Illegales IPTV: Fernseher mit zahlreichen Streaming-Angeboten als Symbol für den internationalen Piraten-Streamingmarkt.
Illegales IPTV ist ein lukratives Geschäftsfeld mit Millionen Nutzern und international vernetzten Anbietern.
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Illegales IPTV: 3,9 Millionen Deutsche nutzen Piraten-Streams

Illegales IPTV nutzen laut AAPA rund 3,9 Millionen Deutsche. Die geschätzten Einnahmen der Piraten-Anbieter erreichen rund 340 Mio. Euro.

Illegales IPTV bleibt offenbar auch in Deutschland ein lukratives Geschäft. Laut einer neuen AAPA-Studie nutzen rund 3,93 Millionen Menschen hierzulande illegale IPTV-Angebote. Aufgrund steigender Zahlen fordert die niederländische Medienbranche mehr staatliche Unterstützung im Kampf gegen die Streaming-Schwarzmarkthändler.

Eine aktuelle Studie der Audiovisual Anti-Piracy Alliance (AAPA) lässt darauf schließen, dass Millionen Menschen in Deutschland auf nicht autorisierte IPTV-Angebote zurückgreifen. Konkret beziffert die neue Untersuchung die Zahl für 2025 auf rund 3,93 Millionen Personen. Die Betreiber solcher Streaming-Dienste sollen damit hierzulande fast 340 Millionen Euro umgesetzt haben. Einerseits warnt die Anti-Piraterie-Branche vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden und Sicherheitsrisiken. Andererseits wächst der Druck auf die Politik, stärker gegen die illegalen Netzwerke vorzugehen.

Illegales IPTV erreicht Millionen Menschen in Deutschland

Laut dem aktuellen Wirtschaftsbericht der Audiovisual Anti-Piracy Alliance (AAPA) nutzten 2025 schätzungsweise 3.930.247 Menschen in Deutschland entsprechende Dienste. Das entspricht einem Anteil von 6,4 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren. Damit gehört Deutschland innerhalb Europas zu den größten Märkten für diese Form der digitalen Piraterie.

Höhere absolute Nutzerzahlen verzeichnen lediglich das Vereinigte Königreich mit rund 6,34 Millionen Nutzern. Spanien folgt mit 5,30 Millionen Personen und Frankreich mit knapp 4,77 Millionen. Deutschland belegt mit seinen rund 3,93 Millionen Nutzern Platz vier. Insgesamt schätzt die Untersuchung die Zahl der Menschen, die in der EU, Großbritannien und der Schweiz nicht autorisierte IPTV-Angebote nutzen, auf rund 34,4 Millionen.

Die Ergebnisse stammen aus dem am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Bericht „Illicit IPTV in Europe and North Africa“. Die AAPA ließ die Untersuchung von der Wirtschaftsforscherin Dr. Antanina Garanasvili (Gobelin House SLU) erstellen. Die Studie umfasst insgesamt 38 Länder. Sie untersucht neben der Verbreitung illegaler Streaming-Dienste auch deren wirtschaftliche und steuerliche Auswirkungen sowie mögliche Beschäftigungsverluste.

340 Millionen Euro für die Betreiber illegaler Streaming-Dienste

Die AAPA schätzt die jährlichen Einnahmen der Anbieter in Deutschland für 2025 auf rund 339,9 Millionen Euro. Im Durchschnitt zahlen Nutzer hierzulande monatlich rund 7,21 Euro für entsprechende Angebote. Auf ein Jahr gerechnet ergeben sich laut Studie rund 86,48 Euro.

Die Studie berechnet die Umsätze auf Grundlage der geschätzten Nutzerzahlen, der durchschnittlichen Haushaltsgröße, des Anteils zahlender Kunden und der ermittelten Abo-Preise.

Dunkler Raum mit einem Laptop auf einem Tisch; im Hintergrund eine schematische, leuchtende Europakarte ohne Ländergrenzen, überzogen von einem Netzwerk aus feinen Linien. Fünf gleich große helle Punkte markieren Großbritannien, Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien. Weitere Verbindungen reichen bis zur Türkei und zur nordafrikanischen Küste.
Illegales IPTV in Europa: Die fünf größten Märkte, verbunden durch ein internationales Netzwerk. Deutschland liegt bei den Nutzerzahlen auf Platz vier.

Pay-TV-Anbietern drohen Milliardenverluste

Für Deutschland beziffert der AAPA-Bericht die potenziellen jährlichen Umsatzeinbußen der regulären Pay-TV-Anbieter auf rund 1,63 Milliarden Euro. Europaweit sollen sich diese möglichen Verluste auf knapp 5,84 Milliarden Euro summieren.

Allerdings beruht auch diese Zahl auf einer modellierten Schätzung möglicher Verluste. Die Berechnung berücksichtigt u.a. die Zahl der Haushalte, in denen illegale Streaming-Angebote genutzt werden, sowie den Anteil der Nutzer, die für ein entsprechendes Abonnement bezahlen würden. Die Annahme lautet dabei, dass pro Haushalt höchstens ein potenzielles legales Abonnement verloren geht.

Nicht jeder Nutzer eines Piraten-Angebots hätte allerdings auch ein kostenpflichtiges reguläres Abonnement abgeschlossen. Die berechneten Milliardenbeträge entsprechen daher keinem tatsächlich festgestellten Schaden.

Niederlande: 15 Prozent nutzen nicht autorisierte IPTV-Angebote

In den Niederlanden, wo BREIN bereits seit Jahren gegen IPTV-Anbieter vorgeht, hat sich die Lage weiter zugespitzt. Gemäß dem AAPA-Bericht haben dort 2025 rund 1,96 Millionen Menschen illegale IPTV-Dienste genutzt. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent der Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren, im Vergleich zu 8,2 Prozent im Jahr 2021. Die Nutzung hat sich damit fast verdoppelt. Die geschätzten Einnahmen der Anbieter belaufen sich auf rund 160,8 Millionen Euro jährlich.

Gemessen am Bevölkerungsanteil ist illegales IPTV in den Niederlanden wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Während dort rund 15 Prozent der 16- bis 74-Jährigen entsprechende Angebote nutzen, sind es hierzulande 6,4 Prozent. Nach Berechnungen der Studie entgehen legalen Anbietern dadurch rund 240 Millionen Euro Umsatz, dem niederländischen Fiskus rund 55 Millionen Euro an Mehrwertsteuer und Körperschaftsteuer. Zudem soll die Form der Piraterie mehr als 1.800 Arbeitsplätze kosten.

Niederländische Medienbranche verlangt staatliche Hilfe

Angesichts der stark gestiegenen Nutzerzahlen drängen Rechteinhaber in den Niederlanden auf mehr staatliche Unterstützung im Kampf gegen illegales IPTV. Nach Angaben der Anti-Piraterie-Organisation Stichting BREIN haben sich mehrere Medienunternehmen und Branchenverbände in einem offenen Brief an die niederländische Regierung gewandt. Sie fordern, stärker gegen illegale IPTV-Netzwerke und andere Formen der Online-Piraterie vorzugehen.

Zu den Unterzeichnern gehören die öffentlich-rechtliche Rundfunkorganisation NPO, Talpa, DPG Media mit RTL und Videoland sowie die Branchenverbände Streamingdiensten Nederland und NLConnect. In ihrem Schreiben an mehrere niederländische Ministerien verlangen sie eine nationale und koordinierte staatliche Strategie.

Die Unternehmen und Verbände betrachten die illegalen Streaming-Angebote als groß angelegte, grenzüberschreitende kriminelle Strukturen. Neben den wirtschaftlichen Schäden verweisen sie auf Gefahren für Verbraucher wie Phishing, Betrug und Schadsoftware. Sie fordern eine stärkere strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen, eine bessere Zusammenarbeit der zuständigen Behörden und ein abgestimmtes Vorgehen auf europäischer Ebene.

BREIN betont, dass die Branche und die Organisation selbst bereits intensiv auf zivilrechtlichem Weg gegen solche Angebote vorgehen. Allein 2026 habe BREIN in den Niederlanden mehr als 200 Verkaufswebsites für illegale IPTV-Abonnements offline genommen. Trotzdem tauchten ständig neue Anbieter auf. Private Rechtsdurchsetzung allein reiche deshalb nicht aus. Die Organisation begrüßt den Vorstoß der Medienkoalition und fordert eine wirksamere strafrechtliche Verfolgung.

Sicherheitsrisiken: Piraten-TV ist nicht nur eine Urheberrechtsfrage

Die AAPA warnt davor, dass Nutzer illegaler Streaming-Angebote unter anderem mit Phishing, Malware und dem Diebstahl persönlicher Daten konfrontiert werden können. Bei Angeboten, deren Betreiber anonym agieren und deren Geschäftsmodell außerhalb regulärer Vertriebsstrukturen liegt, fehlt Verbrauchern ein verlässlicher Ansprechpartner.

Auch die Zahlungsabwicklung kann problematisch sein. Wer seine Kontaktdaten, Zahlungsinformationen oder andere persönliche Angaben bei zweifelhaften Anbietern hinterlegt, weiß nicht, wer diese Informationen verarbeitet oder weitergibt. BREIN verweist in diesem Zusammenhang ebenfalls auf Betrugs- und Erpressungsrisiken. Der Direktor von BREIN, Bastiaan van Ramshorst, warnt in einem Interview mit dem Algemeen Dagblad (AD) vor dem Verkauf illegalen IPTV:

„Es ist wichtig, dass Konsumenten, die diese illegalen Streaming-Dienste nutzen, sich bewusst machen, dass auch sie durch die Nutzung solcher Dienste Rechte verletzen und kriminelle Praktiken unterstützen, aber auch, dass sie selbst gefährdet sind. Die Kontaktaufnahme mit Anbietern erfolgt oft über WhatsApp. Diese Daten landen, genau wie Ihre Zahlungsdaten, in den Händen von Kriminellen. Diese missbrauchen die Daten. Das hat kürzlich zu Erpressung geführt.“

AAPA-Studie: Modellrechnungen statt gezählter Nutzer

Im Rahmen ihrer Studie hat die AAPA keine neue repräsentative Befragung speziell unter IPTV-Nutzern durchgeführt. Stattdessen kombiniert die Untersuchung vorhandene Daten von Eurostat und dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO).

Die Berechnung der Nutzerzahlen basiert auf dem Anteil der Bevölkerung, der Internet-TV konsumiert, sowie auf den in EUIPO-Untersuchungen ermittelten Quoten zur Nutzung illegaler Online-Angebote. Für die Bevölkerungszahlen greifen die Autoren auf statistische Daten zurück. Die Ergebnisse sind daher modellbasierte Schätzungen. Die Berechnung stützt sich auf etablierte statistische Datenquellen, hängt jedoch auch von den zugrunde gelegten Annahmen und Modellen ab.

Hinzu kommt die Interessenlage der Auftraggeberin. Die Audiovisual Anti-Piracy Alliance vertritt die Interessen der audiovisuellen Branche und setzt sich gegen die unerlaubte Verbreitung geschützter Inhalte ein.

IPTV-Piraterie: Neue Anbieter, alte Probleme

Ein Vorstoß der niederländischen Medienbranche könnte auch die Forderung nach staatlicher Unterstützung in anderen europäischen Ländern laut werden lassen.

Solange sich jedoch die Betreiber international organisieren, ihre Infrastruktur wechseln und neue Verkaufsseiten aufbauen können, bleibt die Bekämpfung ein Katz-und-Maus-Spiel. Der IPTV-Schwarzmarkt dürfte der Medienbranche daher noch länger vor Herausforderungen stellen.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.