Die illegalen Anbieter von Fußball-Livestreams blockiert man laut Urteil des Pariser Justizgerichts per DNS, ISP, VPN und die Suchmaschinen.
Die neue Fußball-Saison startet bald, weswegen der TV-Sender CANAL+ bereits am 17. Juli neue Sperranordnungen ergehen ließ. Die Saison 2026/27 der Ligue 1 beginnt mit dem Eröffnungsspiel Olympique Marseille gegen RC Strasbourg am 21. August. Die Spiele der zweiten Liga haben in Frankreich bereits vor wenigen Tagen angefangen. Doch auch die bevorstehenden Spiele der Champions League und Premier League wollen gegen Online-Piraten geschützt werden.
Sperren betreffen ISPs, VPN-Provider, DNS-Resolver und Suchmaschinen
Die Rechtsabteilung von CANAL+ hat dabei keine halben Sachen gemacht. Die Sperranordnungen gegen über 70 Domains ergingen sowohl an Internet-Anbieter, VPN-Provider, DNS-Resolver und die großen Suchmaschinen. Wie Torrentfreak berichtet, ist es schon zu einer Art Tradition geworden, dass die Juristen des TV-Senders jeden Sommer vor den Kadi ziehen, um weitere Websperren gegen illegale Fußball-Livestreams zu erwirken.
Zum Schutz der Premier League ergingen 47 Domain-Sperren und der Champions League 26 Domain-Sperren. Das beinhaltet bekannte Namen wie Totalsportek, LiveTV, Kevinsport und diverse IPTV-Anbieter. Eine vollständige Übersicht über alle betroffenen Domains findet man hier.
Kampf gegen illegale Fußball-Livestreams auf vielen Ebenen
Den größten Einfluss haben die Urteile von CANAL+ auf die Internet-Anbieter. Vor allem auf die Marktführer Orange, SFR, Free und Bouygues Telecom, die man alle zur Sperre der fraglichen Domains verurteilt hat. Weitere Sperranordnungen betreffen sekundäre Dienste, mit denen man die Sperren umgehen kann. So beispielsweise die DNS-Anbieter Google, Cloudflare, Quad9 und DNS4EU. Bing und die Google Suchmaschine müssen die fraglichen Webseiten ebenfalls aus ihren Ergebnissen entfernen.
Last, but not least wendete man sich auch an die großen VPN-Anbieter in Frankreich. So an Proton, CyberGhost und ExpressVPN. Kleinere Provider wie hide.me oder Mullvad waren nicht betroffen. Die Sperren sind dabei dynamisch. Die Behörde ARCOM kann jederzeit neue Mirrors und Ersatz-Domains sperren lassen.
Gericht lehnte alle Einsprüche ab
CyberGhost und ExpressVPN versuchten das Verfahren von CANAL+ zu verzögern, um ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union abzuwarten. Doch das lehnte man ab. Das Urteil der Anne Frank Causa erging zwischenzeitlich. Laut Urteil darf man EU-weit keine VPN-Anbieter für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Kunden haftbar machen. VPNs seien legale technische Mittel, die man einsetzen darf. Doch eine Verzögerung des Verfahrens lehnte das Pariser Justizgericht ab.
Auch die zweite Eingebung blieb ergebnislos. Die VPN-Anbieter argumentierten, Teile des französischen Sportgesetzes würden mit der E-Commerce Richtlinie der EU kollidieren. Doch die EU-Gesetzgebung betrifft Rechtsstreitigkeiten zwischen Unternehmen, was bei den anonymen Domain-Inhabern offenkundig nicht der Fall ist. Neutrale Vermittler könne man ebenfalls juristisch zum Handeln zwingen, da diese die Übermittlung rechtsverletzender Inhalte ermöglichen, hieß es im Urteil.
Suchmaschinen müssen Portale für illegale Fußball-Livestreams löschen
Auch die Juristen von Google wehrten sich gegen die Anordnungen bezüglich ihres DNS-Dienstes und der Suchmaschine. Sie stellten infrage, ob CANAL+ in Frankreich überhaupt durchsetzbare Exklusivrechte besitze. Außerdem habe der TV-Sender gar keine wiederholten Rechtsverletzungen für jede strittige Domain nachgewiesen. Doch auch diese Argumente ließ man vor Gericht nicht gelten. Die Richter wiesen beide Eingebungen ebenfalls zurück.
Frankreich: Automatische Websperren in Echtzeit drohen
Die Anordnungen gegen die rechtswidrigen Fußball-Livestreams erließ das Pariser Justizgericht am 17. Juli. Im Nachhinein ist der Zeitpunkt bemerkenswert, da sie nur vier Tage vor der Verabschiedung eines neuen Sportgesetzes durch das französische Parlament ergangen sind, das das Sperrverfahren neu regelt.
Dabei ersetzt man das bisherige manuelle System, bei dem ARCOM-Mitarbeiter jede Domain vor einer Sperrung manuell überprüft haben. Die Richtigkeit des automatischen Prozesses könnte die Behörde künftig nur noch im Nachhinein überprüfen, wenn es schon zu spät ist. Doch noch gelten die alten Rahmenbedingungen, das neue Gesetz soll aber noch dieses Jahr in Kraft treten. Das neue Verfahren wird den Rechteinhabern den Schutz ihrer Inhalte erleichtern, weil CANAL+ & Co. damit neue Sperren deutlich schneller durchsetzen können. Interessant ist auch, dass die französische Presse über die neuesten Entwicklungen noch gar nicht berichtet hat.
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