Startpage.com im Interview: noch immer die diskreteste Suchmaschine?

StartPage.com im Interview bei Tarnkappe.info. Diese Suchmaschine stellt sich stets als datensparsame Alternative dar, doch stimmt das noch?

Startpage.com Startpage Interview

StartPage.com stellt sich seit jeher als datensparsame Alternative dar. Seit dem Verkauf der Anteilsmehrheit an einen Datenbroker letzten Herbst, wird der Anbieter allerdings vehement kritisiert. Die Hintergründe der Übernahme interessieren uns, aber eben nicht nur.

Natürlich haben wir diese Problematik in unserem ausführlichen Interview angesprochen. Wir geben den Betreibern die Möglichkeit, selbst zu dem Vorfall Stellung zu beziehen. Mit Hilfe unserer Community haben wir im Vorfeld die Fragen gesammelt. Mein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an Jörg Bauer, den Pressesprecher von Startpage, der die unzähligen Fragen bearbeitet hat. Vielen Dank auch an Sunny, der zahlreiche Fragen und die Übersetzung in die englische Sprache organisiert hat. Das englischsprachige Interview kann man hier lesen.

Zur Geschichte von Startpage.com

Tarnkappe.info: Wie ist Startpage.com eigentlich entstanden? Oder anders gefragt: Warum geschah 2016 die Zusammenlegung mit Ixquick bzw. die Neuausrichtung, nicht mehr nur eine Metasuchmaschine zu sein?

Jörg Bauer: Ixquick wurde bereits 1998 in den USA gegründet. Die Metasuchmaschine verwendete diverse Suchindizies. 2006 erfolgte die absolute Anonymisierung und Startpage wurde gegründet, um neben höchstmöglicher Sicherheit auch die besten Suchresultate zu garantieren. Dieses Ziel erreichten wir, indem wir den Searchfeed von Google verwenden.

Die beiden Datenschutzsuchmaschinen existierten nun parallel, doch unsere Fans bevorzugten zum Großteil Startpage. Und uns war es ein Anliegen, die Effizienz und die Qualität weiter zu steigern. Also legten wir unseren Fokus auf Startpage und verwendeten die frei gewordenen Ressourcen, um Startpage zur sichersten Suchmaschine zu machen.

Tarnkappe.info: Inwieweit arbeitet ihr heutzutage noch nach den Grundsätzen aus der Gründerzeit von 1998 ?

Jörg Bauer: Die eigentliche Gründerzeit, in der Datenschutz zu unserem Hauptthema wurde, war 2006. Damals war unserem damaligen und jetzigen CEO Robert Beens aufgefallen, dass die Serverkapazitäten ständig erweitert werden mussten. Das lag an den bis dahin angefallenen Datenbergen. Und da die Erfassung von Daten zu keiner Zeit geplant oder ein Geschäftsmodell war, beschloss Robert, alle persönliche Daten zu löschen und künftig keine mehr zu erfassen. Vor allem aber erkannte er, welche Daten bei der Websuche anfallen und wie brisant sie sind. Von da an verschrieb er sich und damit das gesamte Unternehmen dem Datenschutz.

Daran hat sich bis heute absolut nichts geändert. Seit 2006 hat sich Startpage zur sichersten Suchmaschine der Welt entwickelt, was auch die Stiftung Warentest im letzten Jahr bestätigte.

Die Lösung: keine Daten speichern bzw. sie sofort löschen!

Tarnkappe.info: Was ist ganz grundsätzlich gefragt, eure größte Motivation, Startpage zu betreiben?

Startpage.com: Wir sehen eine zunehmende Bedrohung des Online-Datenschutzes im Allgemeinen und der Privatsphäre von Suchmaschinenusern im Speziellen. Online-Werbung, Suchmaschinen und Regierungsbehörden nutzen alle Möglichkeiten, um an private Informationen zu kommen.

