Aufmerksamkeit: Für Wolf Biermann ist Edward Snowden ein Feigling

Wolf Biermann übt Kritik an Edward Snowden: Für ihn ist er ein Feigling. Das äußerte er zu einem Interview anlässlich der Herausgabe seiner Autobiografie.

Superman Snowden ?

Pünktlich zum Erscheinungstermin (8. Oktober 2016) seines neuen Buches „Warte nicht auf bessre Zeiten!: Die Autobiographie“ sorgte der Dichter und Liedermacher Wolf Biermann für Schlagzeilen und damit auch gleichteitig für Publicity. Er greift dabei niemanden geringeren als Edward Snowden an. Biermann (79) hält Edward Snowden für einen Feigling. Das sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Snowden wäre nur ein Held, wenn er in den USA geblieben wäre

Wolf Biermann war immer ein Mensch, der eintrat für seine Überzeugungen. So siedelte er mit sechzehn Jahren von Hamburg in die DDR über: er hielt sie für das bessere Deutschland. Schnell hatte er Kontakt zur Kunstszene. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble.

Ab 1960 veröffentlichte er erste Lieder und Gedichte. Als echtes Proletarierkind spürte er immer die Berechtigung, mit den DDR-Oberen auf Augenhöhe über den Sozialismus zu streiten. Seine alte Freundin Margot Honecker besucht ihn, lockt damit, dass er der größte Dichter werden könne, aber „wenn du weiter den falschen Weg gehst, werden wir Feinde“, drohte sie ihm. Sie wurden es, er fiel bei der DDR-Staatsführung in Ungnade, Biermann erhält Auftritts- und Publikationsverbot, der Dichter soll schweigen. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen geehrt wurde. 1976 wurde ihm eine spätere Wiedereinreise aus der Bundesrepublik Deutschland während einer Konzerttour verweigert und er wurde ausgebürgert. Er wohnte danach wieder in Hamburg. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR.


In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit Karim Saab antwortete er paz-online auf die Frage: „Ist für Sie Edward Snowden ein Held?“

Biermann kritisiert das Asyl in Russland

Mit „Nein. Ein Spieler.“ Karim Saab fragte nach: „Ein Verräter?“ und darauf sagte er: „Nicht mal das. Tief unter dem Verräter. Verrat ist ja eigentlich ein negatives Wort. Aber natürlich gibt es menschliche Beziehungen, die so beschissen sind, dass man nichts anderes kann, als sie zu verraten. Es gibt also den guten Verrat und den schlechten Verrat.

Ein Held wäre er, wenn er den Mut gehabt hätte, in den USA zu bleiben.“ Auf die Aussage, dass er dann aber im Gefängnis gelandet wäre, meinte Biermann: „Tausendmal besser, in der Demokratie im Gefängnis zu sitzen, als sich in der Diktatur den Arsch pudern zu lassen. Die unvollkommenste Demokratie ist Tausendmal besser als die vollkommenste Diktatur. Ich rede so laut, weil es mich so aufregt.“ Auch könne er nicht nachfühlen, dass Snowden lieber in einem „größeren statt einem kleineren Käfig“ lebt: „Nein, er hätte ein Kerl sein müssen und nicht eine Flasche, die sich in eine Diktatur rettet, zu Putin, da lachen ja die Hühner!“.

Danach differenziert Biermann noch, „wie hinter demokratischen Kulissen mit Daten umgegangen wird“: „Wenn Missbrauch getrieben wird mit Daten, ist das natürlich ein Verbrechen und schädlich für die Menschen. Aber es ist immer noch ein riesiger Unterschied, ob dies in einer Putin-Diktatur oder in einer Obama-Demokratie geschieht!“

Fazit – hat Wolf Biermann das überhaupt nötig?

Wolf Biermann ist jemand, der polarisiert. Zu seiner Zeit war er ein Andersdenkender, der sich nicht mit bestehenden Verhältnissen abfand, er wollte Veränderungen. Er war ein Rebell und gleichzeitig auch ein Held. Sich einzumischen betrachtete er als Spaß, als Lebensfreude, wie er selbst es bezeichnet. Zweifelsohne gehörte viel Mut dazu, gerade in solchen Zeiten einer Diktatur öffentich aufzutreten und für eine Wende einzustehen.

Mit bald 80 Jahren blickt er in einer erst kürzlich veröffentlichten Biografie zurück und hält wichtige Eckpunkte darin fest, denn gerade sein Leben ist sehr eng verknüft mit der deutschen Geschichte.

Nun war es eine sehr lange Zeit völlig ruhig um Wolf Biermann. Zu seinem baldigen 80. Geburtstag zieht er Bilanz in seiner Biografie und natürlich will er sein Buch sehr gut verkaufen. So macht er also Werbung. Auch ein Interview ist dafür durchaus geeignet. So weit, so gut. Aber das, was er über Edward Snowden äußert, klingt für mich eher so wie Aufmerksamkeit bekommen zu wollen um jeden nur erdenklichen Preis.

Sympathien werden ihm solche Aussagen wohl kaum einbringen, wenn er äußert, Snowden sei „kein Kerl, sondern eine Flasche“. Das ist schon mehr als nur unter der Gürtellinie. Ich frage mich also: „Hat er das denn nötig bei seinen Verdiensten?“. Sein Buch hätte sich sicher doch auch so gut verkauft, aber das allein reichte ihm wohl noch nicht. Vielleicht aber kann er sich auch nur schlecht damit abfinden, dass seine große Zeit vorbei ist und Edward Snowden gerade jetzt, auch durch den Kinofilm, noch populärer ist.

Ich persönlich finde so ein Verhalten, über jemanden mit Verdiensten wie Edward Snowden so abfällig zu schreiben, einfach nur armselig aus welchen Gründen heraus auch immer. Gerade von einem Wolf Biermann hätte man anderes erwarten können.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.