Es war zu befürchten. Sony kündigte an, künftig für ihre Spielkonsolen keine Blu-rays mehr herzustellen. Es betrifft alle Publisher.
Es ist eine Ankündigung, die viele Gamer schon lange befürchtet hatten. Diese wird nun tatsächlich Realität. Sony gab bekannt, ab Januar 2028 die Produktion physischer Spiele-Discs für PlayStation-Konsolen einzustellen. Neue Titel werden dann nur noch digital erhältlich sein, entweder direkt im PlayStation Store oder als Boxen mit einem Downloadcode im Handel. Das wird das Ende der Blu-rays sein. Was bedeutet das konkret für Spieler, Entwickler und die Games-Branche insgesamt? Jana Maria beleuchtet in seinem Gastartikel die Folgen für alle Parteien.
Was genau ändert sich?
Ab dem Jahreswechsel 2028 stellt Sony die Fertigung von Blu-ray-Discs für neue PlayStation-Spiele ein. Bereits veröffentlichte Titel sowie Games, die noch bis Ende 2027 auf Disc erscheinen, sind von der Umstellung nicht betroffen, sie bleiben natürlich weiterhin nutzbar. Wichtig zu wissen: Sony ist der einzige Zulieferer, der die PlayStation-Discs exklusiv produziert. Das bedeutet, dass diese Entscheidung nicht nur Sonys eigene Studios betrifft, sondern automatisch auch alle anderen Spieleentwickler und Publisher wie Ubisoft, Electronic Arts, Square Enix oder CD Projekt Red. Niemand der Unternehmen kann ab 2028 noch physische PlayStation-Spiele verkaufen, selbst wenn man das wollte.
Ladenlokale sollen zwar weiterhin Boxen im Regal führen dürfen, diese enthalten dann aber lediglich einen Downloadcode statt einer echten Disc. Wer ein PlayStation-Spiel kauft, muss es künftig also in jedem Fall herunterladen.
Warum geht Sony diesen Schritt?
Die offizielle Begründung ist wenig überraschend: Immer mehr Spielerinnen und Spieler entscheiden sich für digitale Käufe statt für physische Medien. Laut der Statistik aus dem Jahr 2024 machten physische Datenträger nur noch rund drei Prozent von Sonys gesamten Gaming-Umsätzen aus. Das ist ein Anteil, der nach eigenen Angaben eine eigene Produktionslinie kaum noch wirtschaftlich rechtfertigt.
Für Sony hat der Umstieg handfeste Vorteile: Digitale Verkäufe sparen Produktions-, Verpackungs-, Versand- und Lagerkosten. Gleichzeitig behält Sony über den eigenen PlayStation Store deutlich mehr Kontrolle über den Vertrieb als bei physischen Discs, die auch über Drittanbieter und den Gebrauchtmarkt zirkulieren.
Die Entscheidung fügt sich zudem in eine größere Entwicklung ein. Bereits zuvor hatte Sony das Ende der Auslieferung von Blu-ray-Recordern in Japan verkündet und sich schrittweise aus Teilen des klassischen Blu-ray-Geschäfts zurückgezogen.
Das Ende der Blu-rays: Die Folgen für die Spieler
Für Konsumenten bringt der Strategiewechsel einige spürbare Nachteile mit sich. Sie können gekaufte Games nicht mehr verkaufen oder verleihen. Eine physische Disc kann man auch verschenken oder oder auf dem Gebrauchtmarkt weiterverkaufen. Ein digitaler Kauf ist dagegen fest an das eigene Konto gebunden und lässt sich nicht übertragen. Der gesamte Gebrauchtspielemarkt für neue PlayStation-Titel würde damit praktisch von der Bildfläche verschwinden. Der Nutzen der Spiele bei gleichbleibenden Preisen ist dadurch aber merklich reduziert.
Verstärkte Abhängigkeit vom Playstation Store
Digitale Lizenzen können theoretisch jederzeit aus dem Store entfernt werden, etwa wenn Lizenzverträge auslaufen. Etwas Ähnliches hat Sony ja erst kürzlich bei 551 Filmen auf einen Schlag praktiziert, die trotz Kauf plötzlich von den eigenen Geräten verschwunden sind. Wer eine Disc besitzt, ist von solchen Entscheidungen unabhängig – dieser Puffer entfällt künftig.
Internetzwang
Wer ein neues Spiel kauft, muss es erst vollständig herunterladen, bevor er es ausführen kann. Bei großen Open-World-Titeln mit oft über 100 Gigabyte Umfang kann das je nach Internetanschluss viel Zeit kosten und ist für Regionen mit schwacher Netzabdeckung ein echtes Problem. Bei gekauften Blu-rays muss man nur die Updates herunterladen, die zwischenzeitlich erschienen sind.