Immer mehr Konsumenten werden sich langsam, aber sicher dieser Gefahr bewusst. Politischer Druck (speziell in der EU) könnte die großen Suchmaschinen dazu bewegen, ihre Datenschutzbestimmungen in Richtung echter Schutz der Privatsphäre zu verbessern. Für uns gibt es aber nur eine einzige Lösung: keine Daten zu speichern bzw. sie sofort zu löschen! Ohne vorhandene Daten kann es auch keine Lücke geben, die missbraucht werden könnte.

Startpage wird auch weiterhin voller Überzeugung seine Mission verfolgen: die besten Suchergebnisse mit dem bestmöglichen Schutz deiner Privatsphäre!

Allgemeine Fragen

Tarnkappe.info: Wie steht ihr zum Thema Firefox? Wer mit diesem Browser datensparsam surfen will, muss im Vorfeld sehr viel daran schrauben. Wie das geht, haben wir ja schon mal ausführlich beschrieben. Sind die Leute von der Mozilla Foundation bei so vielen übertragenen Daten wirklich die Guten, oder tun sie vielmehr so?

Startpage.com: Ich bitte um Verständnis, dass wir davon Abstand nehmen, über andere Projekte zu urteilen. Wir konzentrieren uns darauf, in unserem Bereich die besten zu bleiben und unsere User vor Datenzugriff zu schützen. Seit wir auch eine Findemaschine sind, sprich seit wir eine anonyme Ansicht anbieten, ist es mit jedem Browser möglich, anonym zu surfen.

Ich würde aber sagen, dass Firefox im Allgemeinen einer der besseren Browser ist, die aus Sicht des Datenschutzes verwendet werden können. Für echten Datenschutz sind die Standardeinstellungen jedoch sehr wichtig, da Untersuchungen gezeigt haben, dass die große Mehrheit der Internetuser ihre Standardeinstellungen NICHT ändert.

 

Tarnkappe.info: Um bei NGOs zu bleiben, gibt es Projekte, die ihr als Datenschützer mit unterstützt, sei es finanziell oder ideologisch ?

Startpage.com: Ja, die gibt es tatsächlich. In den letzten Jahren haben wir mit vielen Organisationen zusammengearbeitet. Finanziell unterstützen wir in DACH derzeit noyb von Max Schrems, digitalcourage in Bielefeld und die österreichischen NGO epicenter.works.

big data browser add-ons

Tarnkappe.info: Die Seite ist ja sehr minimalistisch aufgebaut. Gibt es überhaupt Mindestanforderungen an die Besucher der Seite, wie sehen die aus? (Browser, OS etc.)

Startpage.com: Bei einer Suchmaschine geht es den Usern ausschließlich darum zu suchen und zu finden. In unserem Fall kommt der Wunsch nach Privatsphäre dazu. Da möchten wir glänzen und auch in Zukunft die sicherste Suchmaschine bleiben. Deshalb sind auch die Mindestanforderungen niedrig. Startpage kann mit jedem Browser und allen Geräten verwendet werden. Allerdings sollten Browserapplikationen immer auf dem neuesten Stand sein. Auch das ist der Sicherheit geschuldet.

Wenn User Hilfe benötigen, steht unser ausgezeichneter Support zur Verfügung. Dort befindet sich ein umfangreiches Supportcenter und unter support@startpage.com wird immer zeitnah geholfen. Wir sind mit unseren Usern ständig auf Tuchfühlung.

Wir leiten üblicherweise europäische Suchanfragen zu europäischen Servern…

Tarnkappe.info: Werden Suchanfragen aus Europa zur Wahrung des Datenschutzes weiterhin ausschließlich über europäische Server abgewickelt?

Startpage.com: Startpage hat Server-Cluster in den Niederlanden und den USA. Startpage leitet üblicherweise europäische Suchanfragen zu europäischen Servern, amerikanische Suchanfragen zu US-Servern und Suchanfragen aus anderen Ländern zu den nächstgelegenen Server-Standorten. Wenn in einem bestimmten Zeitraum übermäßig viele Suchanfragen durchgeführt werden, kann Startpage vorübergehend einige amerikanische Suchanfragen über die europäischen Server bearbeiten und umgekehrt.

