Die dritte Version vom Crimenetwork ging kürzlich online. Das bekannteste deutschsprachige Hacker-Forum ist zurück.
Im offiziellen Statement der Gründer heißt es, das Crimenetwork war stets das Ergebnis der Arbeit vieler Personen. Dahinter stand nie nur ein Mensch. Die neuen Betreiber wollen nicht, dass das Forum nach den ersten zwei Busts von der Bildfläche verschwindet. Inigo ist übrigens nicht an diesem Online-Projekt beteiligt. Für ihn würde aber die Tür offenstehen, sofern er bei Interesse an einer Mitarbeit seine Identität unter Beweis stellen kann.
Ob dies der einzige CNW-Nachfolger bleiben und ein Großteil der Szene das Portal als solches anerkennen wird, bleibt freilich abzuwarten. Einige Personen haben sich schon neu eingetragen, die meisten blieben aber bislang inaktiv. Noch sind die Threads leer, doch das ist auch kein Wunder. Wer als Anbieter seinen Banner schalten will, muss mindestens 400 Euro monatlich dafür bezahlen. Doch bisher sind noch keine Werbebanner für illegale Dienste oder Waren sichtbar. Offenbar warten viele User wie Verkäufer ab, wie sich das Ganze unter c-network.bz weiter entwickelt.
Treuhand-Gelder vom alten Crimenetwork bleiben verschollen
Bezüglich der ausstehenden Treuhandgelder vom CNW 2 haben die Nutzer Pech. Weil den jetzigen Machern kein „aktuelles Backup“ vorliegt, könne man die Guthaben der früheren CNW-User nicht „zuverlässig nachvollziehen„. Man startet jetzt vorerst mit einem manuellen TH-System, bis die automatische Verwaltung der Treuhandkonten fertig programmiert ist. Stellt sich auch die Frage, inwieweit die neuen Betreiber überhaupt etwas mit dieser Problematik zu tun haben. Muss man die User nach einem Bust auszahlen, nur weil man den gleichen Namen weiterhin benutzt? Wie dem auch sei. Wir haben uns mit mother, dem Admin des Online-Projekts, kürzlich über sein Vorhaben unterhalten.
Das Kapitel CNW darf einfach nicht enden
Tarnkappe.info: Wie kam es zu der Idee, das CNW wieder aufleben zu lassen?
mother: Das war für uns nie wirklich eine Frage. CNW existiert seit mittlerweile über 14 Jahren unter verschiedenen Führungen und Strukturen. Nach jedem größeren Einschnitt oder Bust gab es Menschen, die die Community weitergeführt haben. CNW war immer deutlich mehr als nur einzelne Personen oder einzelne Administratoren.
Uns war relativ schnell klar, dass dieses Kapitel nicht einfach enden darf. Dafür war die Plattform über die Jahre zu prägend für die deutschsprachige Szene.
Tarnkappe.info: Warum habt ihr überhaupt erneut den Namen Crimenetwork benutzt? Wer vom alten Team hat euch das erlaubt?
mother: Vom alten Team existiert faktisch niemand mehr öffentlich. Seit dem Bust von Alexander sind sämtliche damaligen Verantwortlichen untergetaucht oder vollständig verschwunden.
Eine „Erlaubnis“ braucht es aus unserer Sicht dafür nicht. Das Crimenetwork war über viele Jahre hinweg eine Community mit eigener Geschichte, eigener Struktur und eigener Identität. Genau diese führen wir nun weiter.
TH-System: Unterstützung für Bitcoin & Monero geplant
Tarnkappe.info: Magst Du das Team vom neuen Crimenetwork einmal kurz vorstellen?
mother: Das aktuelle Team besteht derzeit aus zwei Moderatoren, einem technischen Administrator und mir, mother, als Administrator.
Die Moderatoren stammen aus dem engsten Kreis und wurden bewusst sehr sorgfältig ausgewählt. Ihre Aufgaben liegen hauptsächlich in der Community-Moderation, der Bearbeitung von Reports sowie der allgemeinen Betreuung des Forums.
