YouTube und Twitch
YouTube und Twitch
Bildquelle: ChatGPT

YouTube und Twitch-Inhalte archivieren, aber wie?

Die Tools Pinchflat und Ganymede sichern alle wichtigen Inhalte von YouTube und Twitch auf der Festplatte, bevor man sie löschen kann.

YouTube und Twitch sind jedoch keine Archive und auch nicht dafür gedacht. Sie sind Plattformen mit Löschfristen, Filtern und lästigen Rechteprüfungen. Was heute noch online ist, kann morgen schon weg sein. Ein Video kann gesperrt werden, ein Kanal kann alte Inhalte auf „privat” stellen, ein Twitch-VOD kann ablaufen oder ein Musiktreffer kann ganze Passagen im gespeicherten Stream stumm schalten.

Wer nach der Löschung etwas sucht, ist leider zu spät dran

Genau hier kommen Pinchflat und Ganymede ins Spiel. Pinchflat holt YouTube-Kanäle und -Playlists auf das eigene NAS. Ganymede übernimmt Twitch-VODs, Livestreams und den Chat. Zusammen entsteht so ein lokales Archiv für Plex, Jellyfin oder Kodi, bevor Plattformen Inhalte entfernen, kürzen oder nachträglich verändern.

Pinchflat für YouTube ist einfach zu nutzen, wenn man ohnehin Umbrel nutzt. Die App steht direkt im Umbrel App Store zur Verfügung. Wer Umbrel auf einem Raspberry Pi betreibt, muss keinen eigenen Docker-Compose-Stapel erstellen. App Store öffnen, Pinchflat suchen, installieren, kurz einrichten und Spaß haben.

Pinchflat nutzt yt-dlp im Hintergrund und macht daraus eine Oberfläche, die perfekt für den Dauerbetrieb ausgelegt ist. Man trägt einen Kanal oder eine Playlist ein, legt Regeln fest und lässt den Dienst danach laufen. Neue Videos landen automatisch auf dem eigenen Speicher zu Hause und sind somit vor einer Löschung durch Rechteinhaber geschützt.

Das lohnt sich für Inhalte, die erst wichtig werden, wenn sie nicht mehr verfügbar sind. Es ist besser, sie vorher zu sichern, bevor man sie einfach per DMCA entfernen kann. Dazu zählen eigene Uploads, Tutorials, Vorträge, freie Kanäle oder Playlists, die sich über Jahre hinweg aufgebaut haben.

Pinchflat ist dabei nicht der Player. Der Dienst lädt und sortiert. Man spielt die Werke später über Plex, Jellyfin, Kodi oder einfach direkt über den Player VLC.

Ganymede, Logo

Ganymede für Twitch

Auf Twitch sind Inhalte viel schneller verschwunden. Videos on Demand (VODs) bleiben leider nicht ewig online. Hinzu kommen Musiktreffer, gelöschte Streams und stummgeschaltete Abschnitte in den aufgezeichneten Streams. Bei Twitch geht außerdem oft mehr verloren als nur das Video selbst. Der Chat gehört bei vielen Streams zum Inhalt, um den Kontext besser zu verstehen.

Ganymede archiviert Twitch-VODs und -Livestreams samt Chat. Der Chat kann später wiedergegeben oder gerendert werden. Die Dateien bleiben so abgelegt, dass man sie später auch ohne Ganymede nutzen kann.

Damit übernimmt Ganymede bei Twitch eine ähnliche Rolle wie Pinchflat bei YouTube. Beide Dienste sichern Inhalte von Online-Plattformen, bevor Regeln, Fristen oder Treffer die einzige verfügbare Kopie löschen.

Pinchflat

Pinchflat für YouTube

Ganymede gibt es aktuell nicht direkt für Umbrel, Pinchflat hingegen ist im offiziellen Umbrel Store verfügbar. Ganymede findet man dort aktuell nicht. Auch in der Übersicht der Umbrel-App taucht es nicht auf.

Das ist jedoch kein Ausschlusskriterium. Es bedeutet lediglich, dass Ganymede nicht per Single-Klick aus dem Umbrel Store installiert werden kann. Wer Ganymede nutzen will, setzt es separat per Docker auf. Oder in Portainer, welches Umbrel zum Beispiel mitbringt.

Das geht natürlich auch auf einem Raspberry Pi. Man sollte das Gerät aber nicht überschätzen. Pinchflat allein ist leicht. Ganymede mit Twitch-Streams, Chat, Datenbank und langen Aufnahmen ist eine komplett andere Nummer und sehr ressourcenintensiv. Ein kleiner NUC wäre da die bessere Wahl und ist preislich aktuell fast in derselben Dimension wie ein aktueller Raspi 5 samt Zubehör.

Ohne eine große HDD oder SSD ist das kein Archiv

Ein Archiv gehört nicht auf eine kleine, langsame microSD-Karte, nicht bei YouTube. Und erst recht nicht bei Twitch.

