Fußball, LaLiga
KI-generiert: Ein Fußballer von LaLiga stürmt einem entgegen.
Bildquelle: stockcake

LaLiga will große VPN-Anbieter auf EU-Piraterie-Watchlist setzen

Wegen der Affiliate-Werbung will LaLiga NordVPN, ProtonVPN, ExpressVPN und Surfshark auf die EU-Piraterie-Watchlist setzen.

Der spanische Fußballverband LaLiga plant offenbar, den Kampf gegen illegale Streams weiter auszudehnen. In einer Eingabe an die Europäische Kommission sieht man es auf ein paar der größten VPN-Anbieter ab. LaLiga schlägt vor, dass man NordVPN*, ProtonVPN, ExpressVPN und Surfshark* nächstes Jahr in der EU-Piraterie-Watchlist aufnimmt. Wir erläutern die Hintergründe.

Dabei geht es LaLiga nach eigenen Angaben (angeblich) gar nicht um die VPN-Technik als solche. Im Mittelpunkt soll stehen, mit welchen Werbeslogans VPN-Dienste Geld mit ihrem Affiliate-Marketing verdient haben. Das Management argumentiert, die VPN-Provider vermarkten ihre Abos indem sie damit werben, man könne somit Geoblocking und teils auch gerichtlich angeordnete Sperren umgehen. Das passt für LaLiga natürlich nicht ins Bild.

Die Europäische Kommission sammelt derzeit Beiträge für die bevorstehende Counterfeit and Piracy Watch List. Diese nennt unter anderem Online-Dienste und Marktplätze außerhalb der EU, denen Rechteinhaber eine wichtige Rolle bei Urheberrechtsverletzungen vorwerfen. Auch Unternehmen, die davon finanziell profitieren – und sei es nur indirekt – können genannt werden. Wichtig: Das ist kein Urteil. Wer auf der Liste landet, der hat noch lange keinen Rechtsverstoß begangen und wurde erst recht nicht dafür verurteilt.

VPN-Werbung als Angriffspunkt

LaLiga stört sich insbesondere an Webseiten und Influencern, die über Affiliate-Programme für VPN-Anbieter werben. In Anbetracht der hohen Einnahmen durch die VPN-Provision erklären gerne Websites und Influencer ihrem Publikum, wie Fußballfans mithilfe eines VPNs Geld sparen können – landesweite Sperren aushebeln inklusive.

LaLiga hält das für problematisch, weil die Anbieter dadurch aus Sicht des Verbands nicht mehr nur neutrale technische Vermittler seien. Vielmehr wäre es Teil des Geschäftsmodells, regionale Beschränkungen zu umgehen und somit auch Gesetze unwirksam zu machen.

Interessant ist die 14-seitige Stellungnahme des Fußballverbandes. Laut den Kollegen von TorrentFreak nennt man nämlich keine einzige Affiliate-Website oder einen Influencer, der die kritisierten Praktiken angewendet hat.

Fällt der Hammer für NordVPN & Co. schon in 2027 – oder erst später!?

Auch das Umgehen von Piraterie-Sperren ist ein Thema

Noch brisanter wird die Argumentation bei bereits gesperrten Piraterie-Portalen. LaLiga verweist auf Affiliate-Inhalte, die erklären sollen, wie sich mit einem VPN gerichtlich angeordnete Sperren von Piraterie-Webseiten umgehen kann. Damit würde das VPN nicht mehr nur zum Zugriff auf ein ausländisches legales Sportangebot eingesetzt, sondern, wie schon gesagt, zur Umgehung einer konkreten Anti-Piraterie-Maßnahme.

Der höchste Fußballverband Spaniens stellt deshalb ausdrücklich die kommerzielle Vermarktung der Fähigkeit zur Umgehung solcher Sperren in den Mittelpunkt seiner Forderung. Gleichzeitig betont man in seiner Eingabe, dass er mit seinem Antrag nicht behauptet, dass die genannten Unternehmen bereits rechtlich haftbar gemacht wurden.

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EU-Piraterie-Watchlist: Der Streit um VPNs ist nicht neu

Der Vorstoß kommt nicht wirklich überraschend. LaLiga geht bereits seit Monaten juristisch gegen VPN-Anbieter vor. Die Forderung, man könne eine Geldstrafe von NordVPN einklagen, ging ja im Mai nach hinten los. Doch bei anderen Verfahren war man erfolgreicher. So etwa im Februar, als man VPN-Sperren gegen Piraterie-Infrastruktur gerichtlich durchsetzen konnte. Doch auch in diesem Fall ist noch nicht das Wort gesprochen worden.

Im Nachbarland Frankreich geht LaLiga inzwischen auch gegen VPNs und weitere technische Dienste vor, die ihr eigenes Geschäftsmodell bedrohen könnten. Dort zog man u.a. NordVPN, Surfshark, CyberGhost, ExpressVPN und Proton VPN als auch DNS-, CDN- und Proxy-Dienste vor den Kadi.

hide.me
hide.me* ist für den Vorschlag viel zu klein.(Anzeige)

Noch keine Entscheidung der EU

Ob NordVPN, ProtonVPN, ExpressVPN und Surfshark tatsächlich auf der EU-Piraterie-Watchlist 2027 landen werden, ist derzeit offen.

Die Europäische Kommission sammelt die Beiträge verschiedener Rechteinhaber und anderer Interessengruppen. Die aktuelle Konsultation für die Ausgabe 2027 ist inzwischen geschlossen. Was bereits eingereicht wurde, können die Antragssteller noch bis zum 28. Oktober 2026 kommentieren. Anschließend berücksichtigt man die Eingaben bei der Vorbereitung der neuen Watchlist – oder auch nicht.

Fokus auf indirekte Parteien und andere Vorteilsnehmer

Die Forderung von LaLiga ist damit vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich der Fokus der Anti-Piraterie-Maßnahmen weiter verschiebt. Es geht nicht mehr, wie früher, ausschließlich um die Betreiber illegaler Streaming- oder Torrent-Seiten. Mittlerweile geraten zunehmend technische Dienste und Infrastrukturen ins Visier, die mit der Urheberrechtsverletzung nichts gemeinsam haben. Dafür erleichtern sie zweifellos den Zugang zu den Angeboten.

Die VPN-Anbieter müssen sich nun in Ruhe überlegen, wie offensiv sie ihre Werbetrommel rühren, ohne dafür auf der nächsten Counterfeit and Piracy Watch List zu landen. Der Eintrag auf der Liste dürfte den meisten Anbietern egal sein. Doch spätestens wenn sie selbst zum Ziel von Anti-Piracy-Maßnahmen werden, ist für sie der Spaß vorüber.

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.