Unser Hosting-Provider, der diese Traffic-Überlastung in Europa auffängt, Rout-IT. Rout-IT verfügt über eine ausgezeichnete technische Reputation und ist nahezu jederzeit verfügbar. Dieser Umgang mit der anfallenden Traffic-Überlastung hat keinerlei Auswirkungen auf die Privatsphäre und sollte keine oder nur geringe Auswirkungen auf die Reaktionszeit oder Leistung von Startpage haben.

Zusätzlich können User in den Einstellungen Europa als ausschließlichen Serverstandort festlegen.

bagman startpage.com

Verkauf der Unternehmensanteile

Tarnkappe.info: Wieso habt ihr Startpage.com ausgerechnet an die „Privacy One Group Ltd.“ verkauft? Gab es nicht genügend weitere Interessenten?

Robert Beens: Offen gestanden haben wir uns im Vergleich zu unseren Mitbewerbern mehr auf die Datenschutzaspekte konzentriert als auf Marketing und PR. Vielleicht, weil ich Privatsphäre (einschließlich meiner eigenen) so sehr schätze. Doch obwohl unsere wahre Mission darin besteht, mit unserer einzigartigen Datenschutz-Suchmaschine einen Eindruck in der Welt zu hinterlassen, sollte auch ein wichtiges Ziel sein, im Markt Fuß zu fassen. Andere, auf Datenschutz fokussierte Suchmaschinen haben im Laufe der Jahre Investoren wie VCs und Medienunternehmen an Bord geholt und konnten so Möglichkeiten schaffen, das Bewusstsein für Datenschutz und Privatsphäre zu schärfen. Das ist der Grund, warum wir die jüngste Investition in unserem Unternehmen in Betracht gezogen haben.

System1 ist ein Marketingunternehmen für Endverbraucher mit viel Erfahrung mit Suchmaschinen. Gleichzeitig versteht das Unternehmen, dass sich die Welt verändert und datenschutzfreundliche Alternativen wie Startpage dringend gebraucht werden. Die Menschen hinter System1 sehen, wie wichtig Datenschutz für die Zukunft ist und haben ein neues, eigenständiges Unternehmen namens Privacy One Group gegründet, mit dem sie neue Datenschutz- und Sicherheitsinitiativen aufbauen möchten.

Ihre Investition in Startpage stellt zusätzliche Mittel und Ressourcen bereit, insbesondere Expertise und Verbindungen im Marketing-Bereich und so eine größere Zugkraft für unser Produkt schaffen – insbesondere in den USA.

Die Investition der Privacy One Group ändert nichts an unserer Mission, immer mehr Menschen echte Privatsphäre bei der Websuche zu bieten. Im Gegenteil – sie wird uns dabei helfen, den Datenschutz weiter zu fördern. Damit das gewährleistet bleibt, umfasst diese Investition Verträge und Vereinbarungen, die sicherstellen, dass die vollständige Kontrolle über alle datenschutzbezogenen Entscheidungen bei Startpage und seinem Management-Team bleibt.

„Dinge brauchen Zeit.“

Tarnkappe.info: Wieso wurde der Verkauf an den Datenbroker nicht von Anfang an offen kommuniziert? Dass der neue Eigentümer erst später bekannt wurde, hat euer Image nicht gerade aufpoliert.

Startpage.com: Die Beziehung zwischen Privacy One Group und Startpage begann im Januar 2019 und nach einer kurzen Übergangsplanung und -ausrichtung freuten sich die Teams, ihre gemeinsame Mission bekannt zu geben, der Welt mehr Datenschutzoptionen zu bieten. 
Wir brauchten eine Übergangsplanung und -ausrichtung. Dinge brauchen Zeit. Wir wollten keine halben Sachen kommunizieren und hatten auch zu keiner Zeit die Absicht, die Investition zu verheimlichen. Im Gegenteil.

tarnkappe magazin

Tarnkappe.info: Wie sehr beeinflussen euch eure Geldgeber beim Thema Datenschutz ? In welchem Rahmen mischt sich der Käufer konkret ein?

