BRAIN ist eine kostenlose wie lokale KI-Plattform, bei der keine Daten abfließen. Wir haben uns kürzlich mit ihrem Entwickler unterhalten.
Mit dem Begriff brain.exe ist eigentlich die Intelligenz der Person gemeint, die vor einem Computer sitzt. Umso gewiefter der Nutzer ist, in umso weniger Probleme bringt man die eigene Hardware. Doch in diesem Fall ist BRAIN eine KI, die Heiko Janicke selbst entwickelt hat. Nicht nur, dass jeder Datenschützer an diesem Modell seine Freude hätte. Die Software läuft auch auf älteren PCs und benötigt keine NPU oder eine moderne Grafikkarte, um zu funktionieren. Die KI ist so konzipiert, dass sie sogar auf einem Raspberry Pie laufen kann.
BRAIN halluziniert nicht, sollte es keine Antwort geben
Eine der wichtigsten Unterschiede dürfte auch sein, dass diese KI-Plattform grundsätzlich keine Antwort gibt, wenn sie keine findet. Sie versucht nicht, wie die meisten anderen, die wahrscheinlichste als die richtige Antwort zu präsentieren. Wer weitere Informationen sucht, kann sich zudem bei den jeweils von BRAIN mitgelieferten Quellenangaben bedienen.
Kurz gefasst: Dies ist eine KI-Plattform bzw. ein Agentensystem, bei dem verschiedene Modelle und Werkzeuge zusammenarbeiten. Janicke legt viel Wert auf die darüberliegende Logik. Die Plattform fragt sich stets, was sie weiß, wie sicher sie ist und welche Werkzeuge oder Quellen sie für ihre Antwort benötigt. Alle Nutzer von Windows 10 oder 11 können diese KI-Plattform kostenlos von hier herunterladen. Nach dem Download des Installers mit 1,7 GB ist die lokale KI einsatzbereit, sobald sie alle für die Arbeit benötigten Informationen integriert hat. Es handelt sich nicht um ein primär kommerzielles Projekt. Es gibt zwar kostenpflichtige Erweiterungen, aber kein Abo-Modell. Zudem beinhaltet die kostenlose Version keine Einschränkungen, sie ist vollständig nutzbar.
Da das Hobbyprojekt über kein teures Herausgeber-Zertifikat verfügt, muss man bei der Installation kurz bestätigen, dass man das Programm trotz der Warnung vom Windows Defender installieren möchte. Aktuell kostet die Entwickler ein öffentliches OV-Code-Signing-Zertifikat zirka 600 Euro pro Jahr. Der Preis schwankt dabei bis zu 200 Euro je nach Anbieter, Kaufmodell und Laufzeit.
tarnkappe.info: Vielleicht möchten Sie sich unseren Leserinnen und Lesern zu Beginn kurz vorstellen?
Heiko Janicke: Mein Name ist Heiko Janicke, ich bin 50 Jahre alt und wohne in Geseke. Vorher war ich kaufmännischer Angestellter; heute beziehe ich eine Rente wegen voller Erwerbsunfähigkeit. Das sage ich so offen, weil ich ein ehrliches Produkt verkaufe — da fange ich am besten bei mir selbst an. Die Krankheit hat mir den alten Beruf genommen, aber sie hat mir auch etwas gegeben: die Zeit und die Ruhe, die ein Projekt wie dieses braucht.
Ich arbeite am liebsten schriftlich und konzentriert, und so ist BRAIN entstanden — nicht im Großraumbüro, sondern zu Hause, Schritt für Schritt, jeden Tag ein Stück.
BRAIN geht einen ganz anderen Weg als die Konkurrenz
tarnkappe.info: Wie sind Sie zum Thema Künstliche Intelligenz gekommen? Was reizt Sie daran?
Heiko Janicke: Über die Praxis, nicht über die Theorie. Ich habe mit den großen Chatbots gearbeitet und mich immer wieder über dasselbe geärgert: Sie klingen brillant und erzählen trotzdem manchmal Unsinn — mit voller Überzeugung. Mich reizt die Frage dahinter: Muss das so sein? Oder kann man eine Maschine bauen, die nur sagt, was sie belegen kann — und ehrlich zugibt, wenn sie etwas nicht weiß?
