Manche Streaming-Portale locken in die Abofalle

Verbraucherschützer haben in Deutschland schon unzählige Anzeigen gegen unbekannt gestellt. Sie wenden sich an die Polizei, weil die Besucher verschiedener Streaming-Portale in eine Abofalle gelockt wurden. Auch wenn die Netflix-Kopien gar keine Filme im Angebot haben, wird trotzdem eine Rechnung bis zu 350 Euro verschickt. Nach Ablauf der Testphase wird höchst aggressiv gemahnt, um trotz der fehlenden Leistung an den ausstehenden Betrag zu gelangen.

Wer sich einmal auf dubiosen Streaming-Portalen herumgetrieben hat, kennt das Problem. Man klickt einen Film an und ein neuer Tab öffnet sich. Statt des Streaming-Hosters wird man zu einer seriös aussehenden Webseite geleitet, die vielfach den Vorspann von Paramount Pictures abspielt. Übrigens binden die Kriminellen dafür einfach das entsprechende YouTube-Video ein. Alle Daten zum Film (Beschreibung, Schauspieler etc.), den man sich anschauen will, stimmen. Doch wer das tun will, muss einen Account einrichten. Dies dauere angeblich nur 30 Sekunden. Unten steht ganz klein, dass man den Nutzungsbedingungen zustimmt, indem man das Formular ausfüllt. Dann muss man seinen Namen, Anschrift und seine Handynummer angeben. Angeblich nur dafür, damit der Bestätigungscode per SMS verschickt werden kann. Das Problem: Man hat damit einen Vertrag abgeschlossen. Oder zumindest wird so getan, als wenn dies geschehen wäre. Denn der fragliche Film war dort nie als Stream verfügbar. Dafür hat die Abofalle zugeschnappt.


Vor dieser Abzocke, die tagtäglich geschieht, warnt auch die niederländische Organisation BREIN. Nicht nur Filme. Es gibt auch Betrugsseiten für E-Books. Die eingangs gesuchten Werke wird man dort aber vergeblich suchen. BREIN fasst die Indizien für eine solche Seite sehr plakativ zusammen: Vorsicht ist immer dann angesagt, wenn ein Angebot zu günstig ist, um wahr sein zu können. Aktuelle Kinofilme und TV-Serien gibt es online schon aufgrund der Verwertungskette nicht beim Filmstart. Die kann man sich erst viele Monate später legal im Internet ansehen.

Abofalle: Ist eine Strafanzeige die Lösung?

Davon geht die Verbraucherzentrale Bundesverband selbst nicht aus, wie uns ein Pressesprecher am Telefon mitteilte. Man darf ernsthaft bezweifeln, dass die Angaben in den Impressen stimmen. Die Anzeigen werden wahrscheinlich vielfach ins Leere laufen. Aufgrund der anonymen Domain-Angaben und weiterer Verschleierungstaktiken ist es schwer bis unmöglich, den Betreibern habhaft zu werden. Der große Gegner der Abzocker ist aber Google, wie uns der Sprecher vom VZBV sagte. Viele Anbieter seien schon nach wenigen Wochen wieder offline, weil Google mehrere negative Bewertungen dieser Seiten indiziert hat. Werden genügend negative Bewertungen bzw. Warnungen veröffentlicht, rutschen die schwarzen Schafe bei den Suchergebnissen in den Keller. In der Folge sind die Portale quasi unsichtbar und bringen kaum Besucher bzw. keinen Umsatz mehr ein. Die Macher kaufen dann einfach die nächste Domain, ändern die Verlinkung und den Namen, womit das Katz-und-Maus-Spiel wieder von vorne beginnt.

abofalle

Wenn die Abofalle zuschnappt: Kein Zugriff auf die Kinofilme ohne vorherige Anmeldung. Bei solchen Fehlermeldungen ist Vorsicht angesagt.

Zusammenhänge sichtbar

Die Betreiber von offensichtlich rechtswidrigen Kinoportalen kennen ihre „Werbepartner“ ganz genau. Bei näherer Betrachtung treten immer mehr Zusammenhänge zwischen solchen Anbietern zutage. Die Portale werben immer für die gleichen Abzocker oder aber, sofern einer Person mehrere illegale Streaming-Portale gehören, überschneiden sich die Anzeigen. Interessant ist, dass diverse Abzocker sogar eine deutsche Domain benutzen. Wahrscheinlich, um beim Publikum einen seriösen Eindruck zu hinterlassen.

Folgende Domains sind den Verbraucherschützern negativ aufgefallen:

24flix.de, amostream.de, begostream.de, bigflix.de, bigostream.de, bigostream.com, binoflix.de, blueflix.de, boboflix.com, bobstream.de, borastream.de, bokuflix.de, bonastream.de, bonostream.de, boxflix.de, braflix.de, cinemadome.net, cinemaflix.de, cinemaxx24.com, cineplex24.de, coflix.de, daflix.de, dasflix.de, dasimax.de, dinoflix.de, dodoflix.com, doflix.de, dogostream.de, domstream.de, doxflix.de, drflix.de, euroflix.de, felixkino.com, filmpalast24.com, fixago.de, flexkino.com, flixabo.de, flixago.de, flixando.de, flixkino.com, gagastream.de, gigaflix.de, goloflix.de, gonaflix.com, gonastream.de, heroflix.de, hogostream.de, ibostream, imaxcine.com, imaxdome.com, imaxFilme.com, imaxgo.de, imaxkino.com, imaxnet.de, imaxstream.de, imaxtime.com, imaxtv.de, imaxWelt.com, juhustream.de, kinolox.de, kinopalast24.com, kinoplexx.com, kinoroom.de, kinowelt24.com, kinozeit.net, kiwiflix.de, laflix.de, lexflix.de, limeflix.de, logflix.de, logostream.de, lostream.de, loxflix.de, loxostream.de, magaflix.de, mangoflix.de, matostream.de, maxxflix.de, megaflix.de, meinkinowelt.com, mexflix.com, mexkino.com, mogostream.de, momoflix.de, momostream.de, monoflix.de, moodflix.de, moroflix.de, nexostream.de, noxflix.de, olaflix.de, orangeflix.de, pokuflix.de, rexflix.de, rexkino.de, rostream.de, rotflix.de, roxflix.de, sobostream.de, soflix.de, sogostream.de, soloflix.de, soyaflix.de, streamago.de, streamdome.de, streamflix.de, streamgogo.de, streamino.de, streamlox.com, streamnox.com, streamogo.de, streamore.de, streamoro.de, streamtime.de, streamtoto.de, stream.tox, streamtox.com, streamzeit.de, teleflix.de, tobiflix.de, toflix.de, topflix.de, tostream.de, toxflix.de, tutoflix.de, voxstream.de, weflix.de, wowflix.de, yalastream.de, yobaflix.de, yoflix.de, yogostream.de, yostream.de und last, but not least zazaplay.de.

Leider ist die Liste nicht aktuell. Das geht auch gar nicht, denn sie ändert sich täglich. Derzeit soll es rund 100 solcher Abzocke-Anbieter geben, die sich als Netflix-Klon ausgeben. Bei der Watchlist Internet gibt es zudem eine recht häufig aktualisierte Liste unseriöser Streaming-Dienste, die uns ohne Gegenleistung um unser Erspartes bringen wollen. Im Idealfall müsste man solche Domains zeitnah von der Denic sperren lassen. Doch die Kooperationsbereitschaft der deutschen Domain-Behörde ist ja schon beim Thema Fakeshops nicht gegeben. Warum sollte das bei einer Abofalle besser aussehen?

Abofalle Telefonnummer bestätigen

Warum funktioniert dieses Geschäftsmodell?

Die Einrichtung einer solchen Seite ist schnell erledigt, die Reservierung der Domain auf Zeit kostet auch nicht die Welt. Dafür locken pro abgezocktem Kunden bis zu 350 Euro und mehr. Die Provisionen für die Werbepartner (die Betreiber der offensichtlich rechtswidrigen Streaming-Portale) werden entsprechend hoch sein. Fazit: Wenn es nicht genügend Unbedarfte geben würde, die in diese Falle tappen, wäre dieses Phänomen längst aus dem Internet verschwunden. Die Warnungen des VZBV oder von BREIN sind gut gemeint. Sie werden aber leider nicht dazu in der Lage sein, den Kriminellen den Geldhahn zuzudrehen.

Rechnung erhalten, was tun?

Die Rechnung müssen Sie nicht bezahlen. Sie bezahlen nur für Leistungen, die legal sind und die sie auch wirklich erhalten! Die Abfrage der Telefonnummer bei der Anmeldung ist dafür gedacht, um Sie zwecks der Forderungseintreibung anzurufen. Gehen sie auf die Anrufer nicht ein! Lassen Sie sich von den aggressiv formulierten Mahnungen nicht einschüchtern. Man droht Ihnen immer wieder ein gerichtliches Mahnverfahren an, dazu wird es aber nicht kommen. Sollte man Ihnen doch eine gerichtliche Mahnung schicken, müssen Sie widersprechen. Im eigentlichen Verfahren prüft das Gericht, ob die Forderung gerechtfertigt ist.  Und wie diese Prüfung ausfällt, können Sie sich ja sicher denken. Von daher wird es dauerhaft bei den Drohungen bleiben, irgendwann geben die Kriminellen auf. Der Richter würde sonst sehr schnell erkennen, dass kein gültiger Vertrag zustande gekommen ist.

Wer will, kann wegen der Abofalle eine Strafanzeige bei der Polizei stellen. Wie „viel“ das bringt, haben wir ja schon oben schon ausgeführt. Um sich vor diesem Ärger zu schützen, sollte man immer vor Abschluss eines Vertrages die Suchmaschine seiner Wahl bedienen. Was haben Dritte über diesen Anbieter berichtet? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Den Fehler anderer Nutzer muss man ja nicht zwingend nachmachen. Schon nach wenigen Tagen dürften Warnmeldungen über unseriöse Anbieter im Netz erscheinen.

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So sehen die Rechnungen aus:

Ihre 5-Tage-Testphase ist abgelaufen

Sehr geehrte(r) Herr/Frau Mustermann, Sie haben sich auf unserer Webseite am 13.11.2018 für eine 5-Tage-Testphase registriert.

Laut unseren Nutzungsbedingungen hatten Sie die Möglichkeit, Ihren Account während der gesamten Testphase aus Ihren Einstellungen zu löschen. Da Sie es nicht getan haben, wurde Ihr Account automatisch mit dem Premium-Status um 1 Jahr verlängert.

Diesbezüglich möchten wir Sie über eine offene Rechnung in Höhe von 359,88€ zzgl. MwSt pro Jahr (12 Monate zu je 29,99€) bei einer Vertragslaufzeit von 1 Jahr benachrichtigen.

Wir fordern Sie deshalb auf, die Ihnen ausgestellte Rechnung innerhalb von den nächsten 3 Arbeitstagen zu begleichen.

Bei Nichtbezahlung innerhalb der Ihnen gewährten Zahlungsfrist sind wir gezwungen, die Informationen über die nicht bezahlte Rechnung an unseren Anwalt bzw. an das Inkassobüro weiterzugeben. Danach erhalten Sie von uns ein offizielles Schreiben an Ihre Adresse.

Ihre Registrierungsdaten:
Name: Max Mustermann
IP-Adresse: 79.247.11.111
Browser: Chrome 59.0.3071.125
Betriebssystem: Android OS 8.0.0
Internetanbieter: Deutsche Telekom AG
Breitengrad: 51.6283
Längengrad: 6.7238
Achtung! Falls Sie aber bei der Registrierung falsche Daten angegeben haben, wird von unserem Anwalt eine Anfrage mit Ihren Registrierungsdaten an die zuständige Behörde gesendet, solchen wie die IP-Adresse, Betriebssystem, Browser, Internetanbieter usw. damit Ihre Persönlichkeit sowie Ihre Anschrift identifiziert werden können. In diesem Falle kommen auf Sie ebenso zusätzliche Kosten zu.

Um jegliche Anwalts-, Inkasso- bzw. Gerichtskosten zu vermeiden, möchten wir Ihnen ausdrücklich empfehlen, die Ihnen ausgestellte Rechnung während der dreitägigen Zahlungsfrist zu begleichen.

Einzuzahlender Betrag: 359,88€
Rechnung mit Zahlschein oder Online bezahlen

Kundenservice: +49 30 568 37 529 +49 30 568 37 197
Mo–Fr 10:00 – 20:00

Senden Sie uns nach der Zahlungsleistung die Quittung bzw. einen Screenshot an die folgende E-Mail-Adresse: info @ abofalle

 

Tarnkappe.info

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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