französische Fans mit Flagge von Paris Saint-Germain
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Bildquelle: Aleksandr Galichkin, Lizenz

IPTV-Nutzer zu Geldstrafen verurteilt

Im französischen Arras verhängte die zuständige Staatsanwaltschaft 20 IPTV-Nutzer zu Geldstrafen von bis zu 400 Euro.

Jahrelang haben die Behörden französische IPTV-Nutzer nicht ins Visier genommen, da auch die Rechteinhaber ausschließlich gegen die Betreiber und Wiederverkäufer vorgingen. Das änderte sich letzte Woche, als die Staatsanwaltschaft von Arras 19 IPTV-Abonnenten mit Geldstrafen zwischen 300 und 400 Euro belegte. Man deckte ihre Identität im Zuge einer Razzia gegen einen Wiederverkäufer auf. Die Strafverfolgung erfolgte auf Strafanzeige der Ligue de Football Professionnel (LFP).

Frankreich an vorderster Front beim Kampf gegen Online-Piraterie

Bereits 2009 führte das Land das „Three-Strikes“-System („abgestufte Reaktion“) ein, bei dem die Behörde Hadopi P2P-Filesharer aufspürte, um sie zu verwarnen oder später mit Geldstrafen zu belegen. Als sich die Online-Piraterie jedoch auf das Streaming verlagerte, wurde die Durchsetzung komplizierter. Im Gegensatz zu BitTorrent sind die IP-Adressen der IPTV-Nutzer nicht öffentlich einsehbar, was die Identifizierung und strafrechtliche Verfolgung einzelner Abonnenten erschwert. Dafür muss die Polizei die illegalen Online-Dienste hochnehmen, um der Spur des Geldes zu den Kunden zu folgen. Da die Dienste allerdings die Kundendaten und alle Logins aufzeichnen, können die Strafermittlungsbehörden auf diese Daten nach einer erfolgten Beschlagnahmung zugreifen, um die Abonnenten zu enttarnen.

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20.000 TV-Sender für 7 Euro monatlich.

20 IPTV-Nutzer zu Geldstrafen verurteilt

Am 18. März gab die französische Fußballliga LFP bekannt, dass die Staatsanwaltschaft von Arras mit 20 Abonnenten eines illegalen IPTV-Dienstes einen Vergleich geschlossen hat. Die Nutzer unterzeichneten einen strafrechtlichen Vergleich, der sie zur Zahlung einer Geldstrafe zwischen 300 und 400 Euro verpflichtet. Ausgangspunkt der strafrechtlichen Ermittlungen war eine Strafanzeige des Fußballverbandes LFP. Im Zuge der Ermittlungen konnte man rund 20 Nutzer dieses illegalen Dienstes identifizieren.

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IPTV-Nutzer kaufen die Boxen bei Alibaba & Co.

Man hat sie befragt und anschließend einer strafrechtlichen Vergleichsmaßnahme unterzogen, die zu Geldstrafen zwischen 300 und 400 Euro führte. Damit sind sie noch günstig weggekommen. Die Maßnahmen basieren auf Artikel 79-4, ein Gesetz aus dem Jahr 1986, das eine Geldstrafe von bis zu 7.500 Euro vorsieht. Wie TorrentFreak berichtet, startet nächsten Monat für die beiden erwischten IPTV-Wiederverkäufer das Verfahren vor dem Strafgericht in Arras.

Fußballverband jubelt und warnt weitere illegale Nutzer

Der französische Fußballverband und seine Tochtergesellschaft LFP Media begrüßen den Ausgang der Verfahren. Die IPTV-Nutzer sollen nicht „fälschlicherweise glauben, dass sie völlig ungestraft handeln, während sie wissentlich zu einem Mafia-Ökosystem beitragen, das dem gesamten Sportsektor ernsthaften Schaden zufügt.“ Der Kampf gegen die Piraterie habe für die LFP-Gruppe absolute Priorität. Natürlich geht es darum, die Exklusivität der eigenen Übertragungen zu wahren.

Zwar blockiert die Behörde Arcom seit dem 2022 mehr als 12.600 Domains illegaler Anbieter. Doch das System ist für die Verbände nicht ausreichend. Sie fordern vom Gesetzgeber und den Internetanbietern Websperren neu genutzter Domains in Echtzeit. Das gilt natürlich umso mehr, wenn im Juni die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ startet.

LFP fordert härtere Strafen & DNS-Sperren in Echtzeit

LFP

Um die eigenen Maßnahmen nachhaltig zu stärken und der mit Piraterie verbundenen „Werterosion“ wirksam entgegenzuwirken, sei es nach Angaben des Verbandes „nun dringend erforderlich, eine Reform des Systems zur Bekämpfung der Sportpiraterie zu verabschieden.“ Ziel dieser Reform ist es, die Handlungsmöglichkeiten der Rechteinhaber einerseits durch die Schaffung neuer spezifischer strafrechtlicher Straftatbestände im Sportgesetzbuch zu verbessern. Andererseits fordert man die Einrichtung eines automatisierten Sperrsystems in Echtzeit, damit die Bildschirme der IPTV-Nutzer schwarz bleiben.

Momentan prüft die Nationalversammlung einen Gesetzentwurf, der schon im Juni 2025 vom Senat verabschiedet wurde. Zu den geplanten Maßnahmen gehören automatische DNS-Sperren illegaler Anbieter. Rechteinhaber wie beIN Sports beklagen in den Medien, sie hätten auf die Geschwindigkeit und den Ausgang der Prüfung keinerlei Einfluss. Das neue Sperrsystem soll wahrscheinlich ähnlich funktionieren, wie das Piracy Shield im Nachbarland Italien.

Rund zwei Millionen Franzosen nutzen illegale IPTV-Dienste

Last, but not least sollte man noch festhalten, dass dies in ganz Frankreich der erste Fall darstellt, bei dem illegale IPTV-Nutzer bestraft werden. Schaut man sich die Forderungen der Rechteinhaber an, wird es dabei sicherlich nicht bleiben. Dazu kommen Schätzungen aus dem Vorjahr, die davon ausgehen, dass sich rund zwei Millionen Franzosen die Übertragungen illegal anschauen.

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.