Claude AI rettet Bitcoin: Eine KI hilft dabei, ein verlorenes Wallet mit fünf Bitcoin nach elf Jahren wiederherzustellen.
„HOLY FUCKING SHIT OMG CLAUDE JUST CRACKED THIS SHIT.“ Mit diesem euphorischen X-Posting löste der Nutzer @cprkrn kürzlich einen viralen Hype in der Krypto- und KI-Szene aus. Die Geschichte rund um „Claude AI rettet Bitcoin“ verbreitete sich innerhalb weniger Stunden über X, Reddit und zahlreiche Tech-Portale. Der US-Amerikaner behauptete, Anthropic’s KI-Modell Claude habe ihm geholfen, ein seit über elf Jahren gesperrtes Bitcoin-Wallet wieder zugänglich zu machen – inklusive fünf BTC im heutigen Wert von knapp 400.000 US-Dollar.
Claude AI rettet Bitcoin – aber nicht durch einen Hack
Die Geschichte verbreitete sich innerhalb weniger Stunden über X, Reddit und zahlreiche Tech-Portale, denn für den Wallet-Besitzer galten die Bitcoins bereits als praktisch verloren. Erst nachdem er seinen alten College-Rechner von Claude AI analysieren ließ, tauchte eine entscheidende Wallet-Sicherungsdatei wieder auf.
Der Fall traf zudem auf eine ohnehin aufgeheizte Debatte über KI-gestützte Cyberangriffe sowie mögliche zukünftige Risiken für Bitcoin-Wallets durch Quantencomputing. Wie ursprünglich vom Wallet-Inhaber auf X behauptet, habe Claude das Wallet „geknackt“. Die Schlagzeile vom „geknackten Bitcoin-Wallet“ erwies sich allerdings als überzogen. CoinDesk stellte klar, dass die KI weder Bitcoin kompromittierte noch Kryptografie brach, sondern lediglich eine alte Wallet-Sicherungsdatei auf dem Rechner des Besitzers identifizierte. Somit half die KI bei digitaler Forensik.
Der Besitzer der Wallet hatte seine Bitcoins bereits vor über einem Jahrzehnt gekauft. Damals lag der Kurs bei rund 250 Dollar pro Coin. Während seiner College-Zeit änderte er jedoch nach eigener Aussage im berauschten Zustand das Passwort seiner Blockchain.info-Wallet. Kurz danach wusste er das neue Kennwort nicht mehr. Damit begann eine jahrelange Odyssee.
Billionen Passwortversuche blieben ohne Erfolg
Laut eigener Aussage testete der Nutzer über Jahre hinweg per Brute-Force-Angriff unzählige Passwortkombinationen. Mithilfe von btcrecover und gemieteter Rechenleistung sollen sogar rund 3,5 Billionen Kombinationen ausprobiert worden sein. Der Zugriff ließ sich dennoch nicht wiederherstellen.
Die Seed Phrase hatte er zwar noch irgendwo notiert, doch die aktuelle Wallet-Datei ließ sich damit nicht entschlüsseln. Die Bitcoins waren nie weg, der Besitzer kam nur nicht mehr an sein Wallet heran. Hier kam dann Claude AI ins Spiel.
Claude findet Wallet-Datei
Der Wendepunkt kam erst, als der Nutzer seinen kompletten alten College-Rechner in Claude hochlud. Die KI analysierte offenbar alte Sicherungen, Wallet-Dateien, E-Mails, Chatverläufe, Apple-Notizen und verstreute Backups. Insgesamt soll es sich um mehr als ein Gigabyte unstrukturierter Daten gehandelt haben.
Claude entdeckte schließlich eine ältere Wallet-Sicherungsdatei aus dem Dezember 2019, die noch vor der späteren Passwortänderung erstellt worden war. Entscheidend war dabei, dass das Backup mit einem Passwort verschlüsselt war, das der Nutzer bereits zuvor in einem alten Notizbuch gefunden hatte.
