Brandgefährlich: Xplosives Board im Darknet wiedereröffnet

Einer der ehemaligen Nutzer des Sprengstoff-Forums Xplosives hat das Board kürzlich im Darknet wiedereröffnet. Im August 2019 hatten Polizisten in Deutschland, Litauen und Kroatien in einer Razzia den Vorgänger samt seiner Betreiber hochgenommen.

Xplosives – vom Clearnet zum Tor-Netzwerk

In einer gemeinsamen Aktion gingen in mehreren europäischen Ländern die Behörden gezielt gegen das Sprengstoff-Forum Xplosives vor. Damals fanden Hausdurchsuchungen in den Räumlichkeiten von 22 Verdächten statt. Der Polizei ging es bei der Razzia sowohl um die Strafverfolgung als auch um die Gefahrenabwehr. Den Betreibern wirft man vor, dass man sich dort über den Bau von Bomben, Sprengstoffen und Zündern offen austauschen konnte. Die Nutzer veröffentlichten detaillierte Anleitungen, wie man mit handelsüblichen Mitteln, die es im Discounter bzw. Drogeriemarkt zu kaufen gibt, gefährliche Bomben bauen kann.

Auch im Nachfolgerforum tauscht man sich über Pyrotechnik und verschiedene gefährliche Sprengstoffe aus. Gründer Kano schrieb uns, er war seit dem Jahr 2015 auf dem alten Xplosives aktiv. Ihm habe das Forum „einfach gefallen“. Als der Bust bekannt wurde, habe er auf einen Nachfolger gehofft. „Aber als nach einem halben Jahr immer noch nichts passiert ist, ist mir klargeworden, dass man von der alten Führung höchstwahrscheinlich nichts mehr hören wird. So habe ich mich dazu entschlossen, einfach mein eigenes Forum aufzumachen.“

xplosives board

Screenshot (Ausschnitt) vom Xplosives Board: Alles vorhanden, was Hobby-Pyprotechniker für ihr Glück benötigen?

Verzicht auf gesprochene Kommunikation

Weil dem Gründer der Vorläufer gefiel, will er nicht viel ändern. Aus Sicherheitsgründen verzichtet er allerdings auf jegliche Kommunikation via Teamspeak (TS), Discord etc., „weil das natürlich ein guter Ansatz für die Polizei wäre.“ TS und andere Sprachkonferenz-Programme könne man nicht über das Tor-Netzwerk laufen lassen. Wenn User ohne Stimm-Verzerrer an Diskussionen teilnehmen würden, könnten Polizeibeamte Aufnahmen erstellen, um die Identität der Forenteilnehmer aufzudecken. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die echte IP-Adresse der Gesprächsteilnehmer darüber preisgegeben werden könnte.

xplosives 2.0

Der Marktplatz des neuen Forums. Gehandelt wird mit Patronen & Waffen. Gesucht werden geklaute Packstationen.

Verboten ist nur CP und Spam

Nach eigenen Angaben hat er sich ausreichend gegen jegliche Strafverfolgung abgesichert. „Ich werde jetzt natürlich keine Details über mein Setup verraten. Aber wenn ich mir keine Gedanken gemacht hätte, würde ich sowas hier auch nicht betreiben“, schrieb er uns zur Antwort. Erhebliche Sicherheitsmaßnahmen werden zweifelsohne erforderlich sein, weil es dort auch einen Marktplatz für Waffen gibt. Außerdem ist es den Nutzern erlaubt, sich offen über die chemische Trennung von Drogen oder beispielsweise den Anbau von BTM-pflichtigen Pflanzen auszutauschen. Für das Tor-Netzwerk habe er sich entschieden, weil es somit nicht möglich wäre, sich auf seinem Forum komplett ungesichert zu bewegen. Gerade bei Themen wie Pyrotechnik und Sprengstoff gebe es einige Neulinge, die noch nicht wüssten, wie sie sich technisch gegen eine Aufdeckung absichern können. Verboten habe er lediglich KiPos (CP) und Spam.


Admin von DiDW löscht Werbethread von Xplosives 2.0

Bei Deutschland im Deep Web wurde der entsprechende Werbethread zeitnah gelöscht. Wahrscheinlich tat sudo von DiDW dies aus Angst vor einem weiteren Bust, mutmaßt Kano. Tatsächlich hat er dort gegen bestehende Regeln verstoßen.

Domain beschlagnahmt vom LKA NI etc.

„Seit dem Amoklauf von München wurden Diskussionen über Schusswaffen und Sprengstoff auf den anderen Boards eingeschränkt oder verboten. Ob das jetzt daran liegt, dass die Admins Angst vor den Behörden haben oder einfach nicht wollen, dass sowas nochmal passiert, weiß ich nicht. Aber seitdem will keiner mehr etwas mit diesem Thema zu tun haben.“

Auf das Alleinstellungsmerkmal seines Projekts angesprochen, schreibt uns Kano, bei ihm seien bis auf wenige Ausnahmen halt fast alle Themenbereiche erlaubt.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.