Schoener-Fernsehen.com will auf Bezahlmodell umstellen

Beim TV-Portal Schoener-Fernsehen.com wurde angekündigt, dass der Online-Dienst 99 Cent monatlich kosten soll. Was steckt wirklich dahinter?

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Beim TV-Portal Schoener-Fernsehen.com wurde angekündigt, dass der Online-Dienst 99 Cent monatlich kosten soll. Den Betreibern geht es angeblich um den Schutz vor unseriösen Bannern der Werbepartner. Lohnt sich für die Internet TV AG der Betrieb der Seite nicht mehr? Kosten entstehen dem Unternehmen zumindest kaum welche.

Schoener-Fernsehen.com will kassieren

Auf der Facebook-Seite von Schoener-Fernsehen.com hat man kürzlich angekündigt, dass dieser Dienst nun 99 Cent pro Monat kosten soll. Damit mache man sich nach eigenen Angaben umabhängig „von Werbenetzwerken, die immer öfter dubiose Angebote einstreuen. Der Zeitaufwand diese Banner zu finden, zu entfernen und neue einzupflegen, war zum Schluß enorm. Und trotzdem wurden die Streams zu oft davon gestört“. Die Frage ist allerdings, welche Kosten man damit überhaupt decken will. Die Streams übertragen sich die Nutzer via P2P gegenseitig.


Im Posting bei Facebook geben die Betreiber zu, dass der Zeitpunkt für eine Einführung des Bezahlmodells alles andere als günstig sei. Man wisse selbst, dass die Webseite schon länger unter der mangelnden Stabilität der Streams leidet. „Aber uns geht es um das Endergebnis. Und das kann nur gut werden, wenn wir die Störungen durch Werbung schonmal ausschließen.“ Bislang habe der Empfang der hochauflösenden TV-Streams ohne Werbung sieben Euro monatlich gekostet. Immer mehr Fernsehsender überträgt man automatisch in HQ-Qualität. Von daher wäre die Umstellung für qualitätsbewusste Nutzer „eigentlich ein Fortschritt“.

sf-logoDie wahren Hintergründe der Umstellung bleiben aber trotz der Ankündigung nebulös. Möglicherweise hat sich die Internet TV AG auf dem Inselstaat mehr von der Verknüpfung dieses Online-Angebots mit HomeLoadtv.com, OnlineMusicRecorder.com, OnlineStreamRecorder.com, der Suchmaschine OnlineMediaFinder.com und dem Musik-Downloader you-tube-download.com versprochen. Auch wenn vielfach die schlechte Tonqualität von Schöner Fernsehen bemängelt oder die Streams selten so stabil sind, wie man es sich wünscht: in der Vergangenheit war der Dienst kostenlos und ist als einer der wenigen Wettbewerber überhaupt längerfristig online geblieben. Bei Adamski TV, YouFreeTV, tv-kino.net & Co. wurden unter der alten URL schon vor längerer Zeit die Stecker gezogen. Auch in Zukunft werden alle Rechteinhaber erhebliche Probleme haben, auf die angebliche Betreibergesellschaft auf den Seychellen oder auf die Server bei Voxility in Bukarest zuzugreifen.

Abmahnungen: theoretisch möglich aber unwahrscheinlich

schoener-fernsehen.com facebookFür die Anwender, die Schöner Fernsehen auch per Android App nutzen können, gibt es rein theoretisch eine Abmahngefahr, weil man aktiv am Transfer der urheberrechtlich geschützten Inhalte beteiligt ist. Der reine Download, ein Streaming im herkömmlichen Sinn oder eine Privatkopie fallen aber bei dieser P2P-Technologie raus. Bisher ist aber laut Medienanwalt Tobias Röttger noch kein Fall bekannt geworden, bei dem ein Anwender dieser Webseite eine Abmahnung erhalten hat. Bei drei bis fünf Millionen Seitenzugriffen monatlich dürfte den Sendeanstalten die illegale Konkurrenz aus dem Internet aber durchaus ein Dorn im Auge sein. Wenn man mit den fremden Inhalten jetzt auch noch Premium-Gebühren kassieren will, dürfte das die Sender umso mehr stören.

Bleibt also abzuwarten, ob die TV-Sender dieses Angebot weiterhin ignorieren. Vieleicht beauftragen sie doch irgendwann eine Kanzlei mit der Verfolgung der Nutzer. Die IP-Adressen diverser Anwender mitzuschneiden, wäre zumindest ohne größeren Aufwand möglich. Dafür müsste man sich lediglich mit einer modifizierten Version der Software an der Übertragung des Programms einzelner Sender beteiligen.

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Keine Privatkopie, Stream oder Download! Abmahnungen wegen schoener-fernsehen.com?

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Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.