Minecraft-Videos auf YouTube werden zum finanziellen Albtraum: Junge beim Zocken am PC, auf dem Monitor ein Werbekosten-Diagramm mit rund 118.000 US-Dollar, daneben eine Firmenkreditkarte – blockiger Minecraft-Stil, dunkle Landschaft im Hintergrund.
20 Dollar geplant, 118.000 Dollar ausgegeben – der teuerste Klick im Kinderzimmer.
Bildquelle: Google Gemini

Minecraft-Videos auf YouTube: 9-Jähriger jagt 118.000 Dollar durch Papas Firmenkarte

Minecraft-Videos auf YouTube sollten mehr Reichweite bekommen. Allerdings fielen hierfür 118.000 Dollar Werbekosten über die Firmenkarte an.

Die Absicht eines 9-jährigen, mehr Zuschauer für seine Minecraft-Videos auf YouTube zu gewinnen, endete in einem finanziellen und familiären Dissaster. Eine kleine Werbekampagne für 20 Dollar sollte eigentlich seinen Kanal anschieben. Stattdessen liefen über drei Wochen Anzeigen im Wert von rund 118.000 US-Dollar, bezahlt mit der Firmenkreditkarte seines Vaters. Mittlerweile hat der Vater seinen Job verloren und soll obendrein für die komplette Summe aufkommen.

Was als 20-Dollar-Werbung für einen kleinen Gaming-Kanal begann, entwickelte sich zum finanziellen Albtraum. Ein 9-Jähriger soll über YouTube-Werbung rund 118.000 Dollar für die Bewerbung eigener Gaming-Videos ausgegeben haben. Die Firmenkarte des Vaters war dabei im Google-Konto hinterlegt. Nun geht es für die Familie um weit mehr als ein paar zusätzliche Klicks.

Minecraft-Videos auf YouTube: Aus 20 Dollar werden 118.000 Dollar

Wie Tom’s Hardware berichtet, dreht sich der Fall um den YouTube-Kanal „Mighty Mike Plays“, auf dem der 9-jährige Mike hauptsächlich Gameplay zu Minecraft und Roblox veröffentlicht. Nach Darstellung seines Vaters David Sarkisyan begann die Geschichte zunächst völlig harmlos. Zunächst kaufte der Vater für seinen Sohn eine kleine Menge In-Game-Währung und hinterlegte dafür seine geschäftliche Kreditkarte im Konto. Der Junge war frustriert darüber, dass seine Videos kaum Zuschauer erreichten. Daraufhin zeigte ihm sein Vater, wie sich ein Video über YouTubes Werbefunktion bewerben lässt.

Für den ersten Versuch wurden demnach rund 20 Dollar (ca. 17 Euro) eingesetzt. Allerdings war die Firmenkreditkarte des Vaters nun einmal in einem gemeinsam genutzten Google-Konto gespeichert. Nach Darstellung Sarkisyans konnte sein Sohn die hinterlegten Zahlungsdaten somit auch für weitere für Google Ads-Kampagnen verwenden. Eine zusätzliche Bestätigung oder feste Ausgabengrenzen verhinderten weitere Buchungen offenbar nicht. Weshalb hier keine Hürde griff, bleibt offen.

Der Neunjährige habe sich die für die Buchung erforderlichen einzelnen Schritte gemerkt und nachgemacht. So hat er einfach selbst weitere Anzeigen geschaltet. Über einen Zeitraum von ungefähr drei Wochen summierten sich die Werbeausgaben laut Angaben des Vater auf rund 118.000 US-Dollar. Eine öffentlich gezeigte Abrechnung soll sogar den konkreten Betrag von 118.479,83 Dollar ausgewiesen haben.

Minecraft-Content mit sechsstelliger Werberechnung

Die Ausgaben hätten alternativ beispielsweise auch für den Kauf von Minecraft-Servern, Skins oder anderer In-Game-Inhalte Verwendung finden können. Stattdessen floss Geld ausschließlich in Werbung für die eigenen Gaming-Videos. Der Junge wollte mit bezahlter Reichweite einfach nur mehr Menschen auf seinen Kanal aufmerksam machen.

Sein Plan ging zumindest in dieser Hinsicht auf. Mehrere der beworbenen Clips haben bereits über 200.000 Aufrufe erzielt. Somit entstand mit der zusätzlichen Bewerbung tatsächlich eine wesentlich größere Reichweite, allerdings zu einem Preis, der das dafür vorgesehene Familienbudget gleich um ein Vielfaches sprengte.

Vater erfährt erst im Krisengespräch von der Rechnung

Aufgeflogen ist die Problematik laut Sarkisyan erst durch dessen Arbeitgeber. Der Vater wurde demnach zu einem Gespräch mit Verantwortlichen und Mitarbeitern aus dem Finanzbereich gebeten. Dort konfrontierte man ihn mit den ungewöhnlich hohen Belastungen auf der Firmenkarte. Bei der Aufarbeitung wurde ihm die ganze Tragweite klar.