Das ist weniger eine technische als eine Charakterfrage, und die hat mich gepackt.
tarnkappe.info: Wie kommt man auf die Idee, alleine eine KI zu erstellen? Mit welcher Motivation? Monetäre Gründe können ja kaum im Vordergrund stehen…
Heiko Janicke: Ehrlich gesagt: aus Sturheit. Überall stand, ohne Rechenzentrum und Millionen-Budget gehe es nicht. Das wollte ich nicht glauben. Meine Motivation ist zu zeigen, dass ein einzelner Mensch mit normaler Hardware etwas bauen kann, das in seinem Revier — ehrliche, belegte Antworten — mit den Großen mithält. Geld spielt schon eine Rolle, ich verkaufe BRAIN ja auch; aber es ist eher die Rente aufbessern als das Silicon-Valley-Märchen. Der eigentliche Lohn ist, dass es funktioniert.
Kein Orakel, sondern ein ehrlicher Bibliothekar
tarnkappe.info: Bitte für Laien verständlich: Was genau haben Sie erstellt und was kann man damit konkret tun?
Heiko Janicke: BRAIN ist ein Programm, das man auf einem ganz normalen PC installiert — ohne Cloud, ohne Abo, ohne dass Daten das Haus verlassen. Man kann ihm Fragen stellen und bekommt Antworten, die mit einer Quelle belegt sind. Man kann es Texte schreiben lassen, rechnen lassen, Termine planen, Code-Beispiele abrufen, Wissen nachschlagen — es bringt Millionen geprüfter Fakten mit. Der entscheidende Unterschied zu den bekannten Chatbots: BRAIN rät nicht. Wenn es etwas nicht weiß, sagt es das. Stellen Sie es sich weniger wie ein Orakel vor und mehr wie einen sehr fleißigen, sehr ehrlichen Bibliothekar.
tarnkappe.info: Zu was ist Ihre KI ohne Cloud alles in der Lage? Was haben Sie absichtlich ausgeklammert?
Heiko Janicke: Ohne jede Internetverbindung: Wissensfragen mit Quellenangabe beantworten, Texte schreiben und gliedern, rechnen (und zwar nachweislich richtig, es rechnet selbst nach), Einheiten und Daten umrechnen, Termine und Pläne verwalten, geprüfte Code-Beispiele in mehreren Programmiersprachen liefern, Übersetzungshilfen — der Wortschatz umfasst über 150 Sprachen, die Tiefe ist bei Deutsch und Englisch am größten. Mit Internet kann es zusätzlich in freien Quellen recherchieren. Absichtlich ausgeklammert habe ich alles, was auf Raten hinausläuft: BRAIN plaudert nicht um jeden Preis. Lieber eine ehrliche Absage als eine schöne Halluzination. Wer zusätzlich ein großes Sprachmodell anbinden will, kann das optional tun — aber es ist für keinen Kern-Bestandteil nötig, und das ist der Punkt.
tarnkappe.info: Nutzt BRAIN eine NPU, sofern vorhanden?
Heiko Janicke: Nein, bewusst nicht. BRAIN läuft auf Prozessor und Arbeitsspeicher — damit es auf möglichst vielen Rechnern läuft, auch auf fünf Jahre alten. Eine NPU oder Grafikkarte beschleunigt einzelne Zusatzmodule, ist aber nirgends Voraussetzung.
Geringe Anforderungen an die Hardware
tarnkappe.info: Welche Bestandteile sollte ein PC unbedingt haben?
Heiko Janicke: Die Anforderungen sind bewusst bescheiden: Windows 10 oder 11, ein üblicher Mehrkern-Prozessor der letzten Jahre, rund 4 GB freier Plattenplatz — und im Betrieb belegt BRAIN unter einem Gigabyte Arbeitsspeicher. Jeder Büro-PC mit 8 GB RAM hat also reichlich Luft. Eine Grafikkarte ist ausdrücklich NICHT nötig, ebenso wenig eine Internetverbindung; das Setup bringt alles mit.
Seit Version 1.2.0 entfällt auch die frühere Erst-Einrichtung — installieren, starten, fertig. Wie genügsam BRAIN wirklich ist, zeigt vielleicht am besten: Es läuft sogar auf einem Raspberry Pi zügig — einem Bastelrechner für unter 100 Euro. Und in Kürze erscheint eine Version fürs Handy, die komplett auf dem Gerät arbeitet.
tarnkappe.info: Haben Sie BRAIN darauf trainiert, von illegalen Dingen abzuraten?
