Paddington winkt zum Abschied an einem Bahnhof als Symbol dafür, dass PlayStation gekaufte StudioCanal-Filme aus den Bibliotheken entfernt.
Ein symbolischer Abschied: „Paddington“ gehört zu den Hunderten Filmen, die Sony aus den Bibliotheken betroffener Nutzer entfernt.
Bildquelle: ChatGPT

PlayStation entfernt gekaufte Filme: 551 Titel verschwinden trotz Kauf

PlayStation entfernt gekaufte Filme: 551 StudioCanal-Titel verschwinden. Der Fall entfacht die Debatte um digitalen Besitz.

PlayStation entfernt gekaufte Filme: Ab September streicht Sony 551 bereits bezahlte Filme und Serienstaffeln aus den Bibliotheken britischer Nutzer. Auch für Deutschland ist eine solche Maßnahme kein Novum. Eine ähnliche Löschaktion gab es hier bereits 2022.

PlayStation entfernt gekaufte Filme: Ein teurer Klick mit Ablaufdatum?

Wer davon ausgeht, einen gekauften Film auch dauerhaft besitzen zu können, wird einmal mehr enttäuscht sein von der aktuelle Löschaktion. Sony kündigte in einer offiziellen Mitteilung an, dass 551 bereits gekaufte Filme und Serienstaffeln von StudioCanal ab dem 1. September 2026 aus den Videobibliotheken betroffener Nutzer des britischen PlayStation Store nicht mehr abrufbar sein werden. Wörtlich heißt es, die betroffenen Titel würden „aus der Videobibliothek entfernt“. Dabei erwähnt der Konzern auch keinen finanziellen Ausgleich.

Sony begründet die Entfernung der Inhalte mit seinen Content-Lizenzvereinbarungen. Nach allem, was bekannt ist, dürften auslaufende oder geänderte Lizenzverträge der Auslöser für die Löschaktion sein. Nähere Angaben dazu macht das Unternehmen allerdings nicht.

Auf der veröffentlichten Liste stehen 551 Filme und Serienstaffeln. Darunter bekannte Titel wie Terminator 2, Rambo: First Blood, Paddington, Bridget Jones, The Deer Hunter, Pan’s Labyrinth, Evil Dead, Total Recall oder Train to Busan. Selbst komplette Serienstaffeln von Produktionen wie ZeroZeroZero, American Gods, Versailles, The Young Pope oder Gomorra verschwinden aus den Konten der Käufer.

Deutschland war bereits 2022 betroffen

Für deutsche und österreichische PlayStation-Nutzer entfernte Sony bereits 2022 aufgrund vergleichbarer Lizenzänderungen zahlreiche StudioCanal-Titel aus ihren Bibliotheken. Damals waren laut PlayStation mehr als 300 Filme in Deutschland und über 100 Titel in Österreich betroffen. Vergleichbar gab es hier ebenso keine öffentliche Ankündigung von Rückerstattungen.

PlayStation-Bibliothek mit mehreren als nicht verfügbar markierten Filmen als Symbol für die Entfernung gekaufter Inhalte aufgrund geänderter Lizenzvereinbarungen.
Was heute noch in der digitalen Bibliothek erscheint, kann morgen bereits verschwunden sein

Ende 2023 wollte Sony ebenso in den USA über 1.300 Filme und Serienstaffeln von Discovery aus den Bibliotheken seiner Kunden entfernen. Nach massiver Kritik und einer neuen Lizenzvereinbarung nahm das Unternehmen diese Entscheidung allerdings wieder zurück.

Die aktuelle Löschwelle betrifft dagegen in erster Linie Großbritannien. Sony informierte betroffene User per E-Mail darüber, dass die Lizenzen für bestimmte Studio-Canal-Käufe auslaufen. Wie das Online-Magazin play3.de informierte, liegt es an regional abweichenden Lizenzverträgen mit den jeweiligen Rechteinhabern, dass verschiedene Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten betroffen sind, wobei die aktuelle britische Liste sogar wesentlich umfangreicher ausfällt.

Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt, denn über den PlayStation Store können bereits seit 31. August 2021 keine Filme oder Serien mehr gekauft oder ausgeliehen werden. Sony begründete den Rückzug damals mit dem veränderten Medienkonsum und der zunehmenden Bedeutung von Streaming-Diensten. Die aktuell angekündigte Entfernung betrifft daher ausschließlich ältere Einkäufe, die Nutzer schon vor der Einstellung des Angebots erworben haben.

Eine gewisse Ironie lässt sich dabei jedoch kaum übersehen. Mit eingestelltem Verkauf und Verleih von Filmen über den PlayStation Store, versicherte Sony, bereits gekaufte Inhalte blieben weiterhin abrufbar. Fünf Jahre später verschwinden hingegen offiziell aufgrund geänderter Lizenzvereinbarungen hunderte dieser Filme aus den Bibliotheken ihrer Käufer. Damit stand diese Zusicherung bereits unter dem Vorbehalt späterer Lizenzänderungen.

Digital gekauft heißt nicht dauerhaft besessen

Wer einen Film, ein E-Book oder ein Videospiel digital kauft, erwirbt in der Regel kein Eigentum an einer Kopie wie bei einem physischen Datenträger. Vielmehr erwirbt man lediglich ein vertragliches Nutzungsrecht. Der Zugriff hängt vom jeweiligen Anbieter und dessen Lizenzvereinbarungen ab.

Plattformen wie Amazon vermitteln jedoch eher den Eindruck vom Kauf eines E-Books, Films oder einer Serie. Tatsächlich erwerben Kunden in den meisten Fällen aber lediglich ein Nutzungsrecht, das an bestehende Lizenzvereinbarungen zwischen Plattform und Rechteinhaber gekoppelt ist.

Amazon-Kindle-Oberfläche mit der Schaltfläche „Möchtest du für 2,49 € kaufen?“ als Beispiel für die Vermarktung digitaler Inhalte.
„Für 2,49 € kaufen“: Die Wortwahl von Plattformen trägt zur Erwartung eines dauerhaften Besitzes bei.

Mit einem Auslaufen der Verträge oder neuen Verhandlungen darüber, kann der Zugriff auf bereits bezahlte Inhalte verloren gehen. Rein rechtlich gesehen ist diese Vorgehensweise gewöhnlich in den jeweiligen Nutzungsbedingungen verankert. Für Verbraucher steht sie jedoch im Widerspruch zu dem, was sie unter einem Kauf verstehen. Während DVDs oder Blu-rays dauerhaft im eigenen Regal verbleiben, existiert eine digitale Filmsammlung letztlich nur solange, wie der Plattformbetreiber seinen Kunden den Zugriff darauf ermöglicht.

Juristisch mag dieses Modell zulässig sein. Aus Verbrauchersicht sorgt diese Praxis zumindest für Unmut. Wer einen Film vollständig bezahlt hat, rechnet im Nachhinein kaum damit, dass dieser Jahre später aus der eigenen Bibliothek verschwindet.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.