Meinung: Sind Raubkopierer alle reich? Was schadet der Industrie?

Sind Raubkopierer alle reich? Schaden die Schwarzkopien wriklich der Kreativwirtschaft? Was müsste die Filmbranche tun, um künftig mehr Geld zu verdienen?

Warteschlange Cinedom Köln.

Heute soll es um die Klärung folgender Fragen gehen: Sind Raubkopierer wirklich reich? Schaden illegale Downloads der Filmbranche wirklich so viel? Was gibt es eigentlich seitens der Unterhaltungsindustrie aufzuholen?

Fangen wir damit an, einmal den typischen Raubkopierer aus Sicht der Unterhaltungsindustrie und der GVU darzustellen. Es ist ein Mensch, der von Grund auf böse ist. Und der Millionen verdient mit illigalen Seiten wie eigenen Warezforen und selbst betriebenen Sharehostern. Denn der typische Raubkopierer – er teilt seine Einnahmen ungerne mit Dritten. Er möchte möglichst viel Geld für sich haben. Natürlich sitzt er in seiner 1000qm-Villa und fährt drei Autos. So richtige Luxusautos wie einen Mercedes SLS, Audi R5 oder Porsche 911.

Aber der arme Schwarzkopierer hat natürlich keine Zeit diese Autos zu fahren, weil er ja den ganzen Tag damit beschäftigt ist, Dateien hoch- und herunterzuladen. Nicht zu vergessen: Er geht kaum ans Tageslicht, weil er Paranoia vor der GVU hat. So in etwa sieht der typische Raubkopierer für viele Vertreter der Kreativwirtschaft aus.Kinoprogramm Cinedom Köln

Jeder Raubkopierer ein millionenschwerer Verbrecher?

Natürlich entspricht dieses Bild nicht der Wahrheit, denn diese sieht ganz anders aus. Der „normale“ Raubkopierer scheffelt keine Millionen. Er schuftet wöchentlich 40-Stunden in der Woche und opfert darüber hinaus noch die 3-4 Stunden Zeit am Tag, um Raubkopien auf Filehoster hochzuladen.

Dabei hat der typische Raubkopierer natürlich Kosten, die er größtenteils selber bezahlt. Dazu gehört der Server, 1-2 FTP-Server oder Premiumzugänge bei Sharehostern, damit er sich die Dateien von anderen Raubkopierern herunte- und wieder hochladen kann.

Der typische Raubkopierer ist auch kein Profi, der mit vollautomatischen Scripts arbeitet. Vielen geht es mehr um den Spaß an der Freude. Oder halt darum, Personen Filme zur Verfügung zu stellen, die sich den Kinoeintritt nicht leisten können. Die meisten Leute der Szene sind froh, wenn sie am Ende des Monats mit ihren Uploads schwarze Zahlen schreiben können. Vielleicht entstehen 50 Euro Gewinn, den die Person in eine Kinokarte oder DVD investiert. Nicht vergessen: die meisten Schwarzkopierer sind Fans der Medien, die sie im Internet illegal verbreiten.

Der normale Raubkopierer verdient mit seinem Hobby sicher keine Millionen Euro. Ich spreche da aus Erfahrung, schließlich war ich bis Mitte 2013 selbst einer dieser bösen Raubkopierer. Mir ging es persönlich nie darum mir meine eigenden Taschen zu füllen. Ich habe es auch eher aus Spaß gemacht. Die Unterhaltungsindustrie denkt aber wirklich so. Alle Raubkopierer sind von Grund auf böse und nur auf Profit aus.

kinox.toWie viel Schaden richten Schwarzkopien an?