Heiko Janicke: Das Wort „trainiert“ passt bei BRAIN grundsätzlich nicht — und genau darin liegt die Antwort. Die bekannten Chatbots lernen ihr Verhalten statistisch aus Milliarden Texten; hinterher weiß niemand genau, was drinsteckt. BRAIN funktioniert anders: Es folgt festen, nachlesbaren Regeln. Da steht nicht „im Training hoffentlich gelernt“, da steht eine Regel, die greift. Anfragen in Richtung illegaler Aktivitäten laufen gegen diese Regeln — und weil BRAIN ohnehin nur Belegtes von sich gibt, fehlt ihm auch die Fantasie, jemandem kreative Anleitungen zu erfinden.
tarnkappe.info: Haben Sie BRAIN als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet?
Heiko Janicke: Nein, bisher nicht — und das ist eine bewusste Prioritätenfrage, keine vergessene. „BRAIN“ ist als Wortmarke ein schwieriger Kandidat, weil der Begriff sehr generisch ist; eine seriöse Anmeldung braucht vorher eine formale Konfliktrecherche, und die steht bei einem Ein-Mann-Betrieb nun einmal hinter der Entwicklung an.
Wichtiger ist mir aber ein anderer Punkt: Eine Marke schützt nur den Namen — nicht das, worauf es ankommt. Die innere Architektur lege ich nicht offen; nicht, weil dort etwas zu verbergen wäre, sondern weil sie das Einzige ist, was ein Projekt dieser Größe gegenüber Großanbietern schützt. Und für den Ernstfall ist die Entwicklungsgeschichte kryptografisch mit unabhängigen Zeitstempeln versiegelt. Der Gang zum Amt kommt — aber erst, wenn er an der Reihe ist.
BRAIN ist mehrschichtig vor Plagiaten geschützt
tarnkappe.info: Welche Schutzmechanismen verhindern den Zugriff auf Ihr geistiges Eigentum?
Heiko Janicke: Verstehen Sie, dass ich dazu keine Einzelheiten nenne — eine Anleitung zum eigenen Tresor veröffentlicht man nicht. So viel: Die ausgelieferte Version ist mehrschichtig geschützt und enthält das Herzstück meiner Verfahren gar nicht erst im Klartext; das Entscheidende verlässt meinen Schreibtisch nicht.
Und für den Fall, dass jemand meine Ideen später als seine ausgibt: Die Entwicklungsgeschichte ist von unabhängigen Stellen kryptografisch mit Zeitstempeln versiegelt. Ich kann jederzeit beweisen, wer zuerst da war.
tarnkappe.info: Statt zu halluzinieren sagt Ihr Sprachmodell, dass es die Frage nicht beantworten kann. Warum ist das so — und warum handhaben es die kommerziellen Anbieter anders?
Heiko Janicke: Vorweg eine kleine Korrektur, die den Kern trifft: BRAIN ist gar kein Sprachmodell im üblichen Sinn — Antworten entstehen nicht durch statistisches Vervollständigen, sondern deterministisch (= fest vorgegeben) aus einem belegten Wissensbestand. Jeder Fakt trägt seine Herkunft mit sich. Und was keinen Beleg hat, wird nicht behauptet — dieser Grundsatz ist das Fundament, nicht nachträglich draufgesetzt.
Ein klassisches Sprachmodell dagegen ist seiner Natur nach eine Vervollständigungsmaschine: Es erzeugt den plausibelsten nächsten Satz, und „plausibel“ und „wahr“ sind zwei verschiedene Dinge. Die kommerziellen Anbieter könnten strenger sein, aber eine KI, die oft „weiß ich nicht“ sagt, wirkt im Schaufenster dümmer als eine, die immer flüssig antwortet — auch wenn Letztere gefährlicher ist. Ich habe den umgekehrten Weg gewählt, und gerade bei Rechtsthemen oder Gesundheit halte ich ihn für den einzig vertretbaren.
Die KI-Entwicklung hat die Richtung geändert
tarnkappe.info: Ist die Entwicklung der KI ins Stocken geraten?
Heiko Janicke: Die Schlagzeilen-Entwicklung — größer, teurer, mehr Chips — flacht erkennbar ab; jede neue Modellgeneration kostet ein Vielfaches und bringt ein bisschen weniger Neues als die davor. Das ist kein Stillstand, sondern die normale Sättigung eines einzelnen Rezepts. Spannend wird es abseits davon: kleinere, spezialisierte, überprüfbare Systeme; Werkzeuge, die zusammenarbeiten; Wege, die ohne gigantisches Training auskommen. Ich glaube nicht, dass die Entwicklung langsamer wird — sie wechselt gerade die Richtung.
tarnkappe.info: Fast das gesamte Wissen der Chatbots stammt aus Schattenbibliotheken wie Anna’s Archive, Sci-Hub oder Library Genesis (LibGen). Wie bewerten Sie das?
