Firefox installiert KI
Firefox installiert KI
Bildquelle: ChatGPT

Firefox installiert KI ungefragt

Firefox installiert eine lokale KI-Komponenten für die Autofill-Funktion auf dem Rechner. Welche Aufgabe hat TinyBERT, wie wird man ihn los?

Für viele User war der Firefox lange Zeit der Browser der Wahl. Vor allem, wenn man nicht jeden Mist von Google, Microsoft oder anderen großen Anbietern übernehmen wollte. Ein Browser, bei dem Datenschutz und Anpassbarkeit eine größere Rolle spielen als bei vielen anderen. Nach einem der letzten Updates ist allerdings eine Änderung aufgefallen, die viele vermutlich gar nicht mitbekommen haben. Firefox installiert auf dem Computer eine eigene KI.

Es geht um das Update vom 18. August. Viele haben sicher erst später festgestellt, wenn überhaupt, dass Mozilla ungefragt eine zusätzliche KI-Komponente ihrem System abgelegt hatte. Sie hatten die Software weder installiert noch bewusst aktiviert. Die Komponente war nach dem Browser-Update einfach plötzlich vorhanden.

Firefox bringt TinyBERT für Autofill mit

Bei der installierten Komponente handelt es sich um TinyBERT. TinyBERT ist ein Sprachmodell zur Textanalyse. Als Chatbot kann man es nicht nutzen. Mozilla setzt das Modell für die in Firefox integrierte Autofill-Funktion ein. TinyBERT hilft Firefox dabei, Formularfelder auf Webseiten zu erkennen. Dadurch kann der Browser besser unterscheiden, ob ein Feld beispielsweise für einen Namen, eine Adresse oder andere Eingaben gedacht ist.

TinyBERT stammt aus der BERT-Familie. Mozilla hat es für Aufgaben entwickelt, die wenig Rechenleistung benötigen und direkt auf dem Gerät ausgeführt werden können. Dass Firefox solche kleinen Modelle einsetzt, hat durchaus Vorteile. Die Verarbeitung bleibt auf dem eigenen Rechner und muss nicht über einen externen Dienst laufen.

Trotzdem bleibt für viele Nutzer die Frage, warum Firefox eine solche Komponente einfach installiert. Eine Abfrage nach dem Update, ob man diese Funktion überhaupt nutzen möchte, wäre die deutlich bessere Lösung gewesen. Mozilla stellt die beiden Modelle öffentlich über die Plattform Hugging Face bereit.

TinyBERT


Wer Firefox ohne KI möchte, muss selbst aufräumen

Viele verwenden Firefox, weil sie selbst entscheiden möchten, welche Funktionen sie nutzen und welche Bestandteile auf ihrem System laufen. Wer die verbesserte Autofill-Erkennung nutzen möchte, kann davon profitieren. Wer Firefox dagegen möglichst schlank halten und sein System ohne zusätzliche KI-Komponenten betreiben will, muss erst einmal herausfinden, dass Firefox überhaupt ein entsprechendes Modell installiert hat. Wie gesagt, die Nutzer setzt man im Rahmen der Installation der neuen Version nicht in Kenntnis.

Genau das ist der Punkt, der mich stört. Es ist nicht die Autofill-Funktion selbst, sondern der Weg dorthin. Firefox bringt die Komponente mit. Womöglich erfährt man davon eher zufällig und danach muss man sich darum kümmern, sie wieder loszuwerden. Mozilla erlaubt inzwischen, die lokalen KI-Komponenten wieder zu entfernen. Über die Firefox-Verwaltung für On-Device-AI kann man die installierten Modelle anzeigen und löschen. Allerdings muss man diese Option erst einmal kennen. Wer nicht gezielt danach sucht, bekommt davon vermutlich gar nichts mit.

Startpage rückt beim Firefox stärken in den Fokus

Die KI-Komponente ist nicht die einzige Neuerung, die bei Firefox zuletzt aufgefallen ist. Nach dem Update ist außerdem aufgefallen, dass Firefox die Google-Alternative Startpage stärker in den Vordergrund rückt. Die Suchmaschine wurde als Option in den Browser integriert und auch von Mozilla beworben.

Auf den ersten Blick scheint Startpage gut zu Firefox zu passen. Die Suchmaschine wirbt mit Datenschutz und damit, dass sie Nutzer nicht für personalisierte Werbung verfolgt. Trotzdem muss man diese Entwicklung durchaus kritisch betrachten. Hintergrund ist die Beteiligung von System1 an der Eigentümerstruktur von Startpage. Im Interview mit tarnkappe.info gab damals ein Sprecher von Startpage bekannt, die Investition des Datenbrokers stelle ihnen zusätzliche Mittel und Ressourcen bereit, um insbesondere in den USA eine größere Zugkraft für ihr Produkt zu entwickeln.

Technisch gesehen haben TinyBERT und Startpage nichts miteinander zu tun. Ihnen ist jedoch gemeinsam, dass Firefox zunehmend zusätzliche Dienste und Funktionen in den Browser integriert. Viele haben sich genau deshalb für den Firefox entschieden, weil sie sich solche Entscheidungen nicht von den großen Plattformen abnehmen lassen wollen. Und nun bewegt sich die Mozilla Corporation mit ihrer bekanntesten Software in genau diese Richtung.

startpage, bagman

Datenschutz bedeutet auch Kontrolle über Software

Bei den lokalen Modellen verweist Mozilla vor allem auf den Vorteil für den Datenschutz. Ein Modell, das direkt auf dem Gerät arbeitet, überträgt keine Daten automatisch an einen externen Anbieter. Datenschutz besteht jedoch nicht nur aus der Frage, ob und wohin Daten übertragen werden. Es geht auch darum, welche zusätzlichen Komponenten überhaupt auf dem eigenen Rechner laufen. Gerade bei einem Browser ist das von großer Bedeutung. Firefox wird täglich genutzt, verarbeitet Webseiteninhalte und begleitet viele Menschen durch ihr digitales Leben.

Mozilla folgt dem KI-Trend

Mit dieser Entwicklung steht der Firefox nicht alleine da. Immer mehr Programme werden mit KI-Funktionen ausgestattet. Betriebssysteme, Smartphones, Office-Anwendungen und Browser gehen denselben Weg. An der Technik selbst gibt es wenig auszusetzen. Entscheidend ist jedoch, ob man weiterhin selbst auswählen kann, welche Funktionen auf dem eigenen System installiert werden.

Das Gute daran ist, die Software kann man weiterhin individuell anpassen und die KI-Komponente entfernen. Trotzdem bleibt ein Punkt bestehen: Wer einen Browser ohne zusätzlichen Funktionen nutzen möchte, sollte nicht erst nach einem Update herausfinden müssen, welche neuen Komponenten auf dem eigenen Rechner gelandet sind.

Gerade bei Firefox ist das ein schwieriger Spagat. Ein Browser, der über Jahre hinweg mit Privatsphäre und Anpassbarkeit geworben hat, sollte dem Anwender auch weiterhin solche Entscheidungen überlassen. An dem Punkt ist deutlich mehr Transparenz gefragt. Auch wenn keine Daten abfließen, das sollte man nicht erst in den Medien erfahren, dass der Firefox einfach eine KI installiert hat