Unser Techmin arbeitet aktuell intensiv an einem neuen automatisierten Treuhand-System, welches zeitnah wieder implementiert werden soll — selbstverständlich mit Unterstützung für BTC und XMR. Zusätzlich arbeiten wir an weiteren automatisierten Features wie automatischen Community-Käufen, Vendor- und Banner-Käufen sowie diversen internen Erweiterungen.
Weitere Features werden folgen, allerdings möchten wir derzeit noch nicht alles öffentlich ankündigen.
Es gibt keine absolute Sicherheit
Tarnkappe.info: Anfang des Vorjahres ging der Nachfolger von Crime.to online, kürzlich war der Bust. Habt ihr keine Angst davor, dass euch das auch passieren könnte?
mother: „Angst“ wäre vermutlich der falsche Begriff. Wichtig ist vor allem, Respekt vor den Risiken zu haben und sich der möglichen Konsequenzen bewusst zu sein.
Wir haben sämtliche Maßnahmen getroffen, die aus unserer Sicht notwendig und sinnvoll sind, um die Plattform bestmöglich abzusichern. Gleichzeitig muss man aber realistisch bleiben: Absolute Sicherheit existiert nicht.
CNW existiert seit über einem Jahrzehnt und war in dieser Zeit permanent im Fokus verschiedenster Ermittlungsbehörden. Dass die Plattform trotz allem über so viele Jahre bestehen konnte, zeigt zumindest, dass in manchen Bereichen offenbar auch einiges richtig gemacht wurde.
Leider wurden in der Vergangenheit aber auch viele Fehler gemacht — sowohl operativ als auch menschlich. Das betrifft nicht nur CNW selbst, sondern die gesamte deutschsprachige Szene. Namen wie Mr.White, Sicario, MeisterEde oder pwn dürften den meisten bekannt sein. Gleiches gilt außerhalb von CNW beispielsweise für MooE, Lab511 oder AsmirCracker.
Viele Busts entstehen am Ende nicht wegen „unhackbarer Ermittlungsarbeit“, sondern wegen Nachlässigkeit, Selbstüberschätzung, fehlender OPSEC oder privaten Fehlern einzelner Beteiligter.
Datenverkehr läuft ausschließlich über das Tor-Netzwerk
Tarnkappe.info: Wie habt ihr euer Forum abgesichert?
mother: Das Wichtigste ist zunächst, dass sämtlicher Traffic ausschließlich über TOR läuft. Es werden keinerlei reale Nutzer-IP-Adressen verarbeitet oder gespeichert. Intern läuft sämtlicher Traffic ausschließlich über lokale Adressen.
Natürlich gäbe es Situationen, in denen echte IP-Daten administrativ hilfreich wären, beispielsweise zur Erkennung von Multiaccounts (wie es auf anderen Plattformen gehandhabt wird). Trotzdem haben wir uns bewusst dagegen entschieden, weil für uns die Sicherheit und Anonymität der Nutzer oberste Priorität hat.
Alles Weitere werden wir selbstverständlich nicht öffentlich erläutern. Man muss es Behörden und anderen Interessierten schließlich nicht unnötig einfach machen.
Ermittlungserfolge aufgrund von Fehlern einzelner Personen
Tarnkappe.info: Bis das letzte Crimenetwork hochgenommen wurde, verging nur kurze Zeit. Was machen die Behörden heutzutage anders?
mother: Die Behörden arbeiten heute deutlich koordinierter, technischer und internationaler als noch vor einigen Jahren. Außerdem spielt die Auswertung digitaler Spuren mittlerweile eine wesentlich größere Rolle.
Viele Verfahren entstehen heute nicht mehr nur durch klassische Ermittlungsarbeit, sondern vor allem durch Fehler einzelner Personen — sei es operativ, finanziell oder privat.
Oft ist nicht die Technik das Problem, sondern menschliches Fehlverhalten.
Tarnkappe.info: Wie schätzt ihr die Lage der deutschsprachigen Fraud-Szene ein?
mother: Die Szene hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele Plattformen sind verschwunden, manche wurden geschlossen, andere endeten in Exit-Scams oder internen Problemen.
