Telekom: Einschränkung von Prepaid-Karten, Identifizierung geplant

Die Deutsche Telekom will eine europaweite Anti-Terror-Initiative starten, um den Missbrauch von Prepaid-Karten für terroristische Anschläge zu verhindern.

Prepaid-Karten

Eine europaweite Anti-Terror-Initiative will die Deutsche Telekom jetzt starten, um den verstärkten Missbrauch von vorausbezahlten Mobilfunkkarten (Prepaid-Karten) zu reduzieren. Thomas Kremer, der für Datenschutz, Recht und Compliance zuständige Vorstand der Deutschen Telekom teilte der WirtschaftsWoche mit: „Wir gehen davon aus, dass Kriminelle Prepaid-Karten auf Vorrat kaufen und sie dann häufig nur für einen einzigen Anruf benutzen“.

Prepaid-Karten beliebt bei Terroristen

Hintergrund dieser Initiative ist die missbräuchliche Nutzung von Prepaid-Karten durch Terroristen, die so unerkannt kommunizieren können. Terroristen können die Ermittler mit laufend wechselnden Rufnummern irreführen, indem sie die Prepaid-Karte für nur einen Anruf verwenden. Prepaid-Karten, die man besonders in den europäischen Ländern, wie Österreich, den Niederlanden und Rumänien auch ohne Vorlage des Personalausweises bestellen kann, werden deshalb bevorzugt gleich gehordet. Zum gezielten Einsatz kommen sie dann für die gemeinsamen Absprachen der organisatorischen Planung von Anschlägen. Deutschland hat die Identitätsprüfung sowie eine zusätzliche Verifizierung vor der Freischaltung erst im Rahmen der Anti-Terror-Gesetze im vergangenen Sommer beschlossen. Das Gesetz tritt aber erst am 1. Juli 2017 in Kraft.


SIM-Karten auf den Namen eines toten Obdachlosen geordert.

Laut der Wirtschaftswoche hatten Mitglieder der Terrororganisation IS in Ungarn insgesamt 200.000 Prepaid-Karten gehortet. Diese hatte man alle registriert auf den Namen eines inzwischen verstorbenen Obdachlosen. Die meisten der SIM-Karten stammten wohl von der ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom, der Rest verteilte sich auf die beiden ungarischen Konkurrenten Vodafone und Telenor. Einzelne Karten fanden die Ermittlungsbehörden offenbar nach den Anschlägen in Paris und Brüssel in den Taschen der auf der Flucht erschossenen Terroristen.

Die ungewöhnliche Häufung auf nur einen einzigen Namen, den des Obdachlosen, war zunächst niemanden aufgefallen. Interne Untersuchungen bei der Telekom zeigten aber, dass die ungarische Tochter der Telekom alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten hat. „Aber das reicht offensichtlich nicht aus, um Missbrauch zu verhindern“, meint Kremer.

Telekom strebt einheitliche Regelung an

Aus diesem aktuellen Anlass heraus wird der Telekom-Vorstand die nächsten Wochen für Gespräche nutzen mit Wettbewerbern, EU-Vertretern und Aufsichtsbehörden, um möglichst einheitliche gesetzliche Regelungen in ganz Europa durchzusetzen: „Eine Registrierung mit Identifizierung sowie eine Limitierung der Kartenmenge pro Kauf sind Möglichkeiten, die im politischen Diskussionsprozess erörtert werden sollten“, fordert Kremer.

Gleichzeitig sollen neue Identifizierungsverfahren beim Kauf von Prepaid-Karten in den Telekom-Online-Shops künftig für genügend Transparez sorgen. Allerdings sind diese Maßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.