Cookies: Vorzüge und Gefahren – ein Blick hinter die Kulissen

Immer wieder fällt der Begriff Cookies: Was hat es damit auf sich? Welche Informationen und wo werden sie gespeichert, wie werden wir die Dinger wieder los?

Immer wieder fällt der Begriff Cookies: Was hat es damit auf sich? Welche Informationen verraten diese Dateien über uns? Wo werden sie gepeichert, wie werden wir die Dinger wieder los? Ein Blick hinter die Kulissen der Online-Werbewirtschaft.


Egal welchen Dienst man nutzt, ständig wird man beim ersten Besuch eines Internet-Portals darauf hingewiesen, dass auch dieser Webseitenbetreiber Cookies sammeln und auswerten will. Nicht selten handelt es sich dabei um Anbieter aus den USA, wo es nachweislich keinen umfassenden Datenschutz gibt.

Digitale Cookies sind garantiert glutenfrei und kommen nicht aus dem Ofen. Trotzdem sind sie verdammt clever. Cookies sind kleine Textdateien, die ungefragt über unseren Browser auf der Festplatte unseres Computers abgelegt werden. Von dort können sie später aufgerufen werden, um unsere Konsumgewohnheiten zu verraten. Oftmals hängt der Inhalt von Online-Werbung davon ab, auf welcher Seite wir uns vorher aufgehalten haben. Erkennt Google den Cookie einer seiner Werbepartner, so wird automatisch deren mouse world internetWerbung bei Google Adsense angezeigt – obwohl wir ganz woanders surfen.

Warum? Da wir uns dort schon einmal umgeschaut haben, könnten wir Interesse an ihren Produkten besitzen. Online-Werbung funktioniert immer dann am besten, wenn man sie so zielgerichtet wie möglich an die Verbraucher ausgeliefern kann. Wer will, kann Werbung gerne verdammen oder mit einem Adblocker aussperren. Allerdings sorgt sie bei den meisten Angeboten im Internet für die Bezahlung. Ohne Online-Werbung wären die meisten Webseiten gar nicht möglich. Oder es gäbe für alle Angebote im Netz eine Bezahlschranke, die natürlich niemand haben will.

Cookies können auch nützlich sein

Manche Cookies sind sogar recht praktisch. Sie sorgen dafür, dass wir nach einem einmaligen Login beim nächsten Besuch bei einem Online-Shop sofort wieder eingeloggt sind. Man muss nicht erneut das Passwort oder den Usernamen eingeben, sofern das Cookie noch nicht gelöscht wurde. Oder haben Sie sich noch nie darüber gewundert, dass Sie bei Amazon bei jedem Besuch mit vollem Namen begrüßt werden? „Hallo, Lars Sobiraj„. Natürlich werden mir zu meinen bisherigen Einkäufen passende Produkte angezeigt, für die ich mich auch interessieren könnte.

Andere Cookies speichern unsere persönlichen Seiteneinstellungen. Eigentlich darf der Anbieter nur seine eigenen Cookies auslesen. Es gibt aber schwarze Schafe im Web, die auch auf die Cookies von Drittanbietern zugreifen. Welche Firma mit wem zusammenhängt oder kooperiert, kann man mit einigen cleveren Browser-Erweiterungen visualisieren.

Lightbeam zeigt, wer es auf Ihre Daten abgesehen hat

lightbeam Mozilla Firefox CookiesVon der Mozilla Foundation stammt die Firefox-Erweiterung Lightbeam. Wer das kostenlose Add-on installiert, kann mit Klick auf das Symbol oben rechts einen neuen Tab öffnen. Danach werden sich viele Nutzer wundern. Lightbeam zeigt die Anzahl der angezeigten Webseiten an. Außerdem sieht man, wie viele Drittanbieter Zugang zu Ihren Daten erhalten. In meinem Fall sind es sechs Webseiten und 35 weitere Firmen, die Zugriff auf meine Daten haben.

Wenn Sie eines der Symbole festhalten und daran ziehen, ziehen Sie automatisch alle damit verknüpften Anbieter mit. Die verknüpften Betreiber sind nicht ausschließlich Online-Werbeunternehmen oder sonstige Firmen, die von der Auswertung von Informationen leben. So bezieht beispielsweise auch der Dienstleister Gravatar Daten, der Ihre E-Mail-Adresse nach vorheriger Anmeldung mit einem Benutzerbild (Avatar) verknüpft. Trotzdem ist stets Skepsis angesagt. Man weiß nie, wofür Dritte die Daten sonst noch benutzten.

