EncroChat-Entschlüsselung: weitere 24 Haftbefehle in Brandenburg

Mittels Entschlüsselung des EncroChat-Netzwerkes gelang auch Ermittlern in Brandenburg ein Schlag gegen einen Drogenring.

EncroChat-Nutzung
Bildquelle: videoflow

Im Zuge einer europaweiten Auswertung von EncroChat Handys ist der Polizei auch in Brandenburg ein Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität gelungen. Dabei erfreute sich der verschlüsselte Kommunikationsdienstleister EncroChat offenbar im Land Brandenburg einer besonders großen Beliebtheit, teilte die Polizei Brandenburg am Dienstag mit.

Demgemäß haben nach Entschlüsselung des Dienstes EncroChat und erfolgter europaweiter Auswertung auch Ermittler des Landeskriminalamtes Brandenburg „weitreichende Erkenntnisse im Bereich der Organisierten Rauschgiftkriminalität erlangt“. Infolge sind 24 Haftbefehle erlassen und vollstreckt. Gegen rund 60 Tatverdächtige hat man allein in Brandenburg vor allem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz 44 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei entsprechend durchgeführten Hausdurchsuchungen gelang es, große Mengen Rauschgift sicherzustellen. Zudem wurden acht bereits laufende Verfahren wesentlich unterstützt.

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Trotz Anonymitätszusagen wurden die EncroChat-Daten von Ermittlern geknackt

EncroChat Handys wurden den Kunden als Garant für perfekte Anonymität angepriesen. Allerdings stellten französische Ermittler fest, dass EncroChat auch über einige Server in der Stadt Lille verfügte. Entgegen der Zusagen vonseiten des Herstellers gelang es Spezialisten infolgedessen, das Chatnetzwerk zu knacken. Infolge schleusten die Beamten über den Server Schadsoftware auf sämtliche EncroChat-Handys. So gelang es, die Daten unbemerkt von den Geräten abzufangen und auf einen anderen Server auszuleiten.

Chat-Auswertungen: Polizeipräsident Oliver Stepien verdeutlicht die Ergebnisse:

„Der verschlüsselte Kommunikationsdienstleister EncroChat wurde im Land Brandenburg intensiv im Bereich des organisierten Rauschgifthandels genutzt. Mit umfassenden Ermittlungen des Landeskriminalamtes und der Kriminalpolizei der Direktionen konnten Straftaten festgestellt, Strukturen aufgehellt, Vertriebswege nachvollzogen und Täter inhaftiert werden.“

Bei Durchsuchungen konnten Beamte in Brandenburg 160 Kilogramm Marihuana, 1 Kilo Kokain und mehr als 6 Kilo Amphetamin sicherstellen. Zudem konfiszierte man fast 13 Kilo Crystal Meth sowie rund 60 000 Ecstasy-Tabletten. Dazu beschlagnahmte man Waffen, Bargeld, Autos und Schmuck.

Auch das Bundeskriminalamt informiert heute über diesbezügliche statistische Auswertungen.

„Insgesamt wurden durch die Encrochat-Daten nahezu im ganzen Bundesgebiet bisher mehr als 2.250 Ermittlungsverfahren eingeleitet und rund 360 bereits bestehende Ermittlungsverfahren wesentlich unterstützt.

In über 520 Ermittlungsverfahren wurden bisher polizeiliche Einsatzmaßnahmen, wie Festnahmen, Sicherstellungen und Durchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden rund 750 Haftbefehle vollstreckt. Fast 3,2 Tonnen Cannabis, etwa 320 Kilogramm synthetische Drogen und über 125.500 Ecstasy-Tabletten hat man beschlagnahmt. Dazu konnten fast 400 Kilogramm Kokain und 10 Kilogramm Heroin sichergestellt werden. Darüber hinaus hat man rund 310 Schusswaffen und über 12.200 Schuss Munition aus dem Verkehr gezogen. Im Zuge der Einsatzmaßnahmen wurden Vermögensarreste in Höhe von etwa 168 Millionen Euro sowie vorläufige Vermögenssicherungen von rund 28 Millionen Euro erzielt.“

Ob allerdings die EncroChat-Daten auch vor Gericht Bestand haben, ist derzeit noch fraglich. Erst kürzlich verneinte das Landgericht Berlin eine solche Nutzung überraschend in einem aktuellen Urteil.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.