Erst durch die Kombination aus diesem alten Passwort und der älteren Wallet-Sicherungsdatei ließ sich das Backup schließlich erfolgreich entschlüsseln. Dadurch wurde klar, warum sämtliche Recovery-Versuche zuvor gescheitert waren. Die aktuelle Wallet-Datei ließ sich mit den vorhandenen Zugangsdaten nicht entschlüsseln, das ältere Backup hingegen schon. Der Zugriff auf die fünf Bitcoin war damit nach über elf Jahren wiederhergestellt. Die Coins, die beim Kauf damals lediglich rund 213 Euro gekostet haben sollen, entsprachen mittlerweile einem Gegenwert von knapp 400.000 US-Dollar (ca. 344.000 Euro) und wurden anschließend auf eine neue Wallet transferiert.
Claude AI als digitaler Forensiker
Die eigentliche Leistung bestand also nicht darin, Bitcoin zu „hacken“, sondern verstreute digitale Spuren mithilfe von KI-gestützter Forensik intelligent miteinander zu verbinden. Laut einem vom Nutzer veröffentlichten Screenshot auf X identifizierte Claude beim Recovery-Prozess zudem offenbar ein Problem beim Zusammenspiel von „sharedKey“ und Passwort innerhalb von btcrecover. Erst nach Anpassung dieser Logik ließ sich das alte Wallet-Backup erfolgreich entschlüsseln. Die euphorische Ausgabe von Claude lautete:
„PRIVATE KEYS DECRYPTED! WE GOT IT!!! THE 5 BTC IS YOURS!“
Ab diesem Moment entwickelte sich die Story zum viralen Selbstläufer. Laut eigener Aussage hatte der Nutzer zuvor mehrfach kostenpflichtige Recovery-Versuche unternommen, die ihn jeweils rund 250 US-Dollar gekostet haben sollen. Die späteren GPU-Kosten für die Brute-Force-Angriffe über Vast.ai sollen dagegen lediglich bei rund 15 US-Dollar gelegen haben. Der eigentliche Durchbruch gelang am Ende weniger durch klassisches Passwort-Cracking als vielmehr durch intelligente KI-gestützte Dateisuche.
Verlorene Bitcoins vor dem Comeback?
Blockchain-Analysefirmen wie Glassnode und Chainalysis schätzen, dass mehrere Millionen Bitcoin dauerhaft verloren sein könnten. Die Gründe dafür sind vielfältig: vergessene Wallet-Passwörter, defekte Festplatten, verlorene Seed Phrases, beschädigte Wallet-Dateien oder entsorgte Hardware und alte Laptop-Backups, auf denen sich noch Zugriffsdaten befanden.
Frühe Bitcoin-Nutzer sicherten ihre Wallets oftmals improvisiert und ohne professionelle Backup-Strategien. Damals ahnte kaum jemand, dass ein paar Coins irgendwann sechsstellige Summen wert sein würden.
Der aktuelle Fall zeigt, welches Potenzial KI künftig im Kryptobereich entfalten könnte. Large Language Models eignen sich prinzipiell gut dafür, riesige Datenmengen zu durchsuchen, Muster zu erkennen und relevante Hinweise herauszufiltern.
Vom Müllhalden-Mythos zur KI-Wallet-Recovery
Der Fall ‚Claude AI rettet Bitcoin‘ erinnert zwangsläufig an den wohl berühmtesten Bitcoin-Verlust überhaupt, jenen von James Howells aus Wales. Der IT-Spezialist behauptet seit Jahren, seine Freundin habe versehentlich eine Festplatte mit 8.000 BTC auf einer Müllhalde entsorgt. Der Streit mit Behörden und Gerichten zog sich über Jahre hin.
Anders als im Fall James Howells war die Wallet hier nie physisch verschwunden. Verloren war lediglich der Zugriff darauf. Der aktuelle Claude-Fall zeigt, wie grundlegend sich die Möglichkeiten der Wallet-Recovery verändert haben. Statt Millionenbudgets, Spezialfirmen oder aufwendiger Suchaktionen reichten hier offenbar ein alter Laptop, gefundene Zugangsdaten und ein KI-Assistent, der verstreute Informationen intelligent miteinander verknüpfte.
Auf alten Festplatten, vergessenen Macs oder verstaubten Backup-Laufwerken könnten noch Millionen verlorener Bitcoin schlummern. KI wird zunehmend besser darin, digitale Spuren in chaotischen Datenbergen zu analysieren. Für Besitzer verlorener Wallets könnte dies künftig den Unterschied zwischen wertlosem Elektroschrott und einem kleinen Vermögen ausmachen.


















