Leipziger Buchmesse: Neuigkeiten aus der Bücherwelt

Artikel von · 26. März 2017 ·

Anlässlich der Leipziger Buchmesse ist das Thema Buch mal wieder in aller Munde. So verzeichnete die Buchmesse allein schon bis zum Freitagnachmittag – vergleichsweise zum Vorjahr – einen neuen Besucherrekord von rund 80.000 Menschen. Um den Anschluss an neuesten Entwicklungen nicht zu verlieren, setzt auch die Buchbranche künftig vor allem auf die Nutzung intelligenter Technologien.

So öffnete unter dem Motto Neuland 2.0 am Freitag bei der Leipziger Buchmesse ein Startup-Village, das neue Erfindungen und Ideen für den Buchmarkt vorstellt. Nennenswert wäre in diesem Zusammenhang der Prototyp eines sogenannten aBooks. Es verfolgt die Augenbewegung des Lesers am Bildschirm und spielt ihm zu seiner Lektüre die passenden Geräusche und Klänge ein. „Die Frage, wie sie mit neuen Präsentationsformen neue Leser gewinnen können, treibt die Verlage sehr um”, sagt Neuland-Projektmanagerin Nora Furchner.

Buchmesse-Direktor Oliver Zille gab der Deutschen Presse-Agentur bekannt: „Die Buch- und Medienbranche erlebt einen rasanten Veränderungsprozess. Wir wollen zeigen, welche Innovationen für die Literaturvermittlung von morgen zur Verfügung stehen und wie Autoren und Verlage das kreative Potenzial neuer Technologien nutzen können.”

Ein Besuch lohnt sich, denn rund 2500 Aussteller aus 43 Ländern präsentieren die Neuheiten des Büchermarkts. Zahlreiche Autoren stellen ihre neuen Werke persönlich vor. Am Freitag standen unter anderen Ronja von Rönne, Eva Menasse, Doris Knecht, Zsuzsa Bánk, Jussi Adler-Olsen, Jostein Gaarder, Sebastian Fitzek und Instagram-Star Pamela Reif auf dem Programm.

Der neueste Trend sind Jugendbücher: Etwa ein Sechstel des Umsatzes mit Büchern wird nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit Kinder- und Jugendliteratur gemacht. Er stieg bereits 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent. Einige Bestseller wie „Harry Potter” oder „Gregs Tagebuch” hätten das Geschäft beflügelt, hieß es.

Ebenso mit dabei waren kleine, neu gegründete Verlage mit teils ungewöhnlichen Ideen. Stern fragte in der aktuellen Ausgabe, was sie sich vom Buchmarkt der Zukunft erhoffen. Die Antworten fielen dabei sehr gegensätzlich aus: Die Strategien reichten, wie beim Ulmer Verlag angesprochen, niemals ein E-Book herauszugeben, über die Gründung von „CulturBooks“, als reinem E-Book-Verlag. Aber zugleich gibt es skurrile Ideen, so die Herstellung eines Buches in Form einer Tischdecke vom Homunculus Verlag.

Stefan Weidle vom Weidle-Verlag verglich den Buchhandel mit einer: „zarte(n) Pflanze, die viel Pflege braucht, die aber nach wie vor die schönsten Blüten treibt. Es ist allerdings kein Wachstumsmarkt mehr. Das Buch hat seine Stellung als Leitmedium eingebüßt, kann aber vielleicht wieder Boden gutmachen in einer Welt, in der die allgemein akzeptierte Wirklichkeit abhandenzukommen droht.“

Freddy & Lars Sobiraj analysieren die deutschsprachige E-Book Szene

Auch der Betreiber unserer Tarnkappe, Lars Sobiraj, hat sich in einem Gespräch mit Freddy, der Beiträge für seinen YouTube-Kanal UsefulVid einspielt, mit dem Thema E-Books, speziell E-Book-Piraterie, auseinandergesetzt. In dem Gespräch wird zuerst auf die aktuelle Marktsituation bei den E-Books eingegangen. Dabei stellt er fest, dass die Verlage allmählich vom harten Kopierschutz abkommen. Bisher werden entweder verstärkt Wasserzeichen verwendet, Adobe-DRM oder Amazon-Kopierschutz, mit dem es möglich ist, die Kunden an die kindle-Lesegeräte zu binden. „Vom Wasserzeichen kann man auf den Käufer schließen“, klärt Lars uns auf, da es beispielsweise die Bestellnummer in verschlüsselter Form enthält. Dies soll die Käufer davon abhalten, die E-Books an viele Leute zu verteilen. Tauchen die E-Books dann in Tauschbörsen auf, kann man den ursprünglichen Käufer zurückverfolgen.

