Stellungnahme von Andreas Eschbach zur Schließung von LuL.to

Andreas Eschbach gibt uns ein Statement zur Schließung des Piratenportals LuL.to,, dass am 21.06.2017 von Ermittlern vom Netz genommen wurde

Baazlabeth, Rezension, Andreas Eschbach
Baazlabeth, Rezension, Andreas Eschbach Foto OpenClipartVectors, thx! (CC0 Public Domain)

Andreas Eschbach erzielte mit Romanen, wie „Die Haarteppichknüpfer“, erschienen 1995, der Space Opera „Quest“ (2001) oder mit dem Thriller „Solarstation“ große Erfolge. Es gelingt ihm dabei auch genreübergreifend utopische Elemente mit denen eines Thrillers zu verbinden. Sein erster Bestseller war im Jahr 1998 der Roman „Das Jesus Video“.

Andreas Eschbach konzentriert sich das Schreiben von Romanen, nicht auf Piraten

Eschbach studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, schloss dieses Studium jedoch nicht ab. Er arbeitete als Softwareentwickler und Unternehmer. Später erlaubten es ihm seine Erfolge als Schriftsteller, sich völlig auf das Schreiben zu konzentrieren. Seit 2003 lebt er mit seiner zweiten Frau Marianne Eschbach in der Bretagne.


Das Piraten-Portal LuL.to bot über einen Zeitraum von ca. drei Jahren Bücher, darunter auch zahlreiche Neuerscheinungen und Spiegelbestseller, an. Diese lagen weit unter den Verkaufspreisen der Verlage, bzw. Autoren. Die illegale Plattform wurde durch das CyberCrimeCompetenceCenter (SN4C) des LKA Sachsen am 21. Juni 2017 für immer vom Netz genommen. Gegen die drei Betreiber laufen umfangreiche Ermittlungen. Sie befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Wir vom Team Tarnkappe.info haben den Schriftsteller Andreas Eschbach gefragt, was die Schließung des Piratenportals LuL.to für ihn persönlich bedeutet. Er antwortete uns: „Von der Schließung von lul.to höre ich zum ersten Mal; mir war die Existenz dieses Portals ehrlich gesagt gar nicht bewusst: Wie die meisten Autoren versuche ich, nicht allzu viele Gedanken an Piraterie zu verschwenden. Zu erfahren, dass ein solches Portal geschlossen wurde und die Hintermänner gesiebte Luft atmen, befriedigt mich natürlich.“

Verlagsautoren haben es leichter

Für ihn als Verlagsautor ergeben sich bezüglich der Bekämpfung von Piraterie nicht die gleichen Probleme, wie für die Selbstpublisher. Eschbach kommentiert „Nicht die Autoren bekämpfen die Piraterie, sondern die Verlage als Verwerter der Rechte. Fast jeder Verlag arbeitet heute mit auf derlei Vergehen spezialisierten Dienstleistern zusammen, die so eine Mischung aus Rechtsanwaltskanzlei und Cyber-Crime-Unit sind. Die suchen gezielt nach illegalen Kopien von Büchern, Hörbüchern usw., an denen die beauftragenden Verlage Rechte haben, sorgen für Takedowns und unternehmen auch sonst so allerlei (Details erfährt man logischerweise keine). Die werden das Problem natürlich nicht endgültig lösen – aber es tauchen ja sicher immer wieder neue „Helden“ auf, die blöd genug sind, dafür zu sorgen, dass diese Leute gut im Geschäft bleiben“, teilt uns Herr Eschbach mit. Weiterhin äußerte er: „Für Selfpublisher kann ich nicht sprechen, da ich keine einschlägigen Erfahrungen habe und nicht weiß, welche juristischen Möglichkeiten man als solcher hat.

Andreas Eschbach. Foto: privat.

Auf die Frage, ob auch die User von LuL.to mit juristischen Konsequenzen rechnen müssen meinte er: „Ich habe keine Ahnung, bin aber sehr gespannt.

Gerne wäre Herr Eschbach auch bereit, noch zusätzliche Fragen, die sich aus den Kommentaren ergeben, zu beantworten: „Ich kann nichts versprechen, aber wir können es versuchen, vielleicht, falls sich in der Diskussion bei Ihnen bestimmte Fragen auftun, die man mir sinnvoll stellen könnte. Generell meine ich aber, dass ein Interview mit dem Justiziar eines Publikumsverlages der interessantere Stoff wäre.“

Wir bedanken uns bei Andreas Eschbach für das kurze Statement.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.