Malaysische Verlage schätzen E-Book-Piraterie als Bedrohung ein

In Malaysia etablieren sich zunehmend illegale E-Book-Seiten. Das ruft sowohl bei Verlagen, als auch bei Autoren zunehmend Protest hervor

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E-Book Bildquelle: Tumisu, thx! (Pixabay Lizenz)

In Malaysia etablieren sich zunehmend illegale E-Book-Seiten, die ähnlich wie damals Lesen und Lauschen (LuL) in Deutschland agieren, indem sie Käufer mit unschlagbar günstigen Preisen ködern. Natürlich können Verlage und Autoren dagegen nicht bestehen. Entsprechend groß sind auch ihre Proteste, wie TheStar berichtet.

E-Book-Markt fristet Nischendasein

Ähnlich wie in Deutschland kämpfen auch malaysische Verlage und Autoren damit, E-Books aus ihrem Nischendasein zu befreien, um sie für ein weltweit größeres Publikum attraktiv zu machen. Allein die Publikationen der Hochrechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), herausgegeben durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., lassen erahnen, dass es sich dabei um einen langwierigen Prozess zu handeln scheint. Das Fazit lautet hier regelmäßig, E-Books werden kaum nachgefragt. Der Umsatzanteil am gesamten Publikumsbuchmarkt für das Jahr 2019 lag bei nur 5,0 Prozent.

Empörung gegen E-Book-Piraterie wächst

Die Malaysian Book Publishers Association (MABOPA) gab an, dass sie in letzter Zeit vermehrt Berichte von Verlagen erhalten haben, wonach deren Bücher, Magazine und Comics online raubkopiert und verkauft werden würden. Demgemäß ist davon auszugehen, dass der illegale Vertrieb von E-Books auf E-Commerce-Plattformen sehr verbreitet ist. Der Präsident des MABOPA-Verbandes, Arief Hakim Sani, zieht das Resumee in einer Erklärung als Reaktion auf die Berichte:

„Dies ist für Autoren und Verleger sehr schädlich. Wir fordern nur eine faire Entschädigung für unsere Arbeit, werden aber von Piraten ausgeraubt. Sie bestrafen echte Verkäufer, die versuchen, auf dem Markt ehrlich und fair zu konkurrieren. Piraten scannen u.a. die Originalbücher und verkaufen sie als E-Book-Dateien auf E-Commerce-Websites. Wir müssen die Piraterie schnell stoppen, bevor es für Schriftsteller und Verleger schlimmer wird.“

Die National Film Development Corporation (Finas) führte eine Untersuchung zum Verkauf von lokalen Raubkopien auf E-Commerce-Plattformen durch. Arief wertet aus:

„Die gesamte Kreativbranche des Landes ist von Piraterie bedroht. Nicht nur die Buchbranche, sondern auch Filme und Musik.“


Niedrige Piratenpreise sind konkurrenzlos

Diese Raubkopien würden im Allgemeinen für etwa 50 Sen, 1 RM oder 2 RM verkauft. Obwohl noch keine konkreten Daten verfügbar sind, könnten einige Piraten Hunderte oder Tausende von Exemplaren verkaufen. Das würde dazu führen, dass der Verlag bis zu Tausende von Ringgit pro Raubkopientitel verliert (1 Euro entspricht 4,96 Ringgit). Allein die unglaublich niedrigen Preise beim Verkauf der E-Book-Raubkopien hätten bei potenziellen Kunden schon die Alarmglocken läuten lassen müssen, meint Arief. Lokale E-Books würden größtenteils von autorisierten E-Book-Stores verkauft. „Die meisten Verlage haben auch offizielle Geschäfte auf dem Markt. Käufer können dort die Preise überprüfen und einen Vergleich anstellen.“

Arief forderte die Eigentümer dieser E-Commerce-Websites auf, rasch Maßnahmen zu ergreifen, um die Piraterie auf ihren Websites zu stoppen. „Wir sind der Ansicht, dass die Eigentümer von E-Commerce-Plattformen das Urheberrechtsgesetz nicht eingehalten haben. Wir haben entsprechende Warnbriefe verschickt. Gemäß § 41 des Urheberrechtsgesetzes kann eine Urheberrechtsverletzung in Malaysia mit einer Geldstrafe zwischen 2.000 und 20.000 RM für jede Raubkopie, Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder beides nach sich ziehen.“, gibt Arief bekannt.

Amir Muhammad, Gründer und Herausgeber von Buku Fixi, ergänzt, auch er sei auf einer E-Commerce-Plattform auf  „kleinere Piraterieprobleme“ gestoßen. Er berichtete es, obwohl er nicht allzu betroffen war. Die Anzahl an Raubkopien seiner Titel waren relativ gering.

E-Book-Piraterie wird als ernstzunehmendes Problem betrachtet

Firdaus Hussamuddin, CEO von Buku Karangkraf, gibt zum Thema an, dass E-Book-Piraterie für sie ein großes Problem sei und viele der Titel des Unternehmens online raubkopiert worden seien. Sie entdeckte, dass E-Book-Piraten etwa 50 Titel während der Corona-Pandemie auf verschiedenen Plattformen raubkopiert und verkauft haben. „Es ist ein ernstes Problem, das insbesondere für Autoren sehr frustrierend ist. Einen Roman zu schreiben, dauert im Allgemeinen lange. Es ist gegenüber dem Autor überhaupt nicht fair, ihre harte Arbeit zu verschwenden und ihre Gewinne in die Kasse von Piraten umzuleiten“, beklagt sie. Allerdings meint sie, sei Online-Piraterie besonders schwer zu bekämpfen.

Fazit

Früher hatte auch die Musikindustrie stark über illegale Kopien geklagt. Seit es jedoch passende, bezahlbare und nicht mehr zu restriktive DRM-geschützte Angebote gibt, ist es derzeit um das Thema zunehmend ruhiger. Sicher ist etwas dran an Googles Piracy Report, in dem sie explizit darauf hinwiesen, dass man den Kampf gegen E-Book-Piraterie nicht etwa durch Abmahnungen oder Einschränkungen beikommt, sondern in erster Linie durch ein besseres Angebot bekämpft:

„Piraterie entsteht oft, wenn die Nachfrage der Verbraucher nicht durch legale Angebote befriedigt wird. Wie Dienste von Netflix über Spotify bis hin zu iTunes zeigen, ist der beste Weg Piraterie zu bekämpfen, bessere und komfortablere legale Services zu schaffen. Die richtige Kombination aus Preis, Komfort und Warenbestand wird deutlich bessere Ergebnisse zur Verringerung von Piraterie liefern, als erzwungene Einschränkungen.“

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.