Tillie Kottmann aka deletescape: US-Justiz erhebt Anklage

Letzte Nacht erhob die US-Justiz nun offiziell Anklage gegen Tillie Kottmann. Die Anschuldigungen hat die Staatsanwaltschaft noch ausgedehnt.

In der Nacht auf Freitag erhob die US-Justiz nun offiziell Anklage. Die Anschuldigungen hat man seit der Durchsuchung vor einer Woche ausgeweitet. Tillie Kottmann soll Behörden und mehrere Unternehmen gezielt angegriffen haben. Die dabei erbeuteten Daten habe er anschließend veröffentlicht.


Tillie Kottmann angeklagt

Tillie Kottmann, Anklage

Um vornehmlich auf eine Sicherheitslücken aufmerksam zu machen, drang das Hacker-Kollektiv „Advanced Persistent Threat 69420“ im März in die Infrastruktur der Firma Verkada ein. Dabei erhielt man Zugriff auf die Videostreams von über 150.000 Überwachungskameras, die in Firmen und Behörden aufgestellt sind.

Die Grand Jury wirft Kottmann nun die Veröffentlichung von sensiblen Informationen und Quellcodes mehrerer Firmen vor. Dies sei nach Ansicht der Staatsanwältin Tessa M. Gorman nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Gehackte Daten von 100 Firmen veröffentlicht

Vor einer Woche durchsuchte die Schweizer Polizei die privaten Räumlichkeiten von Tillie Kottmann und die seiner Eltern. In der Anklage erwähnt man auch das Pseudonym des transsexuellen Informatikers aus Luzern. So klagen the United States of America gegen Till Kottmann aka deletescape aka tillie crimew aka Tillie Kottmann.

Insgesamt sei es in den vergangenen Monaten nach Ansicht der Staatsanwältin zur illegalen Veröffentlichung von Daten von über 100 Unternehmen gekommen. Dies gehe weit über den Level von „lustigen Streichen“ hinaus, befand sie. Man habe versucht die Opfer zum eigenen Vorteil zu betrügen, behauptet die Anklageschrift, die man hier ungekürzt einsehen kann.

Neugierde als Ausrede?

Tillie Kottmann aka deletescape rechtfertigte das Knacken von Systemen nebst der gezielten Publikation der erbeuteten Daten als eine Art Whistleblowing. Dies sei keine kriminelle Aktivität. Laut seiner eigenen Aussage sei er schlichtweg „sehr neugierig“. Den Kollegen von The Register sagte er im Vorjahr in Verbindung mit einem anderen Hack: Er „liebe es auch, die (oft schrecklichen) Dinge, die man in proprietärem Code finden kann, aufzudecken und zu betrachten.“

fuck the police

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Es könnte zur Auslieferung von Tillie Kottmann kommen

distributed denial of secrets

Tillie Kottmann kann jetzt nur hoffen, dass ihm nicht noch weitere Vorwürfe im Verlauf des Verfahrens präsentiert werden. Beispielsweise solche, die mit den Gruppierungen Confidential & Proprietary und DDoSecrets zusammenhängen, mit denen er nachweislich eng zusammengearbeitet hat. Beispielsweise steht noch die strafrechtliche Verfolgung für die Veröffentlichung der 269 GB an internen Daten des BlueLeaks-Hacks aus. Anonyme Hacker hatten diese von unzähligen Polizeibehörden erbeutet. Distributed Denial of Secrets hat die Informationen dann im Juni 2020 in Umlauf gebracht.

Die USA verfügen über ein Auslieferungsabkommen mit der Schweiz. Das erhöht die Chancen, dass Kottman demnächst den Gerichtssaal vom Bezirksgericht Seattle von innen sehen wird. Laut Pressemitteilung des US-Justizministeriums sollen dem Angeklagten für einzelne Punkte im Höchstfall bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug drohen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.