Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Juli/2017)

Monatsrückblick

Sarkasmus ist, wenn man trotzdem lacht! Foto: William H. Calvin, thx! (CC BY-SA 4.0)

Es ist Juli und vielerorts sind Sommerferien. Zeit, so mag man glauben, für klassische Sommerloch-Themen – Monster in schottischen Gewässern, Krokodile im Baggersee und die Veränderungen des Benzinpreises sind nur einige der mehr oder weniger relevanten Vorkommnisse, die man aktuell in den Medien erwartet. Da können wir direkt froh sein, dass wieder einige Zeitreisende aus dem 20. oder noch früheren Jahrhunderten in die Bresche springen und mit ihrem brachialen Mangel an Verständnis für moderne Technik und deren Auswirkungen die Nachrichtenlage ein wenig auflockern.

Das gleiche gilt für den Wahlkampf. Wenn sich so viele Menschen so gekonnt zum Affen machen (siehe Bild oben), wird es wenigstens auch bei 30 Grad nicht langweilig. Wer noch nicht überzeugt ist, kann in unserem Monatsrückblick einige schöne Beispiele nachlesen.


Der Voll-Stuss, wo jeder mit muss

Heiko Maas kann es nicht fassen?

Wer ist verantwortlich, wenn jemand faschistischen Blödsinn oder verbotene Äußerungen ans schwarze Brett pinnt? Richtig, derjenige, der die Pinnwand aufgehängt hat. Ist doch logisch. Nach diesem bestechenden Prinzip funktioniert auch das jüngst verabschiedete Netzwerkdurchsetzungsgesetz – schreiben Leute gefährlichen, gemeinen oder gemeingefährlichen Unsinn ins Netz, muss der Betreiber der betreffenden Plattform diesen binnen bestimmter Fristen entfernen. Anderenfalls drohen empfindliche Strafen (empfindlich in dem Sinne, dass es selbst Mark Zuckerberg nicht mal eben aus der Kaffeekasse zahlt).

Nun ist es natürlich eine lobenswerte Absicht, Hetze und Hass im Netz eindämmen zu wollen (und wenn es eine Möglichkeit gäbe, die Verbreitung schlecht fotografierter Kaffeebecher zu kriminalisieren, wäre ich auch nicht abgeneigt). Die Wahl der Mittel allerdings ist (wieder einmal) das Gegenteil von gekonnt. Statt mit Kanonen wird auch in diesem Fall wieder mit einer Zensur-Infrastruktur auf Spatzen(hirne) geschossen. Denn was tut ein profitorientiertes Unternehmen, das mit einem solchen Netzwerkausdruckungsgesetz konfrontiert wird? Richtig, der Verantwortliche denkt sich „Hmm, diese Katze da auf dem Bild könnte dann doch ein schwarzes Hitlerbärtchen haben. Ich lösche das mal lieber, bevor sich jemand beschwert und mein Taschengeld für den nächsten Segeltörn auf den Bahamas draufgeht.“ Was das für die Meinungsfreiheit bedeutet, kann sich jeder, der mehr Gehirnzellen hat als ein durschnittlicher Facebook-Hassprediger (oder ein Mitglied des Bundestages) selbst ausdenken.

Über den Mauern, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Jailhouse Rock? Bildquelle, thx! (CC0 1.0)

Manche Geschichten, die das Leben schreibt, dürften sich Romanautorinnen und -autoren nicht ausdenken, weil ihnen dann mangelnder Realismus vorgeworfen würde. Um so schöner ist es, diese Geschichten dann in den Nachrichten verfolgen zu dürfen. In diese Kategorie fällt beispielsweise ein spektakulärer Gefängnisausbruch mit Hilfe einer Drohne, wie ihn sich Hermann Joha nicht besser hätte ausdenken können.

Das einzige Problem: Wenn nach derselben „Logik“ vorgegangen wird, wie bei Verschlüsselung und IT-Sicherheitstools, werden Drohnen demnächst als Terroristen-Werkzeug kriminalisiert. Zuerst kommen Schockbilder von extremistischen Cybers auf die Verpackung und später muss sich jeder, der so ein Ding kaufen will, mit Namen, Adresse, Personal-Ausweisnummer und Lieblings-Haribosorte bei den Behörden registrieren.

Das gilt natürlich nur für die zivile Variante, mit der man Fotos machen, Rennen fliegen und Kunststücke vorführen kann. Die Sorte Drohne, mit der man auf Knopfdruck ganze Hochzeitsgesellschaften auslöschen kann, ist selbstverständlich legal und lobenswert. Und weil ihr euch das jetzt gerade gefragt habt, lasst ihr euch am besten auch gleich prophylaktisch in die Terroristen-Datei eintragen. Zweifel am Kampf gegen den Terror und der nationalen Sicherheit sind ein sicheres Zeichen für eine extremistische Gesinnung.

The Truth is Out There

Holt mich raus, ich bin ein Trojaner! Quelle.

Nach so vielen spektakulären Fehlschlägen konnten unsere Mächtigen allerdings auch einen Erfolg melden: der neue Staatstrojaner ist fertig und soll noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen. Allerdings stellt sich aufmerksamen Leserinnen und Lesern durchaus die Frage, wie es zu diesem scheinbaren Triumph der Behörden gekommen ist, erweckten diese doch bisher glaubhaft den Anschein, schon mit einem „Hello World“ in Turbo Pascal überfordert zu sein.

Die eine Möglichkeit ist natürlich, dass das selbe passiert ist, was Regierungsbehörden meistens tun: irgendein halbfertiger, löchriger, vorschriftswidriger Schrott wurde kurzerhand als fertig definiert in der Hoffnung, die unweigerlich, aber zu unbestimmtem späterem Zeitpunkt zu erwartende Blamage dem Amtsnachfolger in die Schuhe schieben zu können. Für diese Theorie spricht zweifellos so einiges. Ob sie stimmt, wird uns wohl in nicht allzu ferner Zukunft der Chaos Computer Club mitteilen.

Ansonsten bleibt eigentlich nur noch die Spekulation, dass die Damen und Herren Regierungs-Codemonkeys heimlich Hilfe von außen hatten. Bloß von wem? Irgendeiner zwielichtigen Cybercrime-Firma, die ihre gegen jede Hackerethik verstoßenden Machenschaften damit legitimiert, dass sie sie zugunsten zahlender Regierungen betreibt? Als Doppelagenten rekrutierten extremistischen Cybers? Den Amis? Den Israelis? Oder hat Erich von Däniken womöglich doch recht und es waren wie immer die Aliens? Eine allzu große Anpassung an außerirdische Gewohnheiten würde zumindest den Kommunikationsstil von Heiko Maas erklären…

404: Sommerloch not found

Sommerloch not found? Quelle, thx!

Mit dieser Parade von Fehlschlägen, Blamagen und Beweisen für das Sprichwort, dass der Weg zur Hölle ebenso wie der zum hämischen Meme mit guten Absichten gepflastert ist, verabschieden wir euch in den nächsten Monat. Wir versprechen euch: es bleibt spannend und auch unsere nächste Glosse wird wieder ganz ohne Kaimane und Welse auskommen. Macht es gut und bleibt uns treu bis zum nächsten Monatsrückblick!

Eure

Annika Kremer.

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