wi.to: Freehoster streicht wegen rechtlicher Probleme die Segel

Der Freehoster wi.to existiert nicht mehr. Der Betreiber ließ durchblicken, er hat das Projekt aufgrund juristischer Probleme geschlossen.

wi.to: Freehoster streicht wegen rechtlicher Probleme die Segel
Foto Lisa Bresler, thx!

Der Freehoster wi.to existiert nicht mehr. Der Betreiber ließ auf seiner Webseite durchblicken, er habe das Projekt aufgrund zu erwartender enormer juristischer Probleme schließen müssen. Offenkundig hatten die Ermittlungen der RIAA schon Fahrt aufgenommen. Man wurde Opfer des eigenen Erfolges. Das Projekt generierte mehrere Millionen Seitenzugriffe jeden Monat. Die meisten Besucher kamen aus den USA, Kanada und Großbritannien.

Aus die Maus für wi.to

wi.to tunny vlado

Der Freehoster wi.to existiert nicht mehr. Der Betreiber ließ vor der Schließung durchblicken, er habe das Projekt aufgrund zu erwartender enormer juristischer Probleme dicht gemacht. Offenkundig hatten die Ermittlungen der RIAA schon deutlich an Fahrt aufgenommen. Das gerichtliche Auskunftsersuchen beim CDN-Dienstleister Cloudflare stellte wohl noch nicht das Ende ihrer Recherchen dar. So beliebt der Freehoster war, so unbeliebt hat sich der Macher mit seinem Dienst bei einigen US-Plattenfirmen gemacht.

Vor wenigen Jahren startete ein Unbekannter den Freehoster wi.to. Kurze Domainnamen sind in der digitalen Grauzone ja seit jeher sehr beliebt. Während man sich anfangs auf den Vertrieb von Musikdateien spezialisierte, kam vor etwa zwei Monaten ein eigener Player für Filme dazu. wi.to konnte somit auch als Streaming-Hoster eingesetzt werden. Nicht nur, dass man dort plötzlich alles mögliche an Dateien hochladen durfte. Auch das Limit hatte der Betreiber auf maximal 500 MB pro Upload hochgesetzt. Damit hätte wi.to langfristig die Führung bei den Freehostern übernehmen können. Bei Musikfans war dieser Dienst in den USA bzw. Kanada schon weit vorne.


Vom reinen Musik-Hoster zur Allzweckwaffe

Zwar reagierte der Anbieter nach eigenem Bekunden zeitnah auf DMCA-Löschaufforderungen. Dennoch waren vor über einem Jahr Mitarbeiter der RIAA auf den Dienst aufmerksam geworden. Im Oktober 2019 wendete sich die Lobby-Organisation der Plattenlabels an Cloudflare, um von ihnen die Identität ihres Kunden wi.to in Erfahrung zu bringen. Die Daten dürften von vorne bis hinten falsch gewesen sein.

Der Betreiber hat dennoch vor etwa 14 Tagen für immer den Stecker gezogen. Im Gegensatz zum ursprünglichen Konzept haben darüber offenkundig nur wenige DJs ihre eigenen Remixes verteilt. Im Gegensatz dazu war wohl der Anteil der Personen sehr hoch, die darüber massenweise urheberrechtlich geschützte Werke in Umlauf gebracht haben. Bei der anhaltenden Popularität konnte der Verband der US-Labels nicht dauerhaft untätig bleiben.

wi.to player

Es war einmal: der Video-Player von wi.to

Zwar beinhaltete der Freehoster den Nachteil für die Uploader, dass sie für ihr Tun grundsätzlich nicht bezahlt wurden. Doch dafür war der Download sehr schnell, die Seite war übersichtlich und leicht zu bedienen. Außerdem stand der Anbieter im Ruf, konstant online gewesen zu sein. Doch manchmal macht es einfach Sinn zu gehen, wenn es gerade am schönsten ist, wie ein gutes altes Sprichwort besagt. Für Sergey, wie sich der Macher in der Öffentlichkeit nennt, ist dieser Tag vor etwa zwei Wochen gekommen.

Wir werden wi.to, der vergleichsweise wenig Werbung angezeigt hat, auf jeden Fall schmerzlich vermissen. Werbeverseuchte Filehoster gibt es nämlich wie Sand am Meer, die braucht kein Mensch!

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.