das darknet – ein Kommentar

Article by · 28. Juli 2016 ·

underground darknet stockholm lars sobiraj
Seit Bekanntwerden des schrecklichen Attentats von München vor einigen Tagen wird das Thema darknet von Politikern als auch von den Redakteuren diverser Medien wie eine Sau durch die Presselandschaft getrieben. Ist das darknet wirklich nicht mehr als ein Tummelplatz von Kriminellen? Unser Autor fr@nk wirft in seinem Kommentar einen Blick hinter die Kulissen und versucht aufzuklären.

Nicht erst seit dem schlimmen Attentat von München am 22.07.2016 geistert wieder dieser eine sagenumwobene Begriff durch die Presselandschaft, den alle irgendwann mal gehört haben, aber im Grunde gar nicht wissen, worum es genau geht. Dieses #darknet. Dieser Tummelplatz für kriminelle Menschen, die sich dort Waffen und Drogen besorgen können. Also. So wird uns das darknet erklärt. Aber ist es das auch wirklich? Beschränkt es sich nur auf diesen Teil der Gesellschaft? Auf kriminelle Energien?

Das darknet mit allen seinen Vor- und Nachteilen wird viel zu oberflächlich in die kriminelle Ecke geschoben. Es ist nämlich etwas mehr. Etwas sehr Besonderes. Etwas, was Angst macht. Also den Nachrichtendiensten. Etwas, was gerade diese Dienste nicht zu 100% kontrollieren können…

… und genau hier das eigentliche Hauptproblem …

In der heutigen Zeit wird mit unseren Daten Schindluder betrieben. Die Regierungen aller Länder mitsamt Polizeibehörden und Nachrichtendiensten. Alle wollen jederzeit wissen, wo wir sind. Was wir machen. Wann wir mit wem worüber gesprochen haben.

Dank der US-Army Erfindung #Internet ist eine Technologie geschaffen worden, die sowohl Fluch als auch Segen ist. Dank des Internets ist es sehr einfach, uns zu kontrollieren, zu überwachen…

… und hier kommt das darknet ins Spiel: Es ist ein Zufluchtsort.

Ein Zufluchtsort für Menschen mit unterschiedlichen Interessen:

  • Kriminelle, die ihre Energien ausleben wollen
  • Menschen, die berufsbedingt Geheimnisse sicher kommunizieren wollen und müssen wie z.B. Journalisten, Whistleblower
  • Privatpersonen, die ihr eigenes Sicherheitsbedürfnis haben und ihre Daten, Kommunikationen und kleinen Geheimnisse für sich behalten wollen
  • Menschen, die ihre Meinung offen aussprechen wollen ohne Angst vor Verfolgung zu haben, so wie z.B. aktuell in der Türkei

In der Öffentlichkeit wird das darknet hingestellt als würde jeder sofort und überall und sehr schnell Waffen und Drogen finden. Das mag sein. Der wahre Grund, warum das darknet dermaßen verteufelt wird ist jedoch ausschließlich die Tatsache, dass die Geheimdienste uns im darknet nicht mehr so freudig ausspionieren können, wie sie angeben. Wir alle müssen uns im Kopf frei machen von dem Gedanken, in eine Form der Illegalität abzudriften, wenn wir nur das darknet nutzen.

In meinen Augen werden wir eher ins darknet gedrängt um unsere eigenen, freien, legalen Interessen zu verteidigen. Das ist ein Unterschied.

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8 Comments

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    Alda Falda

    von der Autorin (Silk Road) und Bloggerin (All Things Vice) Eileen Ormsby, kommt demnächst ein neues Buch zu dem Thema, 420 Seiten schmal nach 5 Jahren Recherche.

    Titel: The Darkest Web – Drugs, death and destroyed lives … the inside story of the internet’s evil twin

    ein Taster – https://allthingsvice.com/2017/09/12/real-folk-of-the-dark-web/

    vom Verlag – https://www.allenandunwin.com/browse/books/general-books/true-crime/Darkest-Web-Eileen-Ormsby-9781760297855

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    Thomas

    Meiner Meinung nach ist es doch am Einfachsten Darknet in allen Verschulden der Sicherheitsinstanzen schuldig zu machen. Schaut doch mal die USA und Russland an wieviel Kraft und Geld die in alle Abhörmechanismen investieren um über alle Bescheid zu wissen. Ob das gut ist oder schlecht, um Terroristum zu bekämpfen ist es mit Sicherheit vom Vorteil über alle Bewegeungen der potenziellen Täten zu wissen. Es geht nicht darum nach dem Attentan was zu suchen, es geht darum, dass solche Taten verhindert werden. Aus diesem grund finde ich es einfach lächerlich die ganze Schuld auf Darknet zu legen. Da will die Industrie wieder mal die Situation nutzen um Darknet zu bekämpfen.

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    dot tilde dot

    ich finde schade, dass sie die vielen hirnrissigen begriffe und allegorien der kybernetischen front übernehmen. die halte ich nämlich für die argumentation des überwachungsstaates ganz zentral.

    wenn man in der begrifflichkeit der infrastruktur bliebe, wäre die argumentation für totale überwachung sehr viel aufwendiger.

    wenige sind gegen das erhellen eines dunklen ortes. sehr viele sind gegen staatliche archivierung ihrer kompletten lektüre, äußerungen und lebensumstände.

    darüber hinaