pr0gramm führt Altersverifizierung per Ausweis ein: Userbasis erzürnt

pr0gramm.com führt eine Altersverifizierung per Ausweis ein, ohne die nur noch der SFW-Bereich benutzt werden kann.

Freedom of Speech, pr0gramm
Bildquelle: Markus Winkler

Das beliebte deutschsprachige Portal und Imageboard pr0gramm.com führt ab dem heutigen 04.10.2021 eine verpflichtende Altersverifizierung auch für bestehende User ein. Diese ist notwendig, um die beiden Ü18-Bereiche NSFW (not safe for work) und NSFL (not safe for life) weiterhin benutzen zu können.

Es kam für die allermeisten User des Imageboards pr0gramm.com überraschend: Ab dem 04.10.2021 wird eine verpflichtende Altersverifizierung eingeführt. Ohne diese können die beiden beliebten Bereiche NSFW und NSFL nicht mehr eingesehen werden. Zuvor waren die beiden Kategorien nur nach Registrierung (über Einladung oder pr0mium) sichtbar. Bereits seit einiger Zeit müssen neu registrierte User ihr Alter verifizieren. Nun müssen auch bestehende User ein Bild ihres Personalausweises oder Reisepasses hochladen, um ihre Volljährigkeit zu bestätigen.

Altersverifizierung mit Ausweis zwingend nötig

Ohne die Verifizierung können User nur noch den SFW-Bereich (safe for work) sehen und Inhalte auch nur in diesen Bereich hochladen. Hintergrund ist ein angekündigter Bericht des Y-Kollektivs, welches auf pr0gramm aufmerksam wurde. Geplant sind Interviews mit pr0gramm-Nutzern. Diese sollen ihre Erfahrungen mit den Bereichen NSFW und NSFL mit dem Y-Kollektiv teilen. Offenbar stört sich die Journalistengruppe, dass auf pr0gramm kein effektiver Jugendschutz durchgesetzt wird. User konnten nach ihrer Registrierung alle Bereiche sehen. Unregistriert ist nur der SFW-Bereich sichtbar. Dieses erweitert sich nun auch auf User, die ihr Alter nicht erfolgreich nachgewiesen haben.

Ungünstiger Zeitpunkt

Der neue Schritt kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Waren zuvor schon der NSFL-Bereich fast ausgestorben, wird dies nun den endgültigen Todesstoß bedeuten. Durch eine Gesetzesänderung bzw. härterem Durchgreifen der Staatsgewalt bezüglich gewaltverherrlichender Videos wurden dementsprechende Uploads durch die Moderation relativ zügig gelöscht. Schuld daran trug der § 131 StGB. Dieser verbietet gewaltverherrlichende Inhalte und stellt sie unter Strafe. Um Uploader zu schützen, wurden die Videos und Bilder schnell entfernt, mit dem Hinweis „Rechtswidriger Inhalt“. Konsequenzen hatten Uploader seitens des Boards nicht zu befürchten.

Jedoch wurden kurz vor der Ankündigung tausende Inhalte von Usern gelöscht, die nicht unter diesen Paragrafen fielen. Dass dieses nicht nur bei den Uploadern, sondern auch der übrigen Community sehr schlecht ankommt, kann man sich momentan an den hochgeladenen Inhalten und erzürnten Posts der Community ansehen. So ist das Imageboard momentan voll von zweideutigen Bildern von Gemüse mit Auswüchsen, die an Geschlechtsteile erinnern. Auch andere schlüpfrige Inhalte wie phallusförmige Pilze oder „nudelifizierten“ Nacktbildern sind zurzeit im SFW-Bereich zu sehen.

Y-Kollektiv nimmt pr0gramm genauer unter die Lupe

In der Ankündigung der Seitenbetreiber liest man, dass das Y-Kollektiv die Seite genauer unter die Lupe nehmen möchte. Diese stören sich vor allem an den Gewaltvideos, die es auf pr0gramm zu sehen gibt/gab. Auch der teils sehr harte Humor unter den Usern stieß ihnen sauer auf. Dass nicht alle Journalisten auf Meinungs- und Zensurfreiheit Wert legen, zeigt sich hier ein weiteres Mal. Unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit und im Zuge der „Generation Woke“ sollen hier nichtkonforme Inhalte möglichst unterdrückt werden. Dieses soll durch öffentliches Anprangern auf YouTube geschehen. Aus der Ankündigung liest man sehr deutlich heraus, dass das Y-Kollektiv, eine Journalistengruppe der Funke-Mediengruppe, wenig Verständnis für NSFL oder politisch unkorrekten Humor haben.

Die Kommentare auf pr0gramm waren seit längerer Zeit nur nach Registrierung zu sehen. Dementsprechend war die Community eine private Gemeinschaft, die für relativ freie Meinungsäußerung bekannt war. Moderatoren löschen lediglich rechtlich eindeutig illegale Kommentare oder Inhalte, beispielsweise antisemitische Hetzposts oder dergleichen.

pr0gramm – Community erzürnt

Unterdessen ist die bestehende Community auf pr0gramm erzürnt und flutet das Imageboard mit zweideutigen Inhalten, die gerade so nicht unter die Richtlinien des NSFW-Bereiches fallen. Auch in den Kommentaren ist eine ungute Stimmung herauszulesen, viele Beschimpfungen gegenüber den Seitenbetreibern und Verachtung gegenüber dem Y-Kollektiv sind zu lesen. Viele bekannte User haben sich aufgrund der Neuregelung der beiden Ü18-Bereiche bereits gelöscht oder wollen dieses laut eigener Aussage tun. Dementsprechend geht der Exodus auf einem der bekanntesten deutschsprachigen Imageboards weiter und die Zahl der User wird stark abnehmen.

Schwarzer Kamerarekorder

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Zensurvorwürfe der User

Zwar erwähnt die Ankündigung der Boardleitung, dass sie sich gegen Zensur stemmen. Auf den NSFL-Bereich wolle sie nicht verzichten. Auch Inhalte wie Propagandalügen, Kriegsverbrechen oder ähnliches soll weiterhin erlaubt sein. „In einer aufgeklärten Gesellschaft muss für solche Inhalte weiterhin Platz sein.“ Dass dies aber nur hohles Geschwätz ist und auch viele Inhalte, die den vorig genannten Kategorien zugeordnet werden können gelöscht wurden, bestätigt leider nur die Befürchtung vieler User. Des Weiteren wird darum gebeten, „sehr grafische oder menschenverachtende Inhalte“ zu melden, was dem gesagten Lügen straft.

Ein weiterer Hauptkritikpunkt der Community ist die fehlende Vorwarnung der Boardleitung. So können die User selbst ihre eigens im Board abgespeicherten Favoriten, die unter NSFW oder NSFL fallen, nicht mehr aufrufen, ohne vorher ihr Alter zu verifizieren. Die Seitenbetreiber betonen, dass Datenschutz großgeschrieben würde. Auch ist für die Verifizierung nur das Geburtsdatum und das Ablaufdatum notwendig und die eingesendeten Bilder der Ausweise sollen offenbar sofort nach der Prüfung gelöscht werden. Jedoch überzeugt dies ganz offensichtlich die langjährigen und auch neuen Mitglieder nicht und ein Schwall des Hasses und Verachtung gegenüber der Boardleitung ist zurzeit zu beobachten.

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