Studie: Deutsche generieren auf illegalen Film-Seiten jährlich 33 Mio. Euro

Gestern kam eine von der FFA geförderte Studie über die Werbefinanzierung von Piraterieseiten mit dem Schwerpunkt Film heraus.

Geld, Studie

Gestern erschien eine Studie über die Werbefinanzierung von Piraterieseiten. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die in Deutschland meist besuchten Internetseiten zur illegalen Verbreitung von Medieninhalten jährlich alleine durch deutsche Nutzer über 33 Millionen Euro einnehmen. Geworben wird für Online-Glücksspiel-Seiten, die Anbieter mehrerer Browsergames und in seltenen Fällen auch für seriöse Marken oder Dienstleistungen.

Streaming übernimmt laut Studie die Führung

Die gestern vorgestellte Studie wurde von Mitarbeitern der FDS File Defense Service in Zusammenarbeit mit der FFA (Filmförderungsanstalt) erstellt. Die FDS untersuchte die Online-Werbung auf den 50 meist besuchten deutschsprachigen Piraten-Seiten, die sich mit der Verbreitung von illegalen Filmmitschnitten beschäftigen. An erster Stelle stehen nun die illegalen Streaming-Anbieter, die mittlerweile den Sharehostern als auch den P2P-Indexseiten in Puncto Besucherzustrom den Rang abgelaufen haben. Im Juli 2016 verzeichneten die 24 meist besuchten Videohoster 115 Millionen Seitenaufrufe. Die Sharehoster kamen im gleichen Zeitraum auf lediglich 46 Mio. Seitenzugriffe, BitTorrent-Webseiten nach Angabe der Studie nur auf 13 Millionen Visits.


Einnahmen insgesamt

Im Juli 2016 wurden auf den untersuchten Piraterieseiten 2,4 Milliarden Werbeanzeigen an die Nutzer mit einer deutschen IP-Adresse ausgespielt. Mit 1,5 Mrd. Online-Anzeigen lag der Großteil laut Studie bei den Videohostern. Alleine der Video-Hoster streamcloud.eu konnte 885 Mio. Anzeigen ausliefern. Auf das Jahr gerechnet haben Deutschlands populärste Piraterieseiten alleine durch deutsche Besucher Werbeeinnahmen in Höhe von über 33 Mio. Euro generiert. Weltweit können die überprüften Webseiten jährlich Werbeeinnahmen in Höhe von 300 Mio. Euro erzielen. Da es unzählige Seiten gibt, die in Deutschland vergleichsweise unbedeutend sind, aber in anderen Ländern viele Nutzer haben, dürften die gesamten Werbeeinnahmen des Pirateriesystems deutlich höher ausfallen.

Die Anzeigen-Kunden: Online-Casinos, Browser-Games etc.

Die am häufigsten vertretenen Werbebranchen sind Internet-Glücksspielseiten (22,3 Prozent aller Anzeigen) und Browsergames (12,1 Prozent). Die meisten der Internet-Glückspielseiten verfügen über eine europäische Lizenz, zum Beispiel aus Schleswig-Holstein, Malta oder Gibraltar. Auch von den Browsergameanbietern kommen einige aus Deutschland. Insgesamt hat man in der Studie 459 unterschiedliche Werbetreibende erfasst. Darunter auch anrüchige Seiten zur Vermittlung von Urlaubs-„partnern“ oder Webseiten, die ihrerseits Schadsoftware verbreiten.

Auch seriöse Firmen darunter

Darunter aber auch vereinzelt seriöse Unternehmen wie beispielsweise Amazon, Babbel, Bonprix, Fortfun, Freenet, Gameforge, Playzo, Rabatt-Rudi oder Upjers. Allein die Top 10 der Werbetreibenden sind für 33 Prozent aller aufgefundenen Anzeigen verantwortlich. Bei 68 Prozent der Anzeigen ist erkennbar ein Werbenetzwerk eingebunden. Die Top 10 der Werbenetzwerke vermitteln 39 Prozent aller Anzeigen. Viele dieser Werbenetzwerke suchen laut Studie bewusst den Kontakt zu den Betreibern der illegalen Webseiten.

Wer sich den Inhalt der Studie im Detail anschauen möchte, sie ist hier ungekürzt als Download erhältlich.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.