Denuvo erweitert Sortiment um Anti-Cheat-Software

Denuvo möchte seine Produktpalette neben dem umstrittenen Kopierschutz für Spiele nun auch um eine Anti-Cheat-Software erweitern.

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Denuvo, einer der führenden Anbieter in Sachen Gaming-Sicherheit, erweitert nun sein Sortiment. Bot er bisher noch vorrangig einen umstrittenen Kopierschutz für Spiele auf Desktop-PCs, mobilen Geräten, Spielkonsolen und anderer Hardware an, so wird er in Zukunft seine bereits vorliegende Produktpalette nun, nach der Übernahme durch Sicherheitsspezialist Irdeto am Jahresanfang, auch mit Anti-Cheat-Diensten ausbauen, berichtet pcgamesinsider.biz.

Lange Zeit galt der Kopierschutz der Anti-Tamper-Software von Denuvo als schwer zu knacken. Anfang des Jahres 2016 wollte die chinesischen Cracker-Gruppe 3DM ihre Bemühungen gegen die Spieleindustrie schon aufgeben, weil es immer schwerer wurde, den Anti-Temper-Kopierschutz auszuhebeln. Kam danach „God Eater 2“ schon im August 2016 auf den Markt, so hinkte man mit dem Crack immer noch Monate hinterher, der erschien erst im Januar 2017. Jedoch änderte sich die Situation darauf folgend auch schnell. Mit dem Spiel Tekken 7 wurde der Denuvo-Anti-Tamper-Schutz in nur vier Tagen nach Release ausgehebelt; als vorherige Spitzenreiter galten Resident Evil 7 und Rime mit fünf Tagen.

So soll es aber auch aufgrund des Kopierschutzes von Denuvo zu Leistungseinbußen bei verschiedenen Spielen, wie Tekken 7, gekommen sein. Das Spiel wurde beim Ausführen bestimmter Moves merklich langsamer. Aber auch der YouTuber Overlord zog in seinen Tests die Bilanz, dass ohne Denuvo 45 Prozent mehr Bilder pro Sekunde angezeigt würden als mit. Er ist davon überzeugt, dass der Kopierschutz zwar in vielen Fällen Einfluss auf die Performance der Spiele hat, verallgemeinern ließe sich das aber nicht. Es gebe auch Beispiele, wo kein Unterschied festgestellt werden konnte. Insgesamt gesehen zog das einen Imageschaden für das Unternehmen nach sich, weil der Kopierschutz mehr Probleme für zahlende Kunden als für die Piraten verursachte.


Die Amsterdamer Verschlüsselungsspezialisten von Irdeto, ein Tochterunternehmen des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers und zugleich die neue Muttergesellschaft von Denuvo, verkündete, dass die  Anti-Cheat-Technologie von Denuvo ausgebaut wird und als zweites Standbein des Unternehmens dient. Das gab Lucas Catranis, Irdetos Director of Product Marketing, im Rahmen der Gamescom gegenüber pcgamesinsider.biz bekannt. Irdeto verkündete, dass die Anti-Cheat-Technologie von Denuvo als End-to-End-Lösung veröffentlicht wird und dazu gedacht ist, Hacker in Multiplayer-Spielen davon abzuhalten, Manipulationen auszuführen und Daten oder Code so zu verändern, um sich Vorteile zu verschaffen oder Ingame-Transaktionen zu umgehen.

Catranis erklärt, dass man „im Angesicht des großen potenziellen Schadens für virtuelle Wirtschaftssysteme bei Online-Spielen durch Cheater, auf die Technologie von Irdeto blicke und Synergien sehe. So ist das Unternehmen der ursprüngliche Patenthalter von „white-box cryptography“, die man als Teil eines breiteren Sicherheitsportfolios für Spiele-Publisher und -Studios außerhalb des klassischen Marktes für Anti-Tamper-Software nutzen könne.“

Aber auch gegen das negative Image soll etwas unternommen werden, kündigte Catranis an. Das wäre etwas, das „dem Unternehmen mehr als bewusst sei“ und es ist etwas, das es beheben gilt: „Viel zu lange sind Missverständnisse nicht aufgeklärt worden. Von der Irdeto-Seite aus verstehen wir, dass es einige Zeit dauern wird, um die Dinge, denen einige Spieler antagonistisch gegenüberstehen, in etwas zu verwandeln, dem sie vertrauen und glücklich sind.“ Catranis gab sich jedoch optimistisch, was die Unternehmensziele anbelangt. Er meint, dass „die Leute wirklich den Wert dessen verstehen werden, was wir bieten“, sobald man mit der Erweiterung der eigenen Produktpalette im Anti-Cheat-Bereich tätig werde.

Bildquelle: superanton, thx! (CC0 Public Domain)

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.