Symbolbild: Der Betreiber des Darknet-Marktplatzes Incognito Market wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Symbolbild: Der Betreiber des Darknet-Marktplatzes Incognito Market wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Bildquelle: ChatGPT

Incognito Market Betreiber verurteilt: 30 Jahre Haft für Darknet-Boss „Pharaoh“

Incognito Market Betreiber verurteilt: Darknet-Admin „Pharaoh“ erhält 30 Jahre Haft. Krypto und Exit Scam brachten ihn zu Fall.

Rui-Siang Lin, besser bekannt unter seinem Admin-Alias „Pharaoh“, galt während der Hochphase von Incognito Market zwischen 2020 und 2024 als einer der einflussreichsten Darknet-Admins. Der heute 24-jährige Taiwanese vermittelte über die Plattform Drogengeschäfte im Wert von über 100 Millionen US-Dollar und erzielte dabei einen persönlichen Gewinn von mehr als sechs Millionen US-Dollar (ca. 5.042.160,00 Euro). Nun ist der Incognito Market Betreiber verurteilt und muss aufgrund des Urteils von Richterin Colleen McMahon vom Bezirksgericht New York (Manhattan) für 30 Jahre ins Gefängnis.

Der Incognito Market Betreiber ist verurteilt. Rui-Siang Lin baute einen der größten Online-Drogenmärkte der Welt auf. Er galt als professionell, profitabel und scheinbar anonym. Gemäß Pressemitteilung des DOJ hat ihn die US-Justiz mit der Verurteilung zu 30 Jahren Haft aktuell zu einer außergewöhnlich hohen Strafe im Bereich der Darknet-Marktplätze verurteilt.

Incognito Market: Darknet-Marktplatz mit professioneller Struktur

Incognito Market ging im Oktober 2020 als Darknet-Marktplatz online und orientierte sich dabei an legalen E-Commerce-Plattformen. Die moderne Benutzeroberfläche, umfangreiche Suchfunktionen, ein organisierter Kundenservice sowie Vendorenbewertungen erweckten den Anschein von Seriosität. Tatsächlich wurden dort jedoch illegale Drogen und falsch etikettierte verschreibungspflichtige Medikamente gehandelt.

Incognito Market - Bildquelle: DOJ
Incognito Market – Bildquelle: DOJ

Über den Tor-Browser erreichbar, wickelte der Marktplatz seinen gesamten Zahlungsverkehr über Kryptowährungen ab. Herzstück war die eigens entwickelte „Incognito Bank“, ein internes Escrow-System, das Käufer und Verkäufer voneinander abschirmte. Vendoren zahlten fünf Prozent Provision pro Verkauf, wodurch sich Incognito Market zu einem Multi-Millionen-Dollar-Geschäft entwickelte. Die Einnahmen dienten u.a. der Finanzierung des laufenden Marktplatzbetriebs, einschließlich Personalkosten und Serverinfrastruktur.

„Pharaoh“ – Betreiber und organisatorischer Kopf von Incognito Market

Hinter Incognito Market stand Rui-Siang Lin aus Taiwan. Im Oktober 2020 war er an der Gründung von Incognito Market beteiligt und leitete die Plattform ab Anfang 2022 bis zu ihrer Schließung im März 2024. Unter den Pseudonymen „Pharaoh“ und „faro“ hatte er laut Anklage die alleinige Entscheidungsgewalt über Technik, Finanzen, Vendorenpolitik und Personal. Anfang 2022 führte Lin den Marktplatz wie ein CEO, nur eben mit illegalen Produkten.

Während er eines der größten Darknet-Drogenimperien betrieb, trat Lin auf St. Lucia als Schulungsleiter im Rahmen eines viertägigen Trainings für Polizeibeamte zu den Themen Cybercrime und Kryptowährungen auf. Er dokumentierte diese Tätigkeit selbst öffentlich auf seiner privaten Facebook-Seite.

Gefälschte Medikamente und tödliche Folgen

Ein zentraler Punkt der Anklage gegen den Incognito-Market-Betreiber war der Handel mit angeblichen Schmerzmitteln. Undercover-Käufe ergaben, dass als Oxycodon beworbene Tabletten tatsächlich Fentanyl enthielten. Das blieb nicht folgenlos. Im September 2022 starb ein 27-jähriger US-Bürger nach dem Konsum solcher Pillen.