Ändern wir an dieser Stelle einmal das Thema. Schaden Raubkopien der Unterhaltungsindustrie wirklich soviel, wie sie uns weißmachen? Ich sage nein. Ich sehe es eher so, dass sie ihnen sogar was bringen. Denn viele Zuschauer, die sich einen Kinofilm illigal besorgen, gehen später sogar eher in ein Kino, weil ihnen auf Dauer die Qualität von einem CAM- oder TS-Release zu schlecht ist. Oder sie gehen vielleicht doch nicht ins Kino, weil sie nur mal kurz in den Film hineinschauen wollen, ob sich ein Besuch wirklich lohnt. Denn viele Kinofilme sind heutzutage einfach auch nur schlecht.

Das soll natürlich kein Grund sein, sich diesen vorher zu beschaffen. Aber ich habe es schon immer so gemacht. Und wenn ein Film wirklich groß angepriesen wird und damit geworben wird, er sei der beste – so hat sich oft das Gegenteil herausgestellt. Wenn der Film tatsächlich schlecht ist, gehe ich einfach nicht ins Kino. Bei einem guten Film gehe ich und bezahle auch gerne dafür.

Wenn die Unterhaltungsindustrie behauptet, sie verdient kein Geld wegen der Schwarzkopien, dann ist das schlicht und ergreifend eine billige Ausrede. Was macht ihr wenn eigentlich, wenn es keine Raubkopien mehr gibt. Sind dann Portale die Kritiken schreiben daran schuld, dass niemand ins Kino geht? Ist eine Sau weg, wird dann halt die nächste durchs Dorf getrieben. So kann ich mir dann vorstellen.

Was müsste die Filmbranche anders machen?

Einige Branchen der Unterhaltungsindustrie haben ja schon umgedacht, die Musikbranche zum Beispiel. Streamingdienste wie Spotify, Simfy, Deezer oder andere sind erfolgreich. Ich höre schon lange Streams und kaufe Alben nur dann, wenn sie mir gefallen. Alles andere läuft halt im Browser und dafür zahle ich dann auch gerne 10 Euro im Monat.


gvu kreativwirtschaft cybercrime RaubkopiererAber warum gibt es ein solches Modell nicht auch bei Filmen? Klar gibt es die schon. Aber das Angebot und der Markt ist gespalten in mehere Anbieter wie Amazon Instant Video, Watchever, Netflix, Maxdome und Co. Und selbst bei allen Anbietern zusammen wird bei weitem nicht alles abgedeckt. Ich bräuchte überall einen Account, will ich auf möglichst viele Filme zugreifen. Selbst dann bleiben zahlreiche Kinofilme außen vor. So fehlen oft aktuelle Kinofilme, TV-Serien im Originalton und vieles mehr. Bei fünf Anbietern kommen locker 50 Euro Kosten monatlich auf mich zu.

Originale oftmals zu teuer

Das kann sich kein Normalverdiener heutzutage leisten, Menschen an der Armutsgrenze erst recht nicht. Da zahle ich ehrlich gesagt lieber 10 € für einen Account bei einen Sharehoster und bin rundum abgedeckt an Filmen und Fernsehserien. Derzeit verfüge ich auch über einen Account bei Amazon Instant Video und für eine Testphase bei Netflix. Ich bin vom Angebot aber eher enttäuscht.

kinox.to RaubkopiererWas ich mir persönlich wünschen würde, wäre eine Flatrate wo normale Filme plus Serien für 10-20€ auf einer einzigen Plattform verfügbar wären. Und wo man gleichzeitig zum Kinostart auch auf dieser Plattform den Kinofilm optional für 5 Euro kaufen könnte. So etwas würde ich persönlich auch nutzen.

Die Filmindustrie würde trotzdem noch genug verdienen. Von daher muss man sich nicht wundern, wenn Portale wie KinoX.to & Co. boomen. Sie füllen im Prinzip nur die Lücke aus, die die Filmindustrie verschlafen hat.

Anbei noch ein schönes Lied am Ende über das oben beschriebene Klischee:

Bildquellen: Lars Sobiraj, GVU, KinoX.to, Thomas Berg (CC BY-SA 2.0).

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