Die Wochen vor der Preisverleihung sind für Filmpiraten wie Weihnachten. Bislang verschickte man jedes Jahr tausende physische Kopien der Screener per Post. Die Mitglieder der Akademie erhalten sie zum Zwecke der Abstimmung. Die Filme landen dann wenig später auf den Torrent-Seiten, wo sie zum Download bereitstehen. 2018 berichtete TorrentFreak etwa, dass alle damaligen Oscar-Anwärter auf Piratenseiten zu finden waren.

Academy setzt auf Digitalisierung

Damit könnte bald Schluss sein. Die Academy kündigte jetzt an, nach der nächsten Oscar-Verleihung auf physische Kopien verzichten zu wollen. Stattdessen will sie nur noch Links zu den jeweiligen Werken benutzen. Dann wäre es auch für die Piraten mit den Oscar Screenern vorbei.

„Die 93. Verleihungssaison wird das letzte Jahr sein, in dem DVD-Screener verteilt werden dürfen“, heißt es in der offiziellen Erklärung. „Physische Screener werden ab 2021 für die 94. Academy Awards eingestellt.“

Die Oscars gehen damit den gleichen Weg wie der Primetime Emmy Award. Die dafür verantwortliche Academy of Television Arts & Sciences hat bereits in diesem Jahr den Wechsel vollzogen.


Nachhaltig und sicher gegen Piraten?

Eigenen Angaben nach sei der Grund für die Umstellung Teil ihrer Bemühungen um Nachhaltigkeit. Dazu gehöre eben auch ein Verbot von physischen Speichermedien, die eventuell der Umwelt schaden könnten. Dazu kommt natürlich, dass die digitale Variante kostengünstiger ist.

Ob das die ganze Wahrheit ist? Einige Stimmen behaupten, dass sich Hollywood damit gegen Filmpiraterie zur Wehr setzen möchte. Allerdings ist fraglich, ob die Digitalisierung des Abstimmungsprozesses wirklich sicherer ist. Daran gibt es zumindest erheblichen Zweifel.

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Bildquelle: Schanin, thx! (CC0 Public Domain)

Gegenüber TorrentFreak erklärte beispielsweise die Piracy-Gruppe EVO, dass in der Vergangenheit bereits einige Oscar Screener aus Online-Quellen an die Öffentlichkeit gelangten.

Am Ende des Tages scheint die hartnäckige Piraten-Szene immer einen Weg zu finden.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.