Incognito Market-Angebot - Bildquelle: DOJ
Incognito Market-Angebot – Bildquelle: DOJ

Spätestens hier galt der Fall nicht mehr als Infrastruktur-Delikt. Es ging um reale Opfer. Der Aspekt beeinflusste das spätere Urteil maßgeblich.

Exit Scam, Erpressung und Kontrollverlust

Im Frühjahr 2024 zeichnete sich der Niedergang von Incognito Market ab. Auszahlungen blieben aus, Guthaben waren blockiert. Kurz darauf folgte ein Exit Scam. Lin schloss die Plattform, behielt mindestens eine Million Dollar Nutzer-Gelder ein und versuchte, Käufer und Vendoren zu erpressen.

Er drohte mit der Veröffentlichung der Daten aller Nutzer, die seiner Zahlungsforderung nicht nachkamen. Seine Ankündigung endete mit den Worten: „JA, DAS IST ERPRESSUNG!!!“. Für die Ermittler war dies der endgültige Beweis, dass Lin die vollständige Kontrolle über Markt und Finanzen hatte.

Incognito Market-Erpressung - Bildquelle: DOJ
Incognito Market-Erpressung – Bildquelle: DOJ

Die Verhaftung Lins erfolgte weniger spektakulär. Am 18. Mai 2024 nahmen Beamte Rui-Siang Lin am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York fest. Es folgten Anklage, Geständnis und schließlich das Urteil.

Incognito Market Betreiber verurteilt

Am 3. Februar 2026 verkündete ein Bundesgericht in Manhattan das Urteil. Es sieht eine Haftstrafe von 30 Jahren vor, gefolgt von fünf Jahren Bewährung, sowie die Einziehung von mehr als 105 Millionen US-Dollar. Die Summe entspricht dem gesamten illegalen Umsatz des Incognito Market. Unabhängig davon, ob der festgesetzte Betrag realistisch eingetrieben werden kann, bleibt die Forderung dauerhaft bestehen.

Pharaohs Fall: Ermittler verfolgten die Geldströme des Incognito Market bis hin zum Betreiber.
Pharaohs Fall: Ermittler verfolgten die Geldströme des Incognito Market bis hin zum Betreiber.

Laut Gerichtsdokumenten vermittelte Incognito Market über 640.000 Drogentransaktionen, bei denen insgesamt mehr als eine Tonne Betäubungsmittel umgesetzt wurden. Zudem verfügte die Plattform über rund 400.000 Käuferkonten und fast 1.800 aktive Vendoren. Die zuständige Richterin bezeichnete den Fall als eines der schwerwiegendsten Drogendelikte ihrer gesamten Laufbahn. Konkret führt sie aus: „[…] mit dem ich in 27,5 Jahren je konfrontiert wurde“.

US-Staatsanwalt Jay Clayton erklärte:

„Rui-Siang Lin war einer der weltweit größten Drogenhändler. Er nutzte das Internet, um illegale Drogen im Wert von über 105 Millionen Dollar in den USA und weltweit zu verkaufen. Lin verdiente zwar Millionen, doch seine Verbrechen hatten verheerende Folgen. Er ist für mindestens einen tragischen Todesfall verantwortlich, verschärfte die Opioidkrise und verursachte Leid für mehr als 470.000 Drogenkonsumenten und ihre Familien. Das heutige Urteil ist eine klare Warnung an alle Drogenhändler: Ihr könnt euch nicht im Schatten des Internets verstecken. Und unsere Botschaft ist eindeutig: Das Internet, ‚Dezentralisierung‘, ‚Blockchain‘ – keine Technologie ist eine Lizenz für den Betrieb eines Drogenhandels.“

Kryptowährungen als Bumerang

In diesem Fall führte die Nutzung von Kryptowährungen zur Überführung von Lin. Ermittler führten verdeckte Testkäufe auf dem Incognito Market durch und verfolgten anschließend die dabei eingesetzten staatlichen Gelder durch die Wallets der Plattform. Durch die Analyse der Transaktionsströme identifizierten sie typische Muster der Vermischung, Geldwäsche und Bündelung von Kryptowährungen, die direkt der Marktadministration zugeordnet werden konnten. Diese Blockchain-Erkenntnisse wurden mit externer Infrastruktur, zeitlichen Abläufen und der Kommunikation verknüpft, die dem Admin-Account „Pharaoh“ zugeordnet war. Rui-Siang Lin glaubte, unangreifbar zu sein und hinterließ dabei ein umfangreiches Beweisarchiv.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.