Heiko Janicke: Es ist eines der großen ungeklärten Themen der Branche: Konzerne, die auf Urheberrechte sonst sehr genau achten, haben sich beim Trainingsmaterial bedient, als gäbe es keine. Die Gerichte arbeiten das gerade auf, und ich vermute, am Ende wird bezahlt werden müssen — nur eben nachträglich und billiger, als es der ehrliche Weg gewesen wäre.
Ich habe für mich die Gegenposition gewählt, und sie ist bei BRAIN keine Fußnote, sondern das Fundament: Mein Wissensbestand kommt aus gemeinfreien und offen lizenzierten Quellen — Wikipedia und Wikidata, Projekt Gutenberg, frei lizenzierte Dokumentationen — und jeder einzelne Fakt behält seine Quellenangabe. Man kann bei mir nachschlagen, woher jede Information stammt. Das können die Großen ihren Nutzern nicht anbieten, und ich denke, genau daran wird man KI-Anbieter in Zukunft messen.
Vertrauen in eine KI ist wichtiger, als die Größe oder Geschwindigkeit
tarnkappe.info: Wer hat in sechs Monaten oder ein paar Jahren die Nase vorn — die US-Konzerne oder China?
Heiko Janicke: Beim Wettrennen der Großmodelle sind die chinesischen Anbieter längst auf Augenhöhe — teils mit offenen Modellen, die jeder herunterladen kann, und das verschiebt das Spiel mehr als jeder Benchmark-Sieg. Ich erwarte kein Entweder-Oder, sondern ein Kopf-an-Kopf, bei dem die eigentliche Musik woanders spielt: bei Effizienz, Spezialisierung und Vertrauen. Wer einer KI vertrauen kann, wird wichtiger als wer die größte hat.
KI-Gesetze der EU sind ein Wettbewerbsvorteil
tarnkappe.info: Warum ist Europa so weit hinterher?
Heiko Janicke: Ich würde die Frage umdrehen: Vielleicht ist Europa gar nicht weit hinterher, sondern nur nicht auf der Überholspur gefahren — und hat dafür mehr Zeit am Fundament verbracht. Beim Kapital und beim Mut zum Risiko fehlt uns sicher einiges; ein europäisches Unternehmen bekommt für dieselbe Idee einen Bruchteil des Geldes, das in den USA oder China fließt. Aber es gibt ein Feld, auf dem Europa in meinen Augen die Nase vorn hat: den Datenschutz.
Diesen Vorsprung sollten wir in die KI-Branche tragen, statt ihn als Bremsklotz zu beschimpfen — denn Kunden fangen gerade an, nach vertrauenswürdiger KI zu fragen, und dann sind Regeln, an die man sich halten kann, plötzlich ein Standortvorteil. Eine KI, die Quellen nennt, nicht halluziniert und die Daten im Haus lässt, ist eine sehr europäische Antwort auf eine amerikanische Frage. Vielleicht muss Europa nicht das größte Modell bauen, sondern das ehrlichste.
Heutige Chatbots liefern „Gewissheit“ ohne Herkunft
tarnkappe.info: Kinder und Jugendliche vertrauen der KI mehr oder weniger blind. Sehen Sie das kritisch?
Heiko Janicke: Ja, und zwar aus einem Grund, der oft untergeht: Diese Systeme klingen bei richtigen und bei falschen Antworten exakt gleich überzeugend. Ein Mensch, der flunkert, wird unsicher; eine KI nicht. Früher stand am Ende einer Wikipedia-Seite wenigstens eine Quellenliste — der heutige Chatbot liefert „Gewissheit“ ohne Herkunft. Ich finde, Kinder sollten an KI vor allem eine Frage lernen: „Woher weißt du das?“ Eine Maschine, die darauf keine Antwort hat, verdient Skepsis. Dass meine darauf antworten kann, ist kein Zufall — es war von Anfang an der Punkt.
tarnkappe.info: Ich halte es zudem für sehr gefährlich, wenn Menschen – egal welchen Alters – aufhören, selbst zu denken. Herr Janicke, vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihr Projekt!
Die aktuelle Version der Software, die ohne Einschränkungen läuft, kann man sich kostenlos von hier herunterladen. Daneben gibt es mehrere Erweiterungen (Module), die man einmalig käuflich erwerben kann. Ein Abo-System auf zeitlich befristeter Basis gibt es bei BRAIN absichtlich nicht.




















