Telekom: Einschränkung von Prepaid-Karten

Article by · 5. Januar 2017 ·

Eine europaweite Anti-Terror-Initiative will die Deutsche Telekom jetzt starten, um den verstärkten Missbrauch von vorausbezahlten Mobilfunkkarten zu reduzieren. Thomas Kremer, der für Datenschutz, Recht und Compliance zuständige Vorstand der Deutschen Telekom teilte der WirtschaftsWoche mit: „Wir gehen davon aus, dass Kriminelle Prepaid-Karten auf Vorrat kaufen und sie dann häufig nur für einen einzigen Anruf benutzen“.

Hintergrund dieser Initiative ist die missbräuchliche Nutzung von Prepaid-Karten durch Terroristen, die so unerkannt kommunizieren können. Terroristen können die Ermittler mit laufend wechselnden Rufnummern irreführen, indem sie die Prepaid-Karte für nur einen Anruf verwenden. Prepaid-Karten, die man besonders in den europäischen Ländern, wie Österreich, den Niederlanden und Rumänien auch ohne Vorlage des Personalausweises bestellen kann, werden deshalb bevorzugt gleich gehordet. Zum gezielten Einsatz kommen sie dann für die gemeinsamen Absprachen der organisatorischen Planung von Anschlägen. Deutschland hat die Identitätsprüfung sowie eine zusätzliche Verifizierung vor der Freischaltung erst im Rahmen der Anti-Terror-Gesetze im vergangenen Sommer beschlossen. Das Gesetz tritt aber erst am 1. Juli 2017 in Kraft.

Laut der Wirtschaftswoche hatten Mitglieder der Terrororganisation IS in Ungarn insgesamt 200.000 SIMs gehortet, alle registriert auf den Namen eines inzwischen verstorbenen Obdachlosen. Die meisten der Karten stammten wohl von der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom, der Rest verteilte sich auf die beiden ungarischen Konkurrenten Vodafone und Telenor. Einzelne Karten fanden die Ermittlungsbehörden offenbar nach den Anschlägen in Paris und Brüssel in den Taschen der auf der Flucht erschossenen Terroristen.

Die ungewöhnliche Häufung auf nur einen einzigen Namen, den des Obdachlosen, war zunächst niemanden aufgefallen. Interne Untersuchungen bei der Telekom zeigten aber, dass die ungarische Tochter der Telekom alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten hat. „Aber das reicht offensichtlich nicht aus, um Missbrauch zu verhindern“, meint Kremer.

Aus diesem aktuellen Anlass heraus wird der Telekom-Vorstand die nächsten Wochen für Gespräche nutzen mit Wettbewerbern, EU-Vertretern und Aufsichtsbehörden, um möglichst einheitliche gesetzliche Regelungen in ganz Europa durchzusetzen: „Eine Registrierung mit Identifizierung sowie eine Limitierung der Kartenmenge pro Kauf sind Möglichkeiten, die im politischen Diskussionsprozess erörtert werden sollten“, fordert Kremer.

Gleichzeitig sollen neue Identifizierungsverfahren beim Kauf von Prepaid-Karten in den Telekom-Online-Shops künftig für genügend Transparez sorgen. Allerdings sind diese Maßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Bildquelle: PublicDomainPictures, thx! (CC0 Public Domain)

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6 Comments

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    blörp

    Kein Wunder, dass kaum ein Jugendlicher heutzutage noch die richtigen Formen bilden kann, wenn nun selbst hier Sätze wie “Die ungewöhnliche Häufung auf nur einen einzigen Namen, den des Obdachlosen, war zunächst _niemanden_ aufgefallen.”

    Traurig aber wahr, von “gehordet” mal ganz abgesehen…

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    “Deutschland hat die Identitätsprüfung sowie eine zusätzliche Verifizierung vor der Freischaltung erst im Rahmen der Anti-Terror-Gesetze im vergangenen Sommer beschlossen. ”

    Und wie soll das genau aussehen? Wenn ich meine Prepaid-Karte via Internet aktiviere, darf ich per Gesetz nicht meinen Personalausweis einscannen oder per Post, E-Mail etc. übermitteln – wie stellt sich der Gesetzgeber denn die Verifizierung genau vor, mit wirksamen Nachweis wer ich bin?
    Angenommen mann muss künftig direkt den Personalausweis beim Kauf vorlegen, dann werden sich die Kassierer am Supermarkt bestimtm freuen, wenn 10 Leute in der Schlange stehen und sich jemand ‘ne Prepaid-Karte von LIDL & Co. kauft :D

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      michel

      das ist ganz einfach, wenn auf user ebene die biometrische personen verifizierung eingeführt wird.
      und du kannst deinen arsch drauf verwetten, dass dies kommen wird, natürlich wg dem terror dingsbums, der zufälliger weise irgendwie echt extrem passend im wandel zur digitalen welt kam…….
      aber die masse ist ja immer dumm genug um jeglichen schwachsinn zu glauben.

      ich mein, diese massnahme zeigt doch wieder nur, wie unfassbar dämlich dieses ganze gesocks ist, dass sie meinen solch ein sinnloser quatsch würde auch nur einen furz ändern.

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        Wenn wir mal ganz unparanoid die Sache betrachten, finde ich die entschiedene Frage ist: Inkompetenz oder “Überwachungswunsch”?

        Ob ein gut betagter Bundestagsabgeordneter der CDU überhaupt weiß, was so eine “Vorratsdatenspeicherung” für’s Internetz und Mobiltelefon denn überhaupt ist und ob sie überhaupt was wirkt, darf man bestimmt bezweifeln. Der Staat hat, nach aktuellem Kenntnisstand meinerseits, keinen Zugriff auf die Daten der VDS, wenn es ausschließlich um einen Überwachungswunsch ginge. Die erhobenen Daten müssen sogar mit relativ hohen Regelungen gelagert werden. Dass man anderwärtig an vergleichbare Daten kommt hat uns die Vergangenheit gezeigt. Die VDS nutzt also dem Staat eher nichts, oder?
        Trotzdem ist das Verhältnis, wie Freiheiten zu Gunsten der “Sicherheit” aufgeweicht werden, vollkommen ungerechtfertigt. Vor allem in Anbetracht der Tatsachen, dass die meisten dieser Maßnahmen vollkommen wirkungslos sind…

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    Ben E.

    habt ihr mit einem neuen design die leiste statt rechts nach links geamcht oder was? was soll der scheiss1?


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