Der Anteil der E-Books am gesamten Buchsektor läge derzeit nur bei ca. 4,6 %. Über 95% des Umsatzes wird in der Buchbranche immer noch über die Druckexemplare realisiert. Das sieht Lars auch als einer der Hauptgründe, warum die Verlage so wenig aktuell gegen die E-Bookpiraten unternehmen. Sie sehen in ihnen keine wahre Bedrohung, solange die Geschäfte laufen.

Ursachen dafür, warum die Leser nach wie vor immer noch lieber zu den gedruckten Büchern beim Lesen greifen, sieht Lars zum einen darin, dass es bei den Leuten auf totales Unverständnis trifft, da ja keinerlei Kosten, wie Buchdruck, Materialkosten oder Lagerhaltung, anfallen, dennoch diese Ersparnis nicht an die Endverbraucher, die Leser, weitergegeben wird. Nach wie vor sind die Preise bei den E-Books annähernd so hoch, wie bei den Papierbüchern. Zum anderen ist es natürlich auch ein Generationsproblem, Lars selbst bevorzugt gedruckte Bücher, wobei er das E-Booklesen natürlich schon ausprobiert hat. So sagt ihm nicht zu, dass Amazon beispielsweise weiß, was er markiert und wann er was gelesen hat. Auch wurde ihm durch Amazon schon sein gesamtes Bucharchiv gelöscht. Mit einem E-Book erwirbt man kein Eigentum, sondern nur das Nutzungsrecht. So kann man die Bücher nach dem Lesen auch nicht mehr weiterveräußern. Gleichfalls ein Grund, der gegen das Erwerben und Lesen von E-Books sprechen könnte.

Auf die folgende Frage, warum es Warez oder überhaupt illegale E-Books gibt, meint Lars, weil es generell Leute gäbe, die immer alles umsonst haben wollten. Allerdings machte es der Graubereich zudem den Nutzern sehr viel einfacher, denn die dort verfügbaren, digitalen Leseexemplare sind auf wirklich allen E-Book-Readern lesbar. Der oben angesprochene Kopierschutz fehlt hier völlig, die Bücher sind „befreit“.

In der weiteren Diskussion wird der Frage nachgegangen, was die Verlage konkret gegen Buchpiraten unternehmen. Lars weiß, dass sie nicht rigoros dagegen vorgehen, da das E-Book immer noch ein Nischenprodukt wäre und das Hauptgeschäft eindeutig beim Papierbuch liegt. Dennoch haben die Verlage einige Möglichkeiten, die sie auch nutzen. So können sie Firmen beauftragen, die Löschanforderungen an Google schicken, auch Abuse-Mails an Sharehoster wären denkbar. E-Books wären allerdings bei den Sharehostern sehr unbeliebt, wird berichtet: die Dateien seien einfach zu klein, um Premiumaccounts dort abschließen zu müssen und mit juristischem Ärger ist dennoch zu rechnen. Abmahnungen werden verschickt, aber nur bei Filsharing über Peer-to-Peer-Netze (P2P). Weiterhin wird im Podcast festgestellt: Immer weniger Verlage investieren ihr Geld in die GVU, einem Verein, der gegen Urhberrechtsverletzungen ermittelt. Der erhoffte Nutzen blieb auf lange Sicht gesehen aus.

Nach der Chronologie der illegalen E-Bookszene gefragt, stellt der Chefredakteur der Tarnkappe einige prominente Anbieter vor. Dabei wird der Vorreiter Torboox genauso erwähnt wie zahlreiche andere Anbieter, wie lesen.to, LuL.to, Boerse.to, MyGulli oder das Usenet und er vergleicht die Angebote ebenso, wie die Entgegennahme möglicher Einzahlungen. Die kann z.B. bei LuL.to über Bitcoins oder Amazon-Gutscheine erfolgen, wobei Lars feststellt, dass Amazon erstaunlich wenig gegen E-Bookpiraterie unternimmt. Natürlich gibt es auch Anbieter im wissenschaftlichen Bereich. Lars nennt da LibGen als prominentesten Vertreter und betont gleichzeitig, dass diese Angebote auch in Entwicklungsländern reichlich genutzt werden, denen Bildung ansonsten unbezahlbar wäre.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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