Sammlerkultur unter Druck
Für viele Fans sind physische Editionen mit Boxen, Artbooks oder Steelbooks ein wichtiger Teil des Hobbys. Auch wenn die Hersteller wohl weiterhin Sammlereditionen anbieten werden, verlieren sie ohne einen echten Datenträger einen großen Teil ihres Reizes. Zumindest die vielen negativen Kommentare im PlayStation Blog sprechen eine eindeutige Sprache, die meisten Gamer sind enttäuscht vom Hersteller.
Die Folgen für Entwickler und Publisher
Auch die Branche selbst muss sich anpassen. Kleinere Publisher, die bislang auf physische Verkäufe in bestimmten Märkten gesetzt haben, verlieren mittelfristig einen Vertriebskanal komplett. Gerade in Regionen mit einer langsamen Internetanbindung oder geringerer Verbreitung von Kreditkarten und digitalen Zahlungsmethoden waren physische Discs oft die Option mit den kleinsten Hürden.
Gleichzeitig entfallen für Entwickler klassische Zwischenschritte wie die Pressung, Zertifizierung der physischen Version und Logistik. Das senkt die Kosten und kann den Veröffentlichungsprozess beschleunigen und vereinfachen. Interessant ist, dass große Publisher diesen Weg teilweise bereits vorweggenommen haben. Rockstar Games kündigte für GTA 6 bereits an, das Spiel ausschließlich digital anzubieten, auch die in den Ladenlokalen verfügbare Version soll nur noch einen Downloadcode enthalten.
Eine Hardware ohne Blu-rays? Welche Folgen hat die Ankündigung?
Sony hat sich technisch bereits auf diesen Schritt vorbereitet. Die überarbeitete PS5 lässt sich seit Ende 2023 mit einem abnehmbaren UHD-Blu-ray-Laufwerk kombinieren, um mehr Speicherplatz zu erhalten. Die Digital Edition verkauft Sony standardmäßig ohne Laufwerk. Auch die PS5 Pro kommt seit ihrem Marktstart ganz ohne festes Laufwerk aus – das Disc-Laufwerk ist dort nur noch optionales Zubehör.
Bisher ist unklar, ob die kommende PS6-Generation überhaupt noch ein Laufwerk beinhalten wird. Sonys aktuelle Mitteilung äußert sich dazu nicht. Doch angesichts der Entwicklung erscheint eine reine Digital-Only-Konsole zumindest wahrscheinlich.
Was das für die Blu-ray-Disc insgesamt bedeutet
Auch wenn sich Sonys Ankündigung konkret auf PlayStation-Spiele bezieht, ist sie Teil eines größeren Trends im Bereich optischer Medien. Der Rückzug aus der Produktion von Blu-ray-Recordern in Japan sowie der insgesamt sinkende Stellenwert physischer Datenträger im Consumer-Bereich zeigen, dass sich das Format – einst Gewinner des Formatkriegs gegen HD-DVD – zunehmend dem Ende seiner breiten kommerziellen Relevanz nähert. Für den Film- und Serienbereich bedeutet das zwar nicht automatisch das sofortige Aus, doch der Druck auf physische Medien insgesamt nimmt sichtbar zu.
Fazit
Sonys Entscheidung markiert das Ende einer jahrzehntelangen Ära, die von der PS1-CD über PS2-DVDs bis zu Blu-ray-Discs auf PS3, PS4 und PS5 reichte. Wirtschaftlich ist der Schritt nachvollziehbar, angesichts eines Umsatzanteils der Blu-rays im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Für Spieler bedeutet der Strategiewechsel jedoch einen spürbaren Kontrollverlust. Sie können Games nicht mehr weiterverkaufen, sie sind abhängig vom Online-Store und müssen alle Daten des Spiels vor dem ersten Spielstart komplett herunterladen.
Ob sich die Community mit diesem Wandel arrangiert oder ob er zu einem echten Bruch mit Teilen der Fanbasis führt, wird sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen. Doch im Anbetracht der wenigen Nutzer, die überhaupt noch auf physische Speichermedien setzen, wird der Aufschrei wahrscheinlich nicht von langer Dauer sein. Insgesamt muss man in dem Zusammenhang leider von einer fortschreitenden Entrechtung der Käufer sprechen, denen man immer mehr Bedingungen aufzwingt, sofern sie die gekauften Games nutzen wollen.
Das Ende der Blu-rays: Was ist eure Meinung dazu?
Ist euch egal, wie ihr an die Daten für ein Spiel kommt? Oder möchtet ihr auch lieber etwas Handfestes besitzen, um es weiterverkaufen oder verleihen zu können? Wäre bei rein digitalen Werken keine Reduzierung des Preises angemessen? Oder wird dies den Anteil der Nutzer eines Jailbreaks der PS4 und PS5 und somit von Schwarzkopien weiter vergrößern? Was glaubt ihr?
Vielen Dank an Jana Maria, der uns netterweise diesen Beitrag eingereicht hat.




















