Studie: Piraterie stimuliert Absatz japanischer Comics

Article by · 21. Februar 2017 ·

Professor Tatsuo Tanaka von der Universität Keio in Tokio untersuchte in einer kürzlich veröffentlichten Studie die mangelnde Verfügbarkeit illegaler Comics im Jahr 2015. Die Studie analysierte die Verkaufszahlen 3.360 japanischer Comics in Bezug auf die Auswirkungen einer intensiven Antipiraterie-Kampagne von CODA. Sein Fazit: Online-Piraterie förderte vor allem den Absatz älterer Hefte.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich eine hohe illegale Verfügbarkeit von Werken positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Eine in Japan intensiv durchgeführte Antipiraterie-Kampagne von CODA führte bei den dortigen Filesharern vor zwei Jahren zu Engpässen im Manga- und Comicbereich. Nach Auskunft der Content Overseas Distribution Association (CODA), die zahlreiche japanische Verlage vertritt, werden im Ausland doppelt so viele Comics illegal vertrieben als verkauft. Dutzende Webseiten haben sich auf das Angebot derartiger Werke via P2P und Sharehoster spezialisiert.

Prof. Tatsuo Tanaka der Wirtschaftsfakultät der Universität Keio untersuchte die Verfügbarkeit illegaler Downloads in Bezug auf die Verkaufszahlen. 2015 waren unzählige illegale Downloads plötzlich nicht mehr im Internet verfügbar. Tanaka wollte herausfinden, wie sich dies auf den Umsatz der Verlage ausgewirkt hat. Dafür prüfte er die Verkaufszahlen von 3.360 Comic-Heften vor und nach der massiven Lösch-Aktion von CODA.

Ergebnis: Bei Neuerscheinungen war die mangelnde Verfügbarkeit illegaler Downloads hilfreich, der Umsatz stieg an. Bei älteren Werken wurde eine völlig gegenteilige Wirkung erzielt. Ältere Werke wurden plötzlich merklich weniger als zuvor verkauft. Der Forscher schloss daraus, dass der Graubereich für ältere Comics geworben hat. Illegale Downloads können auch als eine Form der Werbung interpretiert werden, schlussfolgerte Tanaka. Im Gegensatz zu den Verlagen, die in die Werbung kein Geld mehr stecken, erinnern Download-Portale die Fans auch und vor allem an frühere Hefte, die schon seit längerer Zeit verkauft werden und deren Geschichte möglicherweise bereits beendet wurde.

Die Studie sagt leider nichts darüber aus, ob der Effekt auf den Umsatz insgesamt positiv oder negativ ausfällt. Prof. Tanaka glaubt, man müsse die Antipiraterie-Bemühungen an seine Erkenntnisse anpassen. Wichtig sei lediglich der Kampf gegen illegale Downloads von Neuerscheinungen. Bei allen anderen Werken könne man sich die Mühe sparen. Die Antipiraterie-Maßnahmen sollten selektiv bezogen auf das Erscheinungsjahr ausfallen, schlägt der Wissenschaftler vor. Auch wenn kein einheitliches Ergebnis zutage gebracht wurde, so zeigt die Studie dennoch, wie komplex dieses Thema ist. Piraterie ist ohne Frage ein hochgradig kompliziertes Phänomen. Man kann nicht unter allen Umständen davon ausgehen, dass der Graubereich stets und automatisch Umsätze und somit Arbeitsplätze vernichtet.

Bei anderen Werken wie beispielsweise Musikstücken dürfte das Ergebnis wieder ganz anders ausfallen. Im Gegensatz zur Musik neigen Comic-Fans viel häufiger dazu, das Produkt unter allen Umständen haptisch zur Verfügung haben zu haben. Sie wollen ihr Objekt der Begierde daheim im Regal haben, um es anzufassen und bestaunen zu können. Vielen Musikfans reicht hingegen das reine Anhören aus, was den Erfolg zahlreicher Streaming-Dienste erklärt. Dies dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach stark auf das Ergebnis einer vergleichbaren Studie auswirken.

 

Bildquelle: willianfujii, thx! (CC0 1.0 Public Domain)

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1 Comment

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    derunbekannte


    Stimmt, CD’s von Disturbed/Rammstein eignen sich aber ebenfalls wunderbar als Deko :)


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