Startpage.com: Ein neuer Anteilseigner am Unternehmen ändert nichts an unseren Datenschutzbestimmungen. Die Startpage B.V. ist ein niederländisches Unternehmen und werden es auch weiterhin sein. Wir erfüllen voll und ganz die Datenschutzgesetze der Niederlande und der EU (DSGVO). Wir speichern oder teilen keine persönlichen Daten. Daran wird sich auch nichts ändern. Und unsere Datenschutzerklärung bleibt dieselbe. Das Management/die Gründer (einschließlich mir selbst) haben weiterhin einen wichtigen Anteil am Unternehmen und wir werden uns weiterhin voll und ganz unserer Mission für Datenschutz und Privatsphäre widmen!

Weitere Hintergrundinformationen von System1 zum Grund ihrer Investitionen finden Sie in der folgenden Stellungnahme von Michael Blend (Vorsitzender von System1) und Ian Weingarten (Geschäftsführer von System1):

„Wir setzen uns zu 100 % dafür ein, dass der Datenschutz bei Startpage gewahrt und gestärkt wird. Wir haben großen Respekt vor Startpage, seinen Gründern und der Privatsphäre der Millionen von Startpage-Usern. Rechtlich haben die Startpage-Gründer die Kontrolle über alle Datenschutzaspekte in Bezug auf Startpage. Darüber hinaus prüft Startpage in Absprache mit Dritten die technischen Ansätze für alle Datenschutz-Elemente, um einen durchdachten und strengen Schutz der Privatsphäre zu garantieren. Über diesen Schutz hinaus ist es das Ziel von System1, dass Startpage die sicherste Datenschutz-Suchmaschine bleibt. Wir haben in Startpage investiert, weil wir der Ansicht sind, dass diese Suchmaschine eine wichtige Rolle dabei spielt, die Privatsphäre der User zu schützen. Wir hoffen, dass unsere Ressourcen Startpage dabei helfen können, die Privatsphäre von Millionen neuer User auf der ganzen Welt zu verbessern.

Tarnkappe.info: Wieso behauptet ihr in eurer „Privacy Policy“ immer noch, der Eigentümer zu sein, obwohl es faktisch nicht stimmt ?

Startpage gehört der Surfboard Holding B.V. – beide Unternehmen sind niederländische Unternehmen und werden weiterhin von den Startpage-Gründern geleitet. Abgesehen von der Beteiligung, die System1 über die Privacy One Group (deren hundertprozentige Tochtergesellschaft) erworben hat, bleiben die ursprünglichen Gründer Aktionäre der Surfboard Holding B.V. System1 ist mehrheitlich an Startpage beteiligt, obwohl die Startpage-Gründer wie oben erwähnt die Kontrolle über die Datenschutzkomponenten von Startpage haben.

„Datenschutz ist von Natur aus eine Frage des Vertrauens.“

Tarnkappe.info: Was sagt ihr eigentlich zum schwindenden Vertrauen der Internet-Community zu Startpage ? Wie könnt ihr das Vertrauen zurückgewinnen?

Startpage.com: Datenschutz ist von Natur aus eine Frage des Vertrauens. Es gibt aber einige überzeugende Gründe, uns mehr Vertrauen zu schenken als anderen Unternehmen, die mit „Privatsphäre im Internet“ werben.
 Wir haben uns dazu entschieden, uns einem langfristigen Zertifizierungsprozess zu unterziehen.

Andere Unternehmen rühmen sich mit „Wahrung der Privatsphäre“ ohne unabhängige Begutachtung. Wir haben diese Anstrengung auf uns genommen und uns von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle prüfen lassen. Wir wurden von EuroPriSe, einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungs- und Zertifizierungsstelle, geprüft. EuroPriSe führte diese gründliche Prüfung bezüglich Wahrung der Privatsphäre und praktischer Datenverarbeitung 2007/2008 durch. Seither wurden wir regelmäßig geprüft. Als Unternehmen sind wir seit dem 25. Mai 2018 DSGVO-konform. Im Moment gibt es aber noch keine renommierte externe unabhängige Organisation, von der wir uns zertifizieren lassen können. Sobald aber eine solche Zertifizierungstelle gegründet wurde, werden wir uns um die DSGVO Zertifizierung bemühen.

Der zweite Grund uns zu vertrauen ist, dass wir schon für Privatsphäre im Web eintraten, bevor es „cool“ war. Wir waren die erste Suchmaschine, die Userdaten löscht und sich wirklich auf die Privatsphäre der User konzentriert. Wir waren die Ersten und sind immer noch die Besten. Das ergab auch eine Auswertung der Stiftung Warentest.

Wie Sie vielleicht wissen, hatte uns privacytools.io kurzfristig von ihrer Liste der vertrauensvollen Suchmaschinen gestrichen – weil sie dachten, wir würden nicht offen kommunizieren. Leider ist ein unzufriedener ehemaliger Mitarbeiter von Startpage darauf aufgesprungen und hat massiv Unfrieden gestiftet.

Nachdem sich privacytools.io selbst darüber informierte, dass sich im Hinblick auf Privatsphäre bei Startpage absolut nichts geändert hat, wurden wir als Zeichen des Vertrauens sofort wieder in die Liste aufgenommen.

Unsere Reputation ist uns sehr wichtig.

Tarnkappe.info: Anders gefragt: Wie bewertet ihr eure Reputation momentan selbst? Was sagt ihr den Verweigerern, die euren Dienst derzeit ablehnen?

Startpage.com: Unsere Reputation ist uns sehr wichtig. Wie kommen wir bei den Menschen an? Schenken sie uns ihr Vertrauen? Dazu begeben wir uns in einen ständigen offenen Dialog, wie auch in diesem Interview. Permanent steigende Userzahlen, vor allem in Deutschland bestätigen, dass wir dieses Vertrauen nach wie vor genießen.

Wir sind immer gesprächsbereit und freuen uns über jeden offenen Dialog mit eventuellen Kritikern. Startpage beweist seit 14 Jahren seine Beständigkeit, wenn es um Datenschutz geht. Wir sind die einzige Suchmaschine, die sich mehrmals von Dritten hat durchleuchten lassen. Wir hatten nie auch nur den kleinsten Datenverlust zu beklagen, weil wir keinerlei Daten sammeln oder speichern.

Es gibt noch einen weiteren Grund, an uns zu glauben: Privatsphäre ist einfach unser Moto. Datenschutz ist unser Schwerpunkt. Ohne Privatsphäre würden wir 99% unserer User verlieren und würden von den „Großen“ aus dem Rennen gedrängt werden. Fazit: Wenn jemand mit Privatsphäre vorsichtig umgeht, dann wir.

Daran hat sich absolut nicht geändert. Und nicht zuletzt wacht darüber die DSGVO.

 

Tarnkappe.info: Wo liegt der Unterschied darin, ob ich Google oder System1 meine Daten anvertraue?

Startpage.com: Diese Frage stellt sich nicht, da bei Startpage keine Daten abfließen. Ihre persönlichen Daten verlassen Startpage nie und werden nicht an Google ODER S1 weitergegeben. Das ist in unserem Datenflussdiagramm deutlich zu sehen. Hier im Support-Bereich erklären wir das Verhältnis zwischen Startpage zu Privacy One bzw. System 1. Und hier die Frage was den eigenen Daten passiert, sobald man Startpage verwendet.

Welche Daten werden inzwischen von den Usern nach dem Aufkauf gespeichert bzw. geloggt?

Die Beteiligung hat absolut nichts an unseren Datenschutzbestimmungen geändert. Wir speichern nichts und tracken unsere User nicht. Startpage hat seinen Sitz in den Niederlanden und unterliegt zu 100 Prozent Europäischer Gesetzgebung und damit der DSGVO. Ich möchte nochmals betonen, dass sich an den Gepflogenheiten und der Sicherheit von Startpage nichts geändert hat. Wir sind und wir bleiben die sicherste Suchmaschine der Welt.

Unterscheidet sich die Sammlung bzw. Auswertung der Daten von vor dem Verkauf?

Nein! Wir speichern keine Daten und werten auch keine aus.

 

Ausblick

Tarnkappe.info: Gibt es Pläne zur Erweiterung der Startpage-Infrastruktur ?

Startpage.com: Unbedingt. Zum einen bleiben wir immer am Puls der Zeit, was Sicherheits- und Verschlüsselungstechnologien betrifft. Aber auch unsere Pläne zu Erweiterung der Funktionalität sind umfangreich. In diesem Jahr gibt es von unserer Seite sicher noch einige Überraschungen.

Tarnkappe.info: Sind in Zukunft noch weitere Projekte, den Datenschutz betreffend, geplant ?

Startpage.com: Auch das kann ich mit Ja beantworten. Ich will nur so viel verraten: Neuigkeiten gibt es noch in diesem Jahr.

Tarnkappe.info: Ist ähnlich wie bei DuckDuckGo, künftig eine eigene Onion-Adresse für das Tor-Netzwerk geplant?

Ja, für Startpage ist dieser Schritt für das erste Quartal 2021 geplant.
Startpage kann natürlich schon jetzt in Kombination mit TOR verwendet werden. Besser ist es allerdings, unsere Privcay-Funktion „Anonyme Ansicht“ zu verwenden. Das ist wirklich Startpages verstecktes Juwel. Es ist im Grunde ein TOR-Browser und ein VPN in einem und das Beste daran, dass es kostenlos und bei jeder Suche verfügbar ist.

 

Europäische Lösungen sind jetzt gefragt

Tarnkappe.info: Google verändert das Aussehen des Webs massiv. Was glaubt ihr, wie wird das WWW in fünf oder zehn Jahren aussehen? Und was werdet ihr dann beruflich tun? Kann man den Quasi-Monopolisten denn überhaupt daran hindern?

Startpage.com: Wie schon eingangs erwähnt möchte ich nicht über die Gepflogenheiten anderer Unternehmen sprechen. Und eine Prognose über einen so langen Zeitraum (5 Jahre sind im Web Dekaden) abzugeben, ist schwierig.

Wichtig wäre für Europa, europäische Projekte in den Fokus zu rücken und für die notwendige Unterstützung zu sorgen. Wünschenswert wäre ein eigenes Betriebssystem, eigene Social Media-Portale und natürlich ein eigener Suchindex. Dazu muss die Union die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen deutlich verstärken. Dazu gehören Steuergerechtigkeit und entsprechende Fördermittel für Forschung und Entwicklung, bei gleichzeitiger Obsorge, die Abwanderung Europäischer Innovationen zu verhindern.

Was morgen geschieht, kann niemand vorhersagen. Jedoch sehe ich die Zukunft im Datenschutz in Europa. Die DSGVO macht Europa zum sichersten Datenstandort der Welt und immer mehr Unternehmen erkennen das. Ich erlaube mir immer den Vergleich mit Fort Knox.

Es gilt nun diesen Vorteil zu nutzen und das Vertrauen in den Standort Europa zu fördern. Startpage ist ein Beispiel dafür. Unsere Zugriffe in Europa steigen seit Jahren, und zwar weltweit. Speziell in Deutschland erhalten wir immer mehr Zuspruch, weil sich die Menschen auf uns verlassen können. Denn keine Suchmaschine hat so viele Tests durchlaufen und bei jedem den Mitbewerb hinter sich gelassen.

 

Tarnkappe.info: Lieber Jörg Bauer und Robert Beens: Vielen Dank für all die Zeit, die ihr in die Antworten für dieses Interview gesteckt habt.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.