Die Durchsuchungen von Ebookspender.me: Spiegelbest kommentiert

Nach der Razzia in ganz Deutschland: Was ist an den Vorwürfen gegen das illegale Forum Ebookspender dran? Spiegelbest bezieht Stellung.

ebookspender.me

Ebookspender.me: Dienstag Abend ergingen die Durchsuchungen. Es ist so viel darüber geschrieben worden, einige Dinge korrigiert werden sollen. Allerdings gibt es einige Vorwürfe, die schlichtweg falsch sind. Es gibt einige Vorwürfe, die so unscharf formuliert sind, dass es an Irreführung grenzt.

Es gab den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Die Fakten: Bei Ebookspender wurden nur Geschenkgutscheine entgegengenommen. Natürlich ist ein Amazon-Geschenkgutschein eine Einnahme, streng genommen. Selbst wenn er direkt wieder ausgegeben wird. Weiß ich auch. Aber es floss nichts ab. Sogar die Server wurden aus eigener Tasche bezahlt. Ebookspender war ein echtes Zuschussgeschäft. Glaubt es oder nicht, aber die Behörden werden in dieser Frage nichts finden.


Teilnehmer vom Buchspenderkreis durchsucht

Es gab nicht mehr als 10 Moderatoren insgesamt (nicht 30!), aber interessant ist etwas anderes: Diese Moderatoren waren für die Foren zuständig. Es waren allesamt Spezialisten, die für die Vorschläge der Titel, die Abstimmungen und die Beiträge zuständig waren. Der Einkauf aber, das Reinigen, das Hochladen – was organisatorisch beieinander liegt – war eine Aufgabe von anderen Nutzern. Ebookspender war ein Freizeitboard! Die Moderatoren hätten sich mächtig beschwert, wenn sie auch noch hätten einkaufen müssen. Es ging damals nicht um die Sicherheit, vielmehr ging es ihnen um die Arbeitsbelastung.

Ebookspender hatte – wie andere geschlossene Boards auch – sehr viele aktive Nutzer. Wem die Behörden nachstellen, kann ich nicht sagen. Wenn ihr aber die Wortwahl der Vorwürfe betrachtet, dann werdet ihr eine gewisse Unschärfe feststellen. Die Behörden haben Hausdurchsuchungen gemacht und versucht, Vorwürfe zu belegen. Nun sind die Gerichte dran. Mal abwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Moderatorin der Literatur – die nur Titel vorgeschlagen und Beiträge geschrieben hat – strafbar gemacht hat. Natürlich hat es Uploader gegeben. Fragt sich nur, wer sie waren.

Wie gelangte man an die IP-Adressen?

Für euch wird von Interesse sein, wie die Behörden an die IPs gekommen sind. Nun, es gibt zwei Möglichkeiten. Sie können von außen auf den Server gekommen sein, was sehr aufwendig und anspruchsvoll ist. Oder es kann jemand von innen – über die Forensoftware – die IPs abgefragt haben. Dazu muss ich sagen, dass die IPs verschlüsselt wurden. Aber was nützt das, wenn sie für die Behörden auf Admin-Ebene wieder entschlüsselt werden. Zwei Möglichkeiten: Eine ist abwegig, die andere sehr plausibel.

Trotz der Feststellung der IPs: Die Uploads und die Downloads liefen nicht über einen eigenen Server (wie bei Lul.to), sondern über externe Hoster!! Wer also etwas belegen will, muss Durchsuchungen bei Zippyshare, FireDrive und den anderen durchführen: Die Forensoftware selbst kann die Uploads und Downloads nicht erfasst haben! Ich bin neugierig, wie die Vorwürfe des Staatsanwaltes aussehen werden.

Ebookspender ist bald vergessen!

ebookspenderDas Traurige daran ist, dass sich die Nutzer von Ebookspender, aktive oder passive, auf die Admins – also bis 07-2014 auch auf mich – verlassen haben. Ich will mich nicht entschuldigen, aber die Ereignisse rund um die Boerse.bz konnte niemand voraussehen: Wir haben es wohl von Anfang an mit einem Insider zu tun, der auspackt. Und nach und nach mit Vorladungen, in deren Verlauf weitere Insider auspacken. Tja, dann gibt es eben Deals. Und ein solcher Deal waren die IPs bei Ebookspender. Weitere Deals werden folgen. Ebookspender ist bald vergessen!

Noch etwas will ich los werden: Bei Ebookspender wurde in diesem Sommer eine 4-wöchige Schonfrist für Neuerscheinungen eingeführt. Diese wurde im Zusammenhang mit der Kindle Flatrate beschlossen. Ich will gar nicht verhehlen, dass Ebookspender alles andere als harmlos war. Das Problem bei Ebookspender war aber nicht das Forum – das waren ein paar hundert Nutzer – das Problem waren die Entnahmen von anderen Boards. Die Titel gingen in einen zweiten Kreislauf. Daher auch die Schonfrist!

Und ein zweites: Auf Ebookspender wurde ein Archiv von mittlerweile über 60.000 Verlagstitel angeboten. Es gab einen Grundbestand, monatliche Updates und Tagesupdates. Okay, Ebookspender trat low-profilig auf, aber dieses Archiv – schlichte 60 GB an Space – hat seinen Weg stick-to-stick in die Umgebung gefunden. In einen privaten zweiten Kreislauf (den ich persönlich für immens groß halte).

Und um noch etwas mag es den Verlagen gegangen sein: Es gab wohl – wenn ich recht informiert bin – Gedankenspiele, eine Buchpiraten-Flatrate aufzuziehen. Ich halte aber fest, dass all dies den einzelnen jetzt Beschuldigten völlig unbekannt gewesen sein dürfte.

Spiegelbest zieht sich zurück, langsam aber sicher

Ich werde mich nicht mehr oft zu Wort melden und wage deshalb einen kleinen Rückblick. Uns ist viel vorzuwerfen. Es ist den Verlagen durch uns sicherlich Schaden entstanden. Mag sein. Aber wir haben auch etwas erreicht: Wir haben das digitale Lesen richtig populär gemacht. Dunkelziffer hin, Dunkelziffer her. Es ist wohl so: Wenn es nach den Verlagen gegangen wäre, hätten sie das damals neue ‚Geschäfts’feld gleich wieder eingestampft.

Und schauen wir uns die E-Books mit ein wenig Phantasie an. Ich gehe davon aus, dass dass die anderen E-Book-Boards auch fallen werden (Begründung, siehe oben). Und dann sind die E-Books nicht mehr illegal. Dann können die Verlage ungestört Geld verdienen – in einem sehr populären Format!

Halten wir aber zähneknirschend für das Protokoll fest: E-Books gibt es heute, weil Amazon und die Buchpiraten sie damals haben wollten!

Bildquelle: Shutterstock, thx.