Wie lösche ich Cookies?

apple browser computer cookiesGanz einfach. Jeder Browser bietet die Möglichkeit an, entweder die Cookies einzelner Anbieter oder die komplette Chronik zu löschen. Wer alle Informationen von der Festplatte seines Rechners entfernt hat, gibt keine Konsumgewohnheiten mehr von sich preis. Im Gegenzug muss man sich bei jedem Portal aufs Neue anmelden.

Die Bequemlichkeit bei der Benutzung von Webshops und anderen Angeboten spart uns zwar jede Menge Zeit, sie macht sich aber für die Werbeindustrie im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt. Zudem gibt es die Möglichkeit, den privaten Modus beim Browser einzuschalten. Dann kann niemand mehr Cookies bei Ihnen ablegen, um sie später auszulesen.

Panopticlick – Nutzer anhand ihrer Hardware erkennen

panopticlick EFF CookiesDie einfache Kontrolle der Nutzer über ihre Daten stellt für die Vertreter der Online-Werbung natürlich ein Ärgernis dar. Da es so leicht ist, die regulären Cookies zu blockieren oder zu löschen, lassen sich die Hersteller immer wieder etwas Neues einfallen. So werden immer häufiger die individuellen Eigenschaften Ihres Computers und aller installierten Zusätze zum Browser getestet. Panopticlick ist ein kostenloser Online-Test der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation EFF.

Dabei testet man, ob man auch Ihren Computer aufgrund zusätzlicher Informationen eindeutig zugeordnen kann. Wenn Sie die gleiche Seite das nächste Mal im privaten Modus mit Ihrem Betriebssystem, der eingestellten Sprache und Anzahl an Farben, Java Version X, Flash Version Y, der Auflösung Z etc. besuchen, können Sie dennoch erkannt werden. Dann weiß der Betreiber zwar noch nicht Ihren Namen. Immerhin weiß er, dass Sie schon einmal bei ihm zu Gast waren. Dann könnte man Ihnen die zu Ihrem Konsumverhalten passenden Werbeanzeigen einblenden. Die Erkennung der Nutzer geht heutzutage sehr zuverlässig ganz ohne Cookies.

Ewige Cookies

come to the dark side, we have cookiesCome to the dark side. Der Albtraum aller Datenschützer ist ein Projekt des polnischen Sicherheitsforschers Samy Kamkar. Seine Evercookies (bzw. Supercookies) bestehen aus Javascript und vielen anderen Bestandteilen. Sie sollen dafür sorgen, dass man sie mit normalen Mitteln nicht vom eigenen Broswer bzw. der Festplatte entfernen kann. Die Supercookies speichern sich an bis zu 10 verschiedenen Orten ab, was ihre Entfernung deutlich erschwert. Kamkar speichert die Evercookies sowohl mittels HTML, Flash, Silverlight, HTML5, Java etc. Man ist sie nur dann los, wenn beim Löschen der Chronik wirklich alle 10 Cookies weg sind. Bleiben sie nur an einer Stelle erhalten, kann man alles wieder rekonstruieren.

Auch die US-amerikanische Firma KISSmetrics hat eigene „ewige“ Cookies entwickelt. KISSmetrics legt auch eine eindeutige ID beim Besuch der Webseite ab. Zudem kann man deren Cookies wieder herstellen. Einige Verbraucher und Verbände waren deswegen „not amused“. Die ersten Tracking-Firmen wurden in den USA bereits wegen ihres aggressiven Vorgehens angeklagt.

Es wird trotzdem nicht lange dauern, bis auch in Europa diese neuartigen Textdateien Einzug halten, die wir nicht mehr loswerden sollen. Wenn es so schwer ist, diese Dinger zu löschen, ist der Gesetzgeber gefragt. Er müsste dafür sorgen, dass die Wirtschaft uns nicht mehr auf Schritt und Tritt begleitet und ausforscht. Wie gesagt, müsste. Noch ist diesbezüglich nicht viel passiert.

cookies mit schokoladeBildquellen: Pixabay & Pexels, thx!

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.