Gaming-Bann geerbt: Gebrauchter Ryzen-Prozessor mit symbolischer Hardware-Sperre auf einem Gaming-PC
Unerwartete Altlast: Ein gebrauchter Ryzen-Prozessor soll mit einer Hardware-Sperre von Riot Games belegt gewesen sein.
Bildquelle: Google Gemini

Gaming-Bann geerbt: Gebrauchte CPU sperrt neuen Besitzer aus

Gaming-Bann geerbt: Ein Käufer erwirbt einen gebrauchten Ryzen 7 5800X3D und wird wegen einer Hardware-Sperre von Riot Games ausgesperrt.

Wer gebrauchte PC-Hardware kauft, erwartet normalerweise eventuell aufgetretene Gebrauchsspuren sowie eine eingeschränkte Restlebensdauer. Dass man dabei allerdings auch die Sperre des Vorbesitzers übernehmen könnte, dürfte für die meisten neu sein. Der Käufer eines gebrauchten Ryzen 7 5800X3D hat eben einen solchen Gaming-Bann geerbt. Der Prozessor war zuvor mit einem wegen Cheatens gesperrten Rechner im Einsatz. Nun verweigert Riot Games dem neuen Besitzer den Zugang gleich zu mehreren Spielen. Der kuriose Fall sorgt bereits auf Reddit für Diskussionen.

Gebrauchte CPU gekauft – Valorant verweigert den Start

Wie Heise zuerst berichtete, erwarb ein Käufer am 21. September 2026 über Kleinanzeigen den gebrauchten Gaming-Prozessor AMD Ryzen 7 5800X3D und baute ihn in seinen Rechner ein. Technisch funktionierte die CPU offenbar ohne Probleme. Erst beim Start von Valorant zeigte sich, dass er unmittelbar aus dem Spiel geworfen wurde. Mit seiner vorherigen CPU hatte das Game noch problemlos funktioniert.

Der Betroffene wandte sich daraufhin an den Support von Riot Games. Dort erhielt er gemäß eigener Darstellung die Erklärung, dass die Seriennummer der CPU im Vanguard-System auf einer Blacklist stehe. Als Grund benannten sie eine Hardware-Sperre. Diese sei im August 2026 gegen den vorherigen Besitzer verhängt worden. Offenbar hatte dieser mit dem Prozessor in Valorant gecheatet. Damit hatte er einen Gaming-Bann geerbt, ohne selbst etwas getan zu haben, das eine solche Sperre ausgelöst hätte.

Dunkler Raum mit Gaming-PC, auf dem Monitor leuchtet eine rote Sperrmeldung; davor liegt der ausgebaute Prozessor neben dem offenen Gehäuse, eine Person sitzt mit dem Rücken zur Kamera davor.
Rechner läuft, Spiel nicht: Nach dem CPU-Wechsel wirft Valorant den neuen Besitzer sofort wieder aus der Runde.

Hardware-Bann bleibt nicht auf die CPU beschränkt

Der Reddit-Nutzer u/After-Cartoonist-196 schilderte seinen Fall im Subreddit r/PCBaumeister unter dem Titel „Gebrauchte CPU erlaubt kein Valorant“. In einem späteren Update gab u/After-Cartoonist-196 bekannt, nach weiterer Kommunikation mit Riot habe er erfahren, dass mittlerweile auch andere Komponenten seines Rechners wie Mainboard und Festplatte auf der Blacklist stünden. Der Support habe ihm keine Möglichkeit genannt, die Hardware-Sperre aufheben zu lassen.

Riot Vanguard erkennt gesperrte Hardware

Hinter der Sperre steht Riots Anti-Cheat-System Vanguard. Der Dienst besitzt unter Windows einen Kernel-Treiber. Dadurch kann er Informationen über die Hardware- und Softwareumgebung eines Rechners auswerten. Wie auch der Fall zu erkennen gibt, setzt Riot bei Verstößen Hardware-ID-Sperren (HWID-Bans) ein, wobei man nicht lediglich ein einzelnes Benutzerkonto sperrt. Offenbar will man so verhindern, dass ein betroffener Spieler mit anderer Identität auf derselben Hardware weiterspielt.

