Drogendealer-Ring in Oberösterreich ausgehoben: Tatmotiv Langeweile

Die oberösterreichische Polizei hat im Bezirk Rohrbach einen kompletten Drogendealer-Ring, bestehend aus 18 Männern, gesprengt.

Drogendealer-Ring
Bildquelle: Syda_Productions

Wie die Landespolizeidirektion Oberösterreich am Montag informierte, ist es ihr nach monatelanger Ermittlungsarbeit gelungen, einen Drogendealer-Ring auszuheben. Hierbei kam es zu zehn Verhaftungen und acht Anzeigen in Linz und im Bezirk Rohrbach. Ferner wurden 91 Abnehmer angezeigt. Den Tätern legt man im Zeitraum von März 2020 bis April 2021 den Schmuggel und Verkauf von 68 Kilogramm Marihuana, 300 Gramm Kokain jeweils aus Tschechien und 300 Gramm Amphetamine zur Last.

Cannabiskonsumenten aus dem Bezirk Rohrbach waren der Auslöser für die Ermittlungs-Aufnahme. Die Spur führte infolge zu einem 20-Jährigen, der von seinem heimischen Kinderzimmer aus Linz Marihuana an Jugendliche verkaufte. Bei der Durchsuchung des Zimmers förderten die Beamten mehr als ein Kilo Marihuana zutage. Nach vorübergehender Verhaftung befindet sich der junge Mann aktuell allerdings wieder auf freiem Fuß. Weiterführende Recherchen wiesen zudem zu anderen mutmaßlichen Tätern vom Drogendealer-Ring. Wie sich dann herausstellte, agierten auch diese mit dem Verkauf von Suchtmitteln vorwiegend aus dem heimischen Kinderzimmer heraus.

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Tatverdächtige agierten aus heimischen Kinderzimmer

Eine weitere Spur führte daraufhin zu einem 20-Jährigen aus dem Umkreis Gallneukirchen (Bezirk Urfahr-Umgebung). Diesen nahmen die Beamten am 19. März 2021 in seiner Wohnung fest. Dort stellten sie Suchtmittel und Verkaufsutensilien sicher. Der Mann gab zu, von März bis Oktober 2020 insgesamt zwölf Kilogramm Marihuana gekauft zu haben. Der Verkäufer, von dem er es bezog, hätte das Marihuana von Tschechien besorgt und nach Österreich geschmuggelt. Die Drogen habe der 20-Jährige dann in Mengen zu je 500 Gramm weiterverkauft, darunter an den 20-jährigen Linzer. Des Weiteren nahm die Polizei einen 18-jährigen Linzer als zweiten Großabnehmer des Mühlviertlers fest. In dessen Kinderzimmer fanden die Ermittler 2,4 Kilogramm Marihuana, geringe Mengen LSD, Ketamin und Psilocybin. 13.000 Euro Drogengeld stellten die Beamten dabei noch in einem Tresor sicher.

Weiterführende Ermittlungen deuteten auf zwei weitere 20-Jährige, vier 18-Jährige und einen 17-Jährigen aus Linz und den Bezirken Urfahr-Umgebung sowie Wels-Land. Diese wurden festgenommen, acht weitere Dealer angezeigt. Neun davon befinden sich noch in Untersuchungshaft. Ein 18-Jähriger ist bereits rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt. Für 91 Drogenabnehmer aus den Bezirken Rohrbach, Urfahr-Umgebung, Linz, Wels, Wels-Land und Amstetten gab es eine Anzeige.

Drogendealer-Ring bezog Suchtmittel auch aus Darknet

Günther Hollin, Leiter des Kriminaldienstes im Bezirkspolizeikommando Rohrbach, gab gegenüber der APA an, dass die jungen Männer „zu Beginn der Coronazeit aus Langeweile“ die Drogen im Darknet bestellt hätten und diese dann an Abnehmer weiterverkauften. Allesamt würden sie aus gutsituierten Familien stammen. Ihnen wäre mit der Zeit jedoch „das Unrechtsbewusstsein verloren gegangen“. Die Familien der mutmaßlichen Täter gaben an, nichts von den illegalen Aktivitäten ihrer Söhne mitbekommen zu haben. Nur die Mutter eines Linzer Beteiligten habe „etwas mitgekriegt“. Demgemäß hätte sie die gefundenen Drogen in der Donau versenkt. Das mit dem Drogenverkauf erzielte Geld hätte sie einer karitativen Einrichtung gespendet, führt Hollin weiter aus.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.