Torrnado.ru: Russlands Internet-Minister betreibt Torrent-Webseite

russian pirate torrnado.ru
Putin kündigte German Klimenko kurz vor Weihnachten als den neuen Leiter des russischen Instituts zur Entwicklung des Internets an. Der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation wurde nun als Betreiber der Torrent-Portals Torrnado.ru enttarnt. Die Domain gehört laut Whois-Eintrag einer seiner zahlreichen Internet-Firmen.

German Klimenko ist seit einigen Tagen Berater Putins in allen Online-Belangen. Erst kürzlich teilte er der Presse mit, die Rechteinhaber sollen endlich aufhören, die Nutzer zu „terrorisieren„. Der Konsum von Schwarzkopien habe auch positive Auswirkungen auf die Umsatzzahlen. Er glaubt, es sei die Sache nicht wert, allzu sehr auf den eigenen Rechten zu beharren. Mit weiteren Maßnahmen sollen die Unternehmen lieber warten, bis sich ihre wirtschaftliche Situation verbessert hat. Auch spricht sich Kimenko offen gegen Netz-Sperren zum Schutz der Rechteinhaber aus.


Der Unternehmer besitzt unter anderem List.ru, die Blogging-Plattform LiveInternet.ru und das Online-Analysetool Mediametrics.ru. Er war deswegen als Kenner dieses Wirtschaftszweiges die erste Wahl für Vladimir Putin. Die Domain des lokalen Torrent-Anbieters gehört der Firma ECO PC Solutions. Dies ist eine Tochterfirma von MediaMetrics und soll für deren Kunden einen brandneuen Fernsehkanal betreiben.

Klimenko brachte die Aufdeckung nicht mal in Rage. Bei Facebook schrieb er:“Die Liste meiner Sünden ist eindrucksvoll. (…) Das mit den Torrents ist eine tolle Geschichte. Doch sie selbst sind völlig legal“, betonte er. Klimenko glaubt auch, das Verbot der Verschlüsselungs-App Telegram, die Einführung chinesischer Zustände im russischen Internet und die Abschaffung des Urheberrechts könne problemlos gleichzeitig geschehen.

Da er in seiner offiziellen Funktion seit dem 4. Januar grundsätzlich keiner Firma mehr vorstehen darf, übergibt er alle Geschäfte seinem Sohn Yuri Klimenko. Der Betrieb von Torrnado.ru wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine Auswirkungen auf sein Amt haben. Auch können sich alle Betreiber illegaler Angebote im Web sicher sein, bei einem derartigen Berater in Russland einen sicheren Hafen vorzufinden.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

8 Kommentare

  1. achduliebeheimat sagt:

    Dieser Mann ist kriminell! Was seine russische Fan-Gemeinde auf beispielsweise liveinternet.ru hoch- und runterlädt hat das Potential ganze Wirtschaftszweige zu schädigen. Ich denke da an die Vielzahl von Zeitschriften und Magazinen, die dort verbreitet werden. Eine Russe kauft, lädt hoch ….und zigtausend andere Russen konsumieren kostenlos. Der Wahnsinn! Ich frage ich auch, warum die Verleger keinen Druck ausüben sondern diese Tatsache scheinbar so hinnehmen. Aber nicht nur die Verwerter (sprich Verlage) werden dadurch geschädigt, sondern indirekt der banale Urheber.

  2. Hokus Porkus sagt:

    Politisch gesehen macht das doch Sinn, so kann Russland sich für die Sanktionen der Westlichen Regierungen revanchieren indem er zulässt das die Urheberrechte der westlichen Konzerne nicht mehr geschützt werden, diesen also Umsatzeinbußen entstehen. Machtpolitik eben.

    • Manuel Bonik sagt:

      Es hat auch schlichtweg mit Knete zu tun. Russische Bibliotheken konnten/wollten nicht mehr zahlen, und ich weiß von mindestens einem großen wissenschaftlichen Buchverlag, der ihnen dann erstmal den „Saft“, vulgo: die Flatrate abgedreht hat. Mit der Folge, dass die Russen festgestellt haben, dass Geiz geil ist und sie ja auch umsonst an den Stoff kommen. Der selbe Verlag kriegt jetzt auch in manch anderen Ländern nichts mehr verkauft. Im Iran etwa gibt es jetzt bizarrerweise Zwischenhändler, die eigene Flatrates anbieten, deutlich günstiger als die Verlage selbst, aber ihr Material freilich auch nur von LibGen und Sci-Hub abholen. Es ginge noch billiger …

      • Jóchen sagt:

        Darfst du sagen, um welchen Verlag es sich dabei handelt?

        • Manuel Bonik sagt:

          Dann hätte ich es getan.

          • Jóchen sagt:

            Fragen kostet nix! Trotzdem Danke :)

  3. Die Kritiker der Elche waren früher selber welche sagt:

    Lach, ist in etwa so als ob die Piratenpartei Frau Merkel in Urheberrechtsfragen berät.
    Auf der anderen Seite ist es erfrischend das da eine andere Sicht in höchste Ebenen vorgedrungen ist.
    Bemerkenswert ist der Spagat zwischen Bürgerbespitzelung und free for all.
    Die lustige Dame aus Zentralasien, welche vor kurzen Manuel Bonik Rede und Antwort stand, muss sich wohl keine Sorgen machen. Unter Umständen ist das Ganze sogar ein kleiner Nebenkriegsschauplatz im ganzen Westen vs. Russland Schlamassel.
    Aber was soll`s, bei uns wird ein ausgemachter Lobbyist für mehr Schnüffelei bald das Bundesamt für Informationssicherheit leiten. Wir haben bei uns genug eigenen Dreck vor der Tür den es erst mal zu beseitigen gilt.

    PS:
    Ich bin grundsätzlich pro Urheberrecht eingestellt. Einige Anpassungen pro Verbraucher wären aber wünschenswert. Eventuell steigt dann wieder die Akzeptanz von demselben.

  4. wer bin ich? sagt:

    Nettes Kerlchen, passt ja wie Arsch auf Eimer!

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