Riot selbst beschreibt einen HWID-Bann als Maßnahme für besonders schwere Verstöße. Die Sperre kann sich dabei auf mit der Hardware verbundene Accounts auswirken. Problematisch wird das Verfahren für Hardware-Gebrauchtkäufe. Der Besitzer wechselt, die technische Identität bleibt aber dieselbe.

Wie erkennt Vanguard CPUs?

Technisch spannend ist die Frage, wie eigentlich Riot Games solche CPUs identifiziert. Wie Riot den Ryzen 7 5800X3D im konkreten Fall eindeutig bestimmt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Auf Reddit wird derweil über die mögliche Ursache spekuliert. Einige Nutzer vermuten, dass individuelle Hardware-Kennungen eine Rolle spielen. Andere verweisen auf einen Zusammenhang mit dem Trusted Platform Module (TPM).

Riot selbst nennt das Trusted Platform Module (TPM) als mögliche Hardware-Identität. Ein TPM 2.0 kann entweder als separater Chip auf dem Mainboard oder als Firmware-TPM (fTPM) in der CPU umgesetzt sein. Im TPM steckt ein Endorsement Key (EK), der bereits bei der Herstellung erzeugt und dauerhaft im Speicher des Moduls hinterlegt wird. Damit lässt sich das TPM eindeutig identifizieren. Riot erklärt, dass sich eben dieser Schlüssel auch für einen Hardware-Bann sperren ließe.

Eine ebenso in der Community diskutierte Möglichkeit verweist auf einen umfassenden Hardware-Fingerprint. Dabei könnten mehrere Merkmale des Systems miteinander kombiniert werden. Allerdings bleibt auch diese Variante der Erklärung im vorliegenden Fall nur eine weitere technische Vermutung.

Auch andere Riot-Spiele betroffen

Das gerade viel diskutierte Problem beschränkt sich gemäß vorliegender Informationen nicht auf Valorant. Weil die Hardware-Sperre auf Riots Infrastruktur zurückzuführen ist, sind offenbar auch andere PC-Spiele des Unternehmens betroffen. Heise benennt dabei konkret League of Legends, Teamfight Tactics, Legends of Runeterra und 2XKO. Ebenso können aber auch künftige Riot-Titel von einer entsprechenden Hardware-Sperre betroffen sein.

Die Schattenseite des Gebrauchtmarkts

Für Anti-Cheat-Systeme ist die Bindung an Hardware nachvollziehbar. Für den Gebrauchtmarkt entsteht durch ‚Gaming-Bann geerbt‘ allerdings ein nicht voraussehbares Risiko. Ein Käufer kann vor dem Kauf kaum erkennen, ob eine gebrauchte CPU oder ein anderes Bauteil bereits mit einer solchen Sperre belegt ist. Eine entsprechende Information lässt sich jedenfalls nicht einfach am äußeren Zustand der Hardware ablesen.

In der Reddit-Diskussion gehen die Meinungen deshalb auseinander. Einige Nutzer schlugen vor, die gesperrte CPU einfach an jemand anderen weiterzuverkaufen. Das würde das Problem allerdings nur zum nächsten Käufer verlagern. Andere rieten dazu, die Komponente an den Verkäufer zurückzuschicken. Einige Nutzer vermuteten sogar, dass der Verkäufer von der Vorgeschichte der CPU wusste. In den Kommentaren tauchte weiterhin der Vorschlag auf, HWID-Spoofing-Tools einzusetzen, um eine von Vanguard verhängte Sperre zu umgehen.

Ob Riot die Sperre in diesem konkreten Fall noch aufhebt oder der Käufer tatsächlich auf der gesperrten Hardware sitzen bleibt, ist derzeit nicht bekannt. Zudem ist offen, ob der Ryzen 7 5800X3D nur vorübergehend gesperrt ist oder dauerhaft auf der Blacklist steht.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.