Pinchflat wächst schon mit ein paar Kanälen. Ganymede legt bei langen Streams noch einmal eine Schippe drauf. Mehrere Stunden Video, Chat, Metadaten und Vorschaubilder nehmen wirklich viel Speicherplatz in Anspruch. Natürlich nicht auf einmal, aber es summiert sich mit der Zeit.

Wer Umbrel auf einem Raspberry Pi nutzt, sollte deshalb eine große SSD oder eine NVMe-Lösung einplanen. Das System läuft stabiler, der Speicher hält länger und die Sammlung gerät nicht sofort an ihre Grenzen. Seit den neuen Updates und Weiterentwicklungen muss es nicht mehr unbedingt der interne Speicher bei Umbrel sein, denn das System erkennt jetzt genauso sauber und zuverlässig externe Festplatten.

Jellyfin, Media Player

YouTube und Twitch sollten getrennt gehalten werden

Pinchflat und Ganymede gehören nicht in denselben Ordner. YouTube ist YouTube. Twitch ist Twitch. Äpfel und Birnen gehören nicht in den gleichen Korb.

Für YouTube reicht meistens eine Struktur nach Kanal, Datum und Titel. Bei Twitch sollte der Streamer im Vordergrund stehen. Dazu kommen das Datum, der Streamtitel und der passende Chat. Der Chat darf nicht irgendwo verschwinden, da Ganymede sonst einen großen Teil seines Sinns verliert.

Das ist nicht unbedingt hübsch, aber später essenziell. Ein Archiv ist nur dann brauchbar, wenn man es später noch versteht.

Die Programme Plex, Jellyfin und Kodi dienen als Oberfläche. Pinchflat und Ganymede liefern hingegen die Daten. Die Oberfläche kann man je nach Bedarf auswählen.

Plex kann beide Archive als eigene Bibliotheken aufnehmen. Eine für YouTube, eine für Twitch. Als Typ passt meistens „Andere Videos“. YouTube- und Twitch-Inhalte sind halt keine klassischen Filme und selten saubere TV-Serien.

Jellyfin ist bei solchen Sammlungen oft besser. Der Server kommt mit gemischten Inhalten besser zurecht und zwingt einem da weniger Struktur auf, was solche Sachen angeht, umgekehrt ist es dafür bei Serien und Filmen wesentlich strikter.

Kodi ist und bleibt die absolut einfachste Lösung. Man bindet Ordner ein und spielt sie ab – mehr nicht. Wer bereits Plex oder Jellyfin nutzt, kann Kodi entweder als Player verwenden oder Jellyfin und Plex auch dort einbinden. Für Plex gibt es beispielsweise PM4K als Kodi-Add-on. Dann bleiben Watch-Status, Metadaten und Nutzerprofile beim Medienserver.

Videolan, VLC, YouTube und Twitch

Den Zugriff muss man sauber lösen

Für den normalen Betrieb reicht das eigene Heimnetz. Einfach Umbrel öffnen, Pinchflat starten, Quellen verwalten und Ganymede lokal erreichen. Eine Portfreigabe am Router ist dafür nicht nötig. Sie macht aus einem privaten Archiv nur eine unnötige Angriffsfläche. Wer unterwegs auf die Inhalte zugreifen möchte, nutzt Tailscale. Der Raspberry Pi bleibt im eigenen Tailnet und ist nur für angemeldete Geräte erreichbar.

Tailscale Funnel kann man nutzen, sollte dies aber nicht leichtfertig tun. Funnel macht eine Adresse öffentlich erreichbar. Wenn Funnel genutzt wird, ist eine Anmeldung davor erforderlich. Diese kann man aber bei der Einrichtung des Docker-Containers angeben.

Man muss nicht zwingend alles von YouTube und Twitch ins Archiv packen

Ein gutes Archiv ist kein Papierkorb. Wer jeden Kanal und jeden Stream in bester Qualität speichert, füllt auch große Festplatten recht schnell. Sinnvoller ist eine klare Auswahl. Dazu gehören eigene Inhalte, Kanäle, die man wirklich behalten will, Tutorials, die später noch nützlich sind, oder Twitch-Streams, bei denen der Chat und Verlauf wichtig sind.

Bei YouTube reicht oft 1080p. Bei Twitch muss man hingegen abwägen. Ein mehrstündiger Stream in hoher Qualität kostet jede Menge Speicherplatz. Wenn es vor allem um die Sprache geht, muss es nicht immer die höchste Qualität sein. Oder?

Pinchflat und Ganymede erledigen die ihnen auferlegten Aufgaben. Die Entscheidung, was ins Archiv gehört, muss der Nutzer selbst treffen. Inhalte, die man lokal gespeichert hat, verschwinden nicht einfach. Wenn Inhalte wichtig sind, sollten sie nicht nur auf YouTube oder Twitch liegen. Pinchflat holt YouTube-Kanäle und -Playlists auf den eigenen Speicher. Die Tools Plex, Jellyfin oder Kodi machen daraus eine brauchbare Mediathek. Egal welches Programm man dafür benutzt, wir wünschen euch dabei viel Spaß!