Bei CNW selbst gab es historisch betrachtet im Grunde nur einen Administrator, der tatsächlich einen Exit-Scam durchgezogen hat — und das war damals Sync.
Andere Administratoren wurden gebusted, verloren mit der Zeit das Interesse oder hatten private Probleme, wodurch Projekte langsam eingeschlafen sind. Genau das hat in der Szene über die Jahre massiv Vertrauen zerstört. Gerade dadurch ist das Vertrauen vieler Nutzer verständlicherweise stark beschädigt worden.
Trotzdem wird es immer Communities geben, solange Nachfrage existiert. Wichtig ist aus unserer Sicht vor allem, wieder langfristige Stabilität und Verlässlichkeit aufzubauen, statt nur kurzfristig Profit erzielen zu wollen.
Vertrauen entsteht nicht kurzfristig
Tarnkappe.info: Noch ist euer Forum relativ leer. Was wird den Nutzern künftig geboten?
mother: Man darf nicht vergessen, dass wir erst seit gestern wieder online sind.
Vertrauen und Aktivität entstehen nicht innerhalb weniger Stunden oder Tage. Die Nutzer beobachten zunächst, ob die Plattform stabil läuft, ob weiterentwickelt wird und ob die Verantwortlichen langfristig präsent bleiben.
Sobald die Leute merken, dass das Projekt stabil läuft, kontinuierlich weiterentwickelt wird und eben kein kurzfristiges Fake-Projekt ist, wird sich die Aktivität von selbst entwickeln.
Neben den bereits erwähnten technischen Features arbeiten wir kontinuierlich an weiteren Erweiterungen und Verbesserungen. Das Ziel ist es, CNW langfristig wieder zu einer stabilen und aktiven Plattform aufzubauen.
Oftmals folgt die Polizei der Spur des Geldes
Tarnkappe.info: Crimenetwork hin oder her – was muss man denn als Nutzer tun, um die eigene digitale Sicherheit zu verbessern?
mother: Vollständige Anonymität wird heutzutage immer schwieriger — nicht nur technisch, sondern auch durch immer umfangreichere Auswertungsmöglichkeiten und AI.
Der wichtigste Punkt ist aus unserer Sicht, die eigene operative Sicherheit ernst zu nehmen. Dazu gehören sowohl technische Maßnahmen als auch das eigene Verhalten im Alltag.
Viele Probleme entstehen letztlich nicht durch Hacks oder komplexe Angriffe, sondern durch einfache menschliche Fehler. Ebenso sollte man sehr genau darauf achten, welche finanziellen Spuren entstehen und welche Informationen man mit anderen Personen teilt.
Die Spur des Geldes ist häufig einer der wichtigsten Ermittlungsansätze. Gleichzeitig bringen sich viele Menschen unnötig selbst in Gefahr, indem sie im realen Umfeld über Dinge sprechen, die besser anonym bleiben sollten.
Crimenetwork: „Busts halten einzelne Personen auf, aber niemals die gesamte Szene.“
Tarnkappe.info: Wie wird sich die deutschsprachige Szene weiterentwickeln?
mother: Cybercrime und Fraud wird es immer geben. Busts oder einzelne Ermittlungen verändern Strukturen und Plattformen, aber sie beenden das Thema nicht dauerhaft.
Die Szene wird sich — wie schon in der Vergangenheit — weiter verändern, anpassen und neu organisieren. Manche Plattformen verschwinden, andere entstehen neu.
Busts halten einzelne Personen auf, aber niemals die gesamte Szene. Das war vor zehn Jahren so und wird vermutlich auch in Zukunft so bleiben.
Anmerkung: Auf eine Frage hat der Befragte nicht geantwortet. Nämlich darauf, welche Erfahrungen er mit dem Thema Abzocke gemacht hat. Beim mittlerweile aufgekauften Forum Black Network war Betrug an den Nutzern Gang und Gäbe. Leider tendieren auch einzelne neue deutschsprachige Foren zu ähnlichen Methoden, um die User um ihr Geld zu bringen.





















