Eric Schmidt und Julian Assange: Streit um neues Buchprojekt

Article by · 24. September 2014 ·

In Kürze wird das neueste Buch von WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange, “When Google Met WikiLeaks”, veröffentlicht werden. Es basiert auf einem Treffen zwischen Assange und dem Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt im Jahr 2011. Angeblich, so Assange im Vorfeld der Veröffentlichung, belegt das Buch weitgehende Verbindungen zwischen Google und der US-Regierung. In anderen Interviews hatte Assange sich bereits ähnlich geäußert und Google mehr oder weniger als privaten Geheimdienst dargestellt.

In einem Interview auf dem TV-Sender ABC dementierte Schmidt diese Vorwürfe am gestrigen Dienstag – und ging in die Gegenoffensive. Assange, so der Google-Sprecher, sei “sehr paranoid“. “Julian [Assange] ist sehr paranoid bei diesen Dingen,” sagte Schmidt, “Google hat niemals mit der NSA kollaboriert und tatsächlich haben wir sehr hart gegen das, was sie getan haben, gekämpft. Wir haben all unsere Daten, all unsere Kommunikation genommen und komplett verschlüsselt, so dass niemand an sie heran kommt, vor allem nicht die Regierung.

Tatsächlich gab es von Google in der Vergangenheit dokumentierte Bemühungen etwa um verschlüsselte Kommunikation und um die Erlaubnis, mehr Informationen über Regierungsanfragen im halbjährlichen Transparenzbericht zu veröffentlichen. Auch beantwortet Google – im Gegensatz zu einigen anderen Unternehmen – nicht alle Regierungsanfragen nach Nutzerdaten positiv, wie auch aus dem neuesten Bericht (tarnkappe.info berichtete) wieder hervorgeht. All dies schließt jedoch natürlich nicht aus, dass es dennoch geheime Absprachen zwischen Google und US-Behörden gibt, und könnte grundsätzlich auch eine PR-Maßnahme sein. Ein Internetgigant wie Google, der große Mengen persönlicher Daten von seinen Nutzern sammelt, wird sich in der heutigen Zeit der Tatsache bewusst sein, dass viele Nutzer durch die aktuellen Skandale für Datenschutz und Geheimdienst-Überwachung sensibilisiert sind, und sich zumindest nach außen hin entsprechend verhalten.

Vor diesem Hintergrund lassen sich Schmidts Angriffe gegen Assange als Schadensbegrenzung sehen, als Gegenoffensive gegen jemanden, der – berechtigt oder nicht – das Image des Unternehmens gefährdet. Im Zuge seiner Offensive gegen den umstrittenen Aktivisten griff Schmidt auch dessen Lebensstil in der ecuadorianischen Botschaft in London – wo er seit zwei Jahren aus Angst vor einer Auslieferung an Schweden, wo ihm Sexualdelikte vorgeworfen werden, ausharrt – an. Assange, so Schmidt, habe sein Buch verfasst “vom, sollen wir sagen Luxusquartier der lokalen [ecuadorianischen] Botschaft in London aus“. Offenbar hofft Schmidt, Assange mit Verweis auf dessen vermeintlich sichere und behütete Lebensumstände als Aktivisten zu diskreditieren.

Überzeugend sind Schmidts Verbalinjurien bislang nicht. Angriffe auf Geisteszustand und Lebensumstände Assanges – der es zugegebenermaßen in der Vergangenheit im öffentlichen Dialog selbst des Öfteren an Stil und Respekt vermissen ließ – ersetzen keine stichhaltigen Argumente gegen die von Assange erhobenen Vorwürfe. So bleibt Interessierten nur, das Buch abzuwarten und sich selbst zu überzeugen, ob Assange nur Interesse für sein Werk generieren wollte, oder ob er tatsächlich stichhaltige Indizien für eine Kollaboration Googles mit den Überwachern liefert.

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