NCA-Ermittler stiehlt 50 Bitcoin aus einer beschlagnahmten Wallet. Paul Chowles muss nun 1,8 Millionen Pfund zurückzahlen.
NCA-Ermittler stiehlt Bitcoin: Paul Chowles, ehemaliger Mitarbeiter der britischen National Crime Agency (NCA), zweigte im Zuge einer Darknet-Ermittlung in Bezug auf Silk Road 2.0 50 Bitcoin aus einer beschlagnahmten Wallet ab. 30 Bitcoins konnten später bei Chowles noch sichergestellt werden. Seit dem Diebstahl ist der Bitcoin-Kurs allerdings massiv gestiegen. Deshalb konnte die britische Staatsanwaltschaft gegen Chowles nun einen Einziehungsbeschluss über 1.810.678,93 Pfund (ca. 2.129.720 Euro) durchsetzen. Dieser Betrag umfasst auch die sichergestellten 30 Bitcoin mit.
Nur kurz nachdem das FBI 2013 den im Februar 2011 von Betreiber Ross Ulbricht gegründeten Darknet-Market Silk Road hochgenommen hatte, startete der in der Szene als „StExo“ bekannte Engländer Thomas White zusammen mit Mr Benthall Silk Road 2.0. Bevor er sich zurückzog, soll er den Darknet-Market zwischen November 2013 und März 2014 betrieben haben. Nach seiner ersten Verhaftung im November 2014, dauerte es Jahre, bis es zu einer Verurteilung kam. Erst im Jahre 2019 wurde er vom Liverpool Crown Court zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Paul Chowles gehörte zu dem Team, das die beschlagnahmten digitalen Geräte von Thomas White untersuchte. Zu seinen Aufgaben gehörte es, Daten und Kryptowährungen von den sichergestellten Geräten zu analysieren und zu extrahieren.
50 Bitcoin waren zunächst nur rund 60.000 Pfund wert
Die Ermittlungen zum Fall führten zur Beschlagnahme eines USB-Sticks mit 97 Bitcoins. Wie im Nachhinein bekannt wurde, hatte White selbst die 97 BTC offenbar als seine Altersvorsorge betrachtet. Staatsanwalt Craig Hassall KC schilderte, dass diese digitale Geldbörse über zwei Jahre, bis Mai 2017, in der Obhut der Polizei blieb. In dieser Phase übertrug Chowles unbefugt 50 Einheiten der Kryptowährung in seinen Besitz. Im Jahr 2017 waren die 50 Bitcoin lediglich rund 59.400 Pfund (ca. 70.572 Euro) wert. Anschließend versuchte Chowles, die Spur der Vermögenswerte durch weitere Kryptotransaktionen zu verschleiern.
Nach Angaben der britischen Strafverfolgungsbehörden wurde ein Teil der Bitcoin in kleinere Beträge aufgeteilt und über den Mixing-Dienst Bitcoin Fog bewegt. Chowles wandelte Bitcoin zudem in britische Pfund um und nutzte für Ausgaben Debitkarten von Cryptopay und Wirex.
Die getohlene Kryptowährung gewann allerdings mittlerweile massiv an Wert. Bis zum Sommer 2025 waren die 50 Bitcoin mehr als 4,3 Millionen Pfund wert. Von den ursprünglich gestohlenen Coins konnten die Behörden schließlich 30 Bitcoin sicherstellen.
NCA-Ermittler stiehlt Bitcoin: Haftstrafe für Chowles
Aufgeflogen war der Diebstahl offenbar erst nach Whites Haftentlassung im Jahr 2022. Wie der Liverpool Echo berichtet, stellte sich im Rahmen weiterer Ermittlungen nach dem britischen Proceeds of Crime Act heraus, dass Bitcoin aus Whites Bestand verschwunden waren. Ein Teil der fehlenden Kryptowährung ließ sich später bis zu Chowles‘ Heimcomputer zurückverfolgen.
Im Mai 2022 wurde der damalige NCA-Mitarbeiter schließlich an seinem Arbeitsplatz festgenommen. Bei einer Durchsuchung seiner Büroräume stießen die Ermittler auf mehrere Notizbücher. Darin fanden sie Benutzernamen und Passwörter, die mit Whites Kryptowährungskonten in Verbindung standen.

Laut Staatsanwaltschaft gab er rund 140.000 Pfund (ca. 164.668,00 Euro) der Beute aus diesem Diebstahl in Supermärkten, in verschiedenen Restaurants und Bars sowie für Bauarbeiten und Kindergartengebühren aus. Der überwiegende Teil der Kryptowährung war jedoch noch vorhanden. 30 der 50 gestohlenen Bitcoin konnten somit sichergestellt werden.
Nach Ermittlungen der Merseyside Police bekannte sich Chowles des Diebstahls sowie des Transfers und der Verschleierung krimineller Vermögenswerte schuldig. Im Juli 2025 verurteilte ihn das Liverpool Crown Court zu fünfeinhalb Jahren Haft. Am 11. Juli 2025 wurde er zudem aus der NCA entlassen.
CPS: Chowles missbrauchte seine Vertrauensstellung
Nach der Haftstrafe folgte nun die Vermögensabschöpfung. Das Crown Prosecution Service (CPS) setzte den einzuziehenden Betrag auf 1.810.678,93 Pfund fest. Darin enthalten ist auch der tatsächliche Wert der 30 wiedererlangten Bitcoin. Die Maßnahme erfolgte nach dem britischen Proceeds of Crime Act 2002. Der ehemalige Ermittler soll damit nicht dauerhaft von den Kursgewinnen der Kryptowährung profitieren.
Außerdem erließ das Gericht eine Compensation Order zugunsten von Thomas White über 1.066.956,83 Pfund zum Ausgleich des durch Chowles‘ Diebstahl entstandenen finanziellen Ausfalls. Der Betrag wird jedoch nicht zusätzlich zur Einziehungsforderung fällig, sondern auf die noch offene Summe aus der Confiscation Order angerechnet.
Luke Clements von der Proceeds of Crime Division der britischen Staatsanwaltschaft (CPS) bezeichnete Chowles’ Vorgehen als besonders schwerwiegend:
„Paul Chowles nutzte eine Vertrauensstellung zu seinem persönlichen Vorteil aus und stahl Vermögenswerte, die bereits durch polizeiliche Maßnahmen sichergestellt worden waren.“

















