Venntel und DHS – mit Wetter-Apps gegen Einwanderung

Die US-Regierung darf ohne Genehmigung keine Personen orten. Um die Grenze zu sichern, nahm man die Hilfe von Venntel in Anspruch.

Venntel

Im Namen der nationalen Sicherheit kauft das Department of Homeland Security (Ministerum für Heimatschutz) nach Angaben des Wall Street Journals Telefonstandortdaten. Damit werden Personen an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko verfolgt. Die Informationen liefern dabei Datenmakler wie Venntel.

Venntel macht’s möglich

Wenn Einwanderer auf dem Smartphone daddeln oder sich über die Wetterlage informieren, kann das ihre Chancen auf einen erfolgreichen Grenzübetritt deutlich schmälern. Das DHS bestätigte auf Anfrage des Wall Street Journals, dass es regelmäßig die Daten von Marketingfirmen erwirbt. Diese stellen ganze Profile aus harmlos anmutenden Apps zusammen. Die Daten stammen vornehmlich von Venntel, einem von zahlreichen Unternehmen, die einen erschreckend ausführlichen Bericht über Standorte erstellen können.

Datenklau trotz Gerichtsurteil

Laut eines neuen Berichts des Wall Street Journals haben ICE (Immigration and Customs Enforcement) und andere Abteilungen innerhalb des Heimatschutzministeriums die Standortdaten von Millionen von Smartphones erworben. Damit wollen sie undokumentierte Einwanderer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko aufspüren und verhaften. Mit dieser Methode umgeht die Trump-Regierung ein entsprechendes Urteil des Supreme Courts. 2018 stellte der Oberste Gerichtshof nämlich fest, dass die Standortdaten von Mobiltelefonen geschützt sind und Strafverfolgungsbehörden Berechtigungen benötigen, um sie zu sammeln. Ein schwere Schlappe, die es für das Heimatschutzminsterium quasi unmöglich machte, Standortdaten für den Grenzschutz zu verwenden. Das ist jetzt mithilfe von Venntel anders.

Praxis von Venntel umstritten, aber wohl legal

Not macht aber erfinderisch: Statt für jeden Fall vor Gericht zu gehen, holt sich die Behörde anderweitig ihre Informationen. Da Standortdaten über zahlreiche kommerzielle Anzeigenbörsen verfügbar sind, ist die Maßnahme wohl rechtens. Die Regierug darf die Daten beziehen, weil sie keine persönlich identifizierbaren Informationen wie den Namen eines Benutzers enthalten, sondern eine anonymisierte alphanumerische ID. Für den Grenzschutz reicht das aus. Laut WSJ feierte das Department of Homeland Security bereits achtbare Erfolge. Die American Civil Liberties Union (ACLU) plant laut TechCrunch die Bekämpfung der jüngsten Praktiken des Heimatschutzministeriums. Ohne Zustimmung eines Gerichts, Personen mittels Standortdaten zu orten, sei “eine Untergrabung des Supreme Court-Urteils”.

Foto Markus Spiske, thx!

Tarnkappe.info

Über den Autor

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.