Das Bild zeigt einen ausgestreckten Arm mit einem Controller. An der Wand leuchtet das Symbol für Playstation von Sony.
Lang lebe die PS4 und andere Spielkonsolen!
Bildquelle: Furkan Salihoğlu, Lizenz

Spielkonsolen-Games auf dem Windows-PC zocken: RecompLauncher & Co. machen es möglich!

Gestern kam die fünfte Beta-Version vom RecompLauncher heraus. Doch wie alltagstauglich ist das Ganze?

In einer Zeit, in der KI-basierte Anwendungen eine immer größere Rolle spielen, scheint fast alles möglich zu sein. So manche Umsetzungen von Konsolen-Games, die man nun auf dem PC spielen kann, haben aber glücklicherweise immer noch Menschen programmiert. Am gestrigen Donnerstag verschickte der Entwickler Ripalda den Newsletter an die Empfänger seiner Mailingliste. Der US-Amerikaner gab bekannt, dass nun die fünfte Version der Beta-Version vom RecompLauncher verfügbar wäre. Es sei weiterhin eine Testversion, hieß es in der E-Mail. Man solle einige „Ecken und Kanten“ bei der Benutzung einkalkulieren.

Wie funktioniert das Ganze aus Sicht eines Anwenders?

Wer sich nicht als Betatester einträgt, bekommt nicht mit, sollte es ein Update geben. Die aktuelle 0.75.0-beta.9 ist dort kostenlos verfügbar. Laut Ripalda laufen im Moment ausschließlich die Arbeiten an der Windows-Umsetzung, die Programme für Linux-Distris und macOS sollen aber auch bald ™ beginnen.

Der Entwickler weist zudem darauf hin, dass Windows seine Nutzer bei der Ausführung vor einer möglichen Schadsoftware bewahren will. Wer sich bei der Fehlermeldung mehr Infos holt und die .exe vom RecompLauncher dennoch ausführt, kommt trotzdem zum Ziel. Bisher unterstützt die 64-Bit Version Windows 10 und Windows 11. Der Coder hat sich bereits innerhalb der Jailbreaker-Szene mit seinem RecompStore einen Namen gemacht. Übrigens. Wer mag, kann @RipaldaVFX bei Ko-Fi oder PayPal einen Kaffee oder mehr spendieren.

RecompLauncher - das Logo aus der Website ausgeschnitten.

Der RecompLauncher akzeptiert keine Szene-Releases

Jetzt kommen wir zum spannenden Teil der Geschichte. Denn beispielsweise die im Graubereich verfügbaren PS4-Releases liegen oftmals im fpkg-Format vor. Dieses Format unterstützt der RecompLauncher aber nicht. Das Tool verlangt zwingend ein „Dump Verzeichnis“ des Games inklusive der Datei eboot.bin. Das heißt, man braucht das Original-Medium oder ein „Backup“. Wer glaubt, sie oder er könne die Files von P2P- oder Szene-Gruppen nutzen, wird sein blaues Wunder erleben. Aktuell funktioniert das schlichtweg nicht. Ich gehe davon aus, dass das auch so bleiben wird.

https://twitter.com/Pirat_Nation/status/2115341042203422804

Der Quiver Launcher als eierlegende Wollmilchsau?

Ähnlich arbeitet das Open-Source-Tool Quiver Launcher. Es verwaltet PC-Portierungen, Recompilations und Community-Remakes, die andere Entwickler bereitgestellt haben. Die eigentliche technische Umsetzung der Spiele findet somit außerhalb des Launchers statt. Je nach Software-Projekt sind höhere Auflösungen, eine Widescreen-Darstellung und höhere Bildraten möglich. Diese Verbesserungen sind allerdings nicht bei jedem Spiel verfügbar. Quiver gibt es plattformübergreifend für Android, Linux, macOS und Windows.

Über 660 Einträge befinden sich im Spielekatalog. Das ist zwar sehr viel mehr als beim RecompLauncher, doch nicht alle Spiele sind vollständig lauffähig. Dazu gehören Umsetzungen für das NES, SNES, Game Boy, Game Boy Advance, Nintendo 64, GameCube, Wii, Wii U, Switch, Virtual Boy, PlayStation, PS 2, PS 3, PSP, PS Vita, PS4 und die PS5. Dazu kommt das Sega Master System, Mega Drive/Genesis, Saturn, Dreamcast und sogar manche Games von Microsofts Xbox, Xbox 360 und Xbox One laufen damit. Und wenn das noch nicht genug wäre, unterstützt der Quiver Launcher auch Exoten wie das 3DO, Philips CD-i und andere Arcade-Systeme. Damit müsste für jeden etwas dabei sein.

Gerade die Xbox One ist für die bösen Schwarzkopierer und solche, die es noch werden wollen, besonders spannend. Warum? 2024 erschien nach vielen Jahren womöglich der erste Kernel-Exploit ever für die Xbox One. Im gleichen Jahr wurde Collateral Damage publik. Das ist ein Software-Exploit, der mithilfe der Game-Script-App eine Kernel-Codeausführung in der SystemOS-Umgebung ermöglichte. Microsoft schloss die Lücke im Juli 2024. Last, but not least gibt es noch den Bliss-Exploit. Doch niemand soll denken, kurz nach der Präsentation von Markus Gaasedelen wäre ein Programm herausgekommen, mit dem man die Schwarzkopien starten kann. So weit ist die Entwicklung nämlich noch gar nicht fortgeschritten.

Quiver Launcher, Ausschnitt der Website des Software-Projekts
Quiver Launcher: Sind alle Pfeile im Köcher?

Dekompilierung – die Rechtslage in Deutschland

Unter einer Dekompilierung versteht man das Rückübersetzen eines bereits kompilierten, für den Computer lesbaren Programms (Maschinencode oder Objektcode), in einen für Menschen verständlichen Quellcode. Laut dem § 69e UrhG gilt dies (pauschal ausgedrückt) unter bestimmten Voraussetzungen ohne Zustimmung als legal.

Doch wie üblich hat man diese Regel an gleich mehrere Bedingungen geknüpft. Legal ist es nur dann, wenn die untersuchte Software rechtmäßig genutzt werden darf, die Informationen nicht anderweitig verfügbar sind und die Entwickler nur die für den Vorgang notwendigen Programmteile untersuchen. Da soll noch einer schlau draus werden. Ob die native PC-Portierung eines Konsolenspiels tatsächlich unter den § 69e fällt, müsste folglich noch gerichtlich (bzw. irgendwann höchstrichterlich) geprüft werden. Auch in dem Punkt steht noch gar nichts fest. Frau Merkel würde sagen: das ist #Neuland.

Der US-amerikanische Digital Millennium Copyright Act (DMCA) enthält mit § 1201(f) eine Ausnahme für bestimmte Reverse-Engineering-Handlungen. Sie erlaubt unter engen Voraussetzungen, technische Schutzmaßnahmen zu umgehen, um die für die Interoperabilität eines unabhängig entwickelten Programms notwendigen Informationen zu ermitteln. Das kann man allerdings nicht mit der Fair-Use-Regelung gleichsetzen. Somit ist auch der § 1201(f) kein Freibrief für die Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Originalcodes.

Der Paragraph 1201(f) des DMCA erlaubt zwar unter bestimmten Voraussetzungen ein Reverse Engineering zur Herstellung der Interoperabilität und würde somit eigentlich unter die Fair Use-Regelung fallen. Doch auch das nützt den Entwicklern wenig. Man kann die Coder trotzdem verfolgen und beantragen, ihren Code von GitHub entfernen zu lassen. Ein Fest für Anwälte. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht!

Aber wie ich schon häufiger schrieb, ist es total unverständlich, warum Entwickler immer wieder für ihre Quellen das Portal eines US-Unternehmens nutzen, statt auf Nummer sicher zu gehen. Im Internet existieren doch mehr als genügend Alternativen, deren Betreiber im Gegensatz zu GitHub nicht auf Löschanfragen reagieren. Die Portalbetreiber aus Russland & Co. geben auch nicht die Identität ihrer Nutzer preis, egal welcher Rechteinhaber anfragt.

Von unten nach oben: Ein Kugelschreiber, das Schild mit Copyright, ein Richterhammer und ein rotes Buch, auf dem eine Brille liegt.
Copyright by Nick Youngson CC BY-SA 3.0 – Pix4free.org, thx!

Fazit

In dem Bereich ist viel in Bewegung, es gibt unter den Launchern tatsächhlich noch weitere Alternativen. Doch Vorsicht! Manche davon haben mit der Funktionsweise vom RecompLauncher nichts gemeinsam, weil es sich um reine Emulatoren handelt. Wer sich einen aktuellen Überblick verschaffen will, besucht am besten die Website RecompEndium. Die Seite kann ich nur empfehlen, das Portal ist so informativ wie umfangreich.

Und wem das alles zu viel Fummelei ist oder wer gar keine Original-Games besitzt, wird bei ElAmigos Repacks und Konsorten fündig. Da gibt es die Archive mit allem Drum und Dran, die die Akteure über die üblichen Szene-Hoster verteilen. Der Nachteil liegt aber auf der Hand: Beim Besitz der Dateien begeht man mit Ausnahme der Privatkopie eine Urheberrechtsverletzung. Aber das dürfte den Leuten sowieso klar sein.

Hinweis

Vielen Dank an HardwareHaider, der mich tagtäglich mit unzähligen super frischen News-Tipps versorgt! Das sind meistens 10x mehr Hinweise, als unsere Redaktion verarbeiten kann. Außerdem war er sich nie zu fein dafür, mir Noob die Zusammenhänge verständlich zu erläutern. ¡Muchas gracias!

Habt ihr schon Erfahrungen mit einem der im WWW verfügbaren Laucher gemacht? Laufen die Games flüssig? Tauchten häufiger Probleme wie Abstürze etc. auf? Teilt uns bitte in unserem Forum eure Erfahrungen mit, vielen Dank!

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.