PS5 ohne Blu-Ray-Disc
PS5 ohne Blu-Ray-Disc
Bildquelle: change.org

PS5 ohne Blu-Ray-Disc: „Piraterie ist kein Diebstahl, sondern eine „moralische Verpflichtung“

In den sozialen Medien rufen Gamer dazu auf, Schwarzkopien zu nutzen, weil es die Spiele der PS5 nur noch ohne Blu-Ray-Disc geben wird.

Mehrere Medien berichten übereinstimmend von einem Sturm der Entrüstung im Internet. Sony kündigte kürzlich an, dass es ab Januar 2028 neue Games der PS5 nur noch ohne Blu-Ray-Disc geben wird. Alle Spieleentwickler und Publisher müssen dann ihre Games wahlweise digital über den PlayStation Store oder alternativ über einen Download-Code anbieten, den man dem Karton beilegt. Speichermedien liefert man in den Verpackungen dann nicht mehr aus. Die Reaktionen in den Foren und sozialen Netzwerken rangieren von Empörung bis Trauer. Viele plädieren sogar lautstark dafür, dass sich alle zur Deckung ihres Spielbedarfs der Piraterie zuwenden sollten.

PS5 ohne Blu-Ray-Disc für viele undenkbar

Bei X (ehemals Twitter) betrachten viele Nutzer Piraterie als geradezu unverzichtbar, um Videospiele dauerhaft zu bewahren und sicherzustellen, dass man sie auch viele Jahre später noch benutzen kann. Außerdem argumentieren sie, dass Piraterie kein Diebstahl sei, wenn niemand seine Spiele mehr wirklich besitzen könne. Manche haben sogar ihre grundsätzliche Einstellung zum Thema Urheberrecht überdacht.

Wir leben in einer Welt, in der die Betreiber von Konsolenplattformen Spiele einfach aus einer Laune heraus aus deiner Bibliothek entfernen können und die Leute dazu ermutigen, Abonnementdienste zu nutzen, bei denen man nichts besitzt. Physische Kopien – ob raubkopiert oder nicht – sind heute wichtiger denn je„, schreibt @zhakaron bei X.

PSN, Sony

Piraterie als „moralische Verpflichtung

Andere merken an, dass nicht nur Sony, sondern die ganze Branche immer weiter auf eine Zukunft zusteuert, in der wir mehr denn je bezahlen und absolut nichts mehr unser Eigentum nennen können. Der YouTuber Dead Domain geht noch einen Schritt weiter. Er bezeichnet Piraterie als eine Art „moralische Verpflichtung zur Erhaltung von Videospielen“. „Ganze Teile der Geschichte dieses Mediums wären ohne sie entweder unerschwinglich teuer oder gänzlich verloren“. Wieder andere kritisieren den mangelnden Verbraucherschutz und das ständige Streben vieler Hersteller nach immer höheren Umsätzen. Auf diese Gier werde es Gegenreaktionen geben, heißt es bei X. Dazu käme ein Anstieg der Nutzung aller Alternativen, einschließlich der Piraterie. „Respektiert eure Kunden, sonst verliert ihr sie.

Sogar einzelne Spieleentwickler sprechen sich mittlerweile für die Piraterie aus, wie beispielsweise David Szymanski, der Entwickler von „Iron Lung“. Das Horrorgame wurde Anfang diesen Jahres verfilmt. Auf der PS5 von Sony erschien das Spiel erstmals im Oktober 2025.

Meine Haltung zur Piraterie ist während meiner gesamten Karriere unverändert geblieben: Ich würde es vorziehen, wenn ihr für meine Spiele Geld bezahlt, aber wenn das aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, ist es mir lieber, ihr raubkopiert eines meiner Spiele, als dass ihr es gar nicht spielt“, schreibt Szymanski bei Bluesky.

Erhaltung der Spiele fraglich

Frank Cifaldi, der Leiter der Video Game History Foundation, einer NGO zur Erhaltung von Videospielen, spricht sich ebenfalls für Piraterie aus. Cifaldi weist zudem darauf hin, dass die Branche es versäumt habe, sinnvolle Alternativen zur Erhaltung ihrer Werke anzubieten. „Wenn Plattformbetreiber beschließen, physische Datenträger und ältere digitale Shops abzuschaffen, dann würden wir uns wünschen, dass Branchenverbände wie die Entertainment Software Association sinnvolle Lösungen für Archive und Museen anbieten, um rein digitale Inhalte rechtmäßig zu bewahren und für Forschungszwecke zugänglich zu machen“, heißt es in seiner offiziellen Stellungnahme zu diesem Thema. Und weiter: „Die Branche müsse sich etwas überlegen. „(…) Von den Museen zu verlangen, eine Kopie von ‚Grand Theft Auto 6‘ herunterzuladen und zu hoffen, dass das Spiel in 50 Jahren noch läuft, ist keine Lösung für die Langzeitarchivierung.

Bei der Plattform Change.org gibt es dazu jetzt sogar eine Online-Petition. In kürzester Zeit haben die Petition schon über 40.000 Personen unterzeichnet. Doch öffentlicher Aufschrei hin und Petition her: Sony wird sich von seinem Vorhaben sicher nicht mehr abbringen lassen. Dafür konnten sie in der Vergangenheit einfach nicht genügend Blu-Ray-Medien verkaufen, der Marktanteil war schlichtweg zu klein.

tarnkappe.info

Außerdem muss man befürchten, dass das Vorgehen für alle anderen Hersteller von Spielkonsolen als (wenn auch schlechtes!) Vorbild dienen wird.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.