80 % der Nutzer würden ihren Kindle E-Book-Reader jailbreaken. Amazons Umgang mit den älteren Geräten sorgt aktuell für massiven Widerstand.
Amazon verärgert Besitzer älterer Kindle-Geräte
Amazon hat mit seiner Entscheidung, bestimmte ältere Kindle-Modelle zunehmend von Diensten und Funktionen auszuschließen, einen Nerv getroffen. Viele Nutzer empfinden den Schritt als künstliche Alterung von Hardware, die technisch weiterhin einwandfrei funktioniert. Während man sein Smartphone alle paar Jahre ersetzen muss, nutzen viele Leser ihre E-Reader oft über ein Jahrzehnt hinweg. Gerade diese Langlebigkeit galt bislang als einer der größten Vorteile der Kindle-Reihe. Weil Amazon dieses Versprechen selbst untergräbt, würden die meisten Leser ihre Kindle jailbreaken, um die Hardware zu öffnen. Und damit sie künftig auf keine E-Books verzichten müssen, die man ihnen sperrt.
Umfrage: Vier von fünf Nutzern denken über einen Jailbreak nach
Eine aktuelle Umfrage des US-Magazins Android Authority zeigt, wie groß der Frust unter den Besitzern älterer Kindle-Geräte inzwischen ist. Fast 5.000 Leser nahmen daran teil. Das Ergebnis der Erhebung fällt recht eindeutig aus:
- 60 Prozent denken bereits konkret über einen Jailbreak ihres Kindle nach.
- Weitere 22 Prozent zeigen Interesse, möchten sich aber zunächst genauer informieren.
- Lediglich 6 Prozent lehnen diesen Schritt ab.
- Rund 12 Prozent besitzen gar kein solches Gerät.
Damit würden insgesamt etwa 82 Prozent der Befragten zumindest grundsätzlich in Erwägung ziehen, die von Amazon gesetzten Beschränkungen zu umgehen.
Nutzer wollen die Kontrolle über ihre gekaufte Hardware zurück
Der Hintergrund ist einfach: Viele Besitzer älterer Kindle-Modelle sehen nicht ein, warum funktionierende Geräte durch Unternehmensentscheidungen faktisch entwertet werden sollen.
In einschlägigen Reddit-Diskussionen und anderswo tauschen sich Nutzer bereits über Jailbreaks und alternative Firmware-Lösungen aus. Ziel ist es, die Geräte unabhängig von Amazons Infrastruktur weiter zu betreiben. Ein Umfrageteilnehmer brachte die Stimmung auf den Punkt:
„Wenn Amazon sie ohnehin unbrauchbar macht, habe ich durch einen Jailbreak nichts zu verlieren. Scheitert es, ist das Gerät unbrauchbar. Versuche ich es nicht, ebenfalls.“
Diese Haltung erinnert an ähnliche Konflikte bei Smartphones, Routern oder Smart-TVs, bei denen Hersteller nachträglich Funktionen einschränken oder den Support einstellen.
Geplanter Technikschrott durch die Hintertür?
Kritiker werfen Amazon vor, ältere Geräte bewusst ins Abseits zu drängen, obwohl keine technischen Gründe dafür vorliegen. Viele Kindle-Modelle funktionieren auch nach zehn Jahren noch problemlos. Statt Hardwaredefekten sind es häufig ausschließlich Software- und Plattformentscheidungen, die ihre Nutzbarkeit einschränken.
Der Fall wirft erneut die Frage auf, wem ein gekauftes Gerät eigentlich gehört: dem Kunden oder dem Hersteller? Befürworter des sogenannten „Right to Repair“ sehen sich durch die Umfrage bestätigt. Nutzer möchten selbst entscheiden, in welcher Form und wie lange sie ihre Hardware verwenden und welche Software darauf läuft.
Nicht alle Kindle kann man jailbreaken!
Die Firmware der Produktserie Kindle Colorsoft aus den Jahren 2024 und 2025 kann man derzeit nicht knacken. Den ursprünglichen Kindle Scribe (seit 2022) konnte nur über den älteren „LanguageBreak“-Exploit und nur bis zu bestimmten Firmware-Versionen vom DRM befreien. Neuere Firmware-Versionen und die neueren Scribe-Generationen sind momentan nicht anfällig dafür. Für die meisten anderen Kindle-Modelle existieren derzeit funktionierende Methoden. Je nach Firmwareversion funktioniert hier entweder der WinterBreak oder AdBreak auf dem Kindle 5 bis Kindle 11, Kindle Paperwhite (mehrere Generationen), Kindle Oasis Kindle Voyage Kindle Basic (2022/2024) und ältere Kindle Touch mit Keyboard.
Manche Kunden sehen kein Problem
Einige Stimmen argumentieren hingegen, dass aktuelle Kindle-Modelle deutliche technische Fortschritte bieten und zudem vergleichsweise günstig erhältlich seien. Ein Hardware-Upgrade sei daher nachvollziehbar.
Andere Nutzer verweisen jedoch darauf, dass neue Geräte nicht überall gleichermaßen erschwinglich sind. Gerade in Ländern mit geringerer Kaufkraft bleiben ältere Kindle oft die einzige praktikable Option. Bei einigen Kindles wartet zudem jede Menge Werbung auf die Leserinnen und Leser, die die Geräte nutzen wollen.
Amazons Strategie könnte nach hinten losgehen
Die Umfrage macht deutlich: Statt die Kunden zum Kauf neuer Geräte zu bewegen, treibt Amazon viele Nutzer in Richtung Jailbreak und alternative Softwarelösungen. Für einen Konzern, der sein Ökosystem möglichst geschlossen halten möchte, ist das ein bemerkenswertes Signal.
Die Botschaft der Kindle-Besitzer ist eindeutig: Wer funktionierende Hardware künstlich ausmustert, muss damit rechnen, dass Nutzer die Kontrolle über ihre Geräte zurückholen – notfalls gegen den Willen des Herstellers.



