Minecraft-Videos auf YouTube mit sechsstelliger Rechnung: Krisengespräch im Büro mit ausgedruckter Rechnung und steil steigendem Balkendiagramm auf dem Bildschirm – blockiger Minecraft-Stil, Voxel-Skyline im Hintergrund.
Erst das Gespräch mit dem Arbeitgeber brachte die Wahrheit ans Licht: Die Firmenkarte des Vaters wies ungewöhnlich hohe Belastungen auf.

In einem Video auf dem Kanal seines Sohnesr übernahm der Vater die Verantwortung für den Vorfall. Er erklärte, dass er schließlich die Firmenkarte überhaupt erst im gemeinsamen Konto hinterlegt hatte. Sein Sohn Mike soll zwar die Funktionsweise der Werbekampagnen verstanden haben, jedoch nicht die finanzielle Tragweite der einzelnen Buchungen. Aus Sicht eines Kindes bedeutete mehr Werbebudget offenbar vor allem mehr Reichweite.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls wurde der Kanal zunächst pausiert. Die Familie kündigte außerdem an, künftig Zahlungsdaten besser abzusichern, Ausgaben zu begrenzen und zusätzliche Schutzmechanismen einzusetzen. Damit endet die Geschichte aber noch nicht.

Job weg, Rechnung da: 118.000 Dollar offen

In einem späteren Update erklärte der Vater, dass er seinen Arbeitsplatz verloren habe und der Arbeitgeber die Rückzahlung der rund 118.000 Dollar innerhalb von 30 Tagen verlange. David Sarkisyan erklärte zudem, dass ihm im Zusammenhang mit der offenen Summe sogar ein Rechtsstreit drohen könne, sollte er die geforderte Rückzahlung nicht fristgerecht leisten. Während der junge Creator seinen Gaming-Kanal vorerst pausiert, steht sein Vater aktuell vor der Klärung, wie sich die sechsstellige Firmenrechnung begleichen lässt.

Hausverkauf statt GoFundMe

Wie das Gaming- und Internetkultur-Portal Dexerto berichtet, rieten ihm Community-Mitglieder, eine GoFundMe-Kampagne einzurichten. Sarkisyan ist jedoch der Ansicht, die Situation selbst bewältigen zu können. Zugleich warnte er vor Trittbrettfahrern. Demnach hätten bereits einige Personen in seinem Namen Spendenaktionen gestartet. Andere hätten versucht, aus dem Fall eigene Meme-Coins zu lancieren.

Für Sarkisyan käme weder eine GoFundMe-Kampagne noch ein eigener „Mighty Mike“-Coin, mit dem sich ebenso Geld für die Rückzahlung einnehmen ließe, in Frage. Um die 118.000 Dollar dennoch aufbringen zu können, erwägt die Familie alternativ sogar den Verkauf ihres Hauses. Aber auch mit anderen Mitteln versucht die Familie, das zur Rückzahlung notwendige Geld aufzubringen. David und sein Sohn haben einen eigenen „Mighty Mike“-Fanshop eingerichtet, über den u.a. T-Shirts verkauft werden. Die Einnahmen daraus sollen ebenso dazu beitragen, die immense offene Rechnung für die Bewerbung des Minecraft-Videos zu begleichen.

Die Reaktionen der Zuschauer fallen derweilen laut Dexerto gemischt aus. Einige User bezweifeln die Darstellung des Vaters und vermuten hinter der Geschichte sogar einen Betrugsversuch. Sarkisyan reagierte darauf u.a. mit der Veröffentlichung von Aufnahmen seines American-Express-Kontos.

Andere Kommentatoren kritisieren dagegen seine Entscheidung, keine GoFundMe-Kampagne zu starten. Sie argumentieren, dass die Internet-Community die geforderte Summe möglicherweise schnell zusammenbekommen könnte. Ein Nutzer zog dabei sogar einen Vergleich zu „Breaking Bad“ und meinte, es gebe einen einfachen Weg, an das benötigte Geld zu kommen, doch der Vater mache es sich aus Stolz unnötig schwer. Ein anderer Kommentator appellierte direkt an Sarkisyan, die Hilfsbereitschaft im Internet nicht zu unterschätzen und doch eine Spendenkampagne einzurichten.

118.000 Dollar Schulden: Die Community mischt sich ein

Damit entwickelt sich der Fall um die Minecraft-Videos auf YouTube zu einem Internet-Phänomen. Einerseits entschied die Familie, die finanziellen Folgen selbst zu tragen. Andererseits diskutiert die Community darüber, ob eine öffentliche Finanzierung der Rechnung der bessere Weg wäre. Wieder andere versuchen die Aufmerksamkeit rund um den Vorfall für eigene Spendenaktionen oder Meme-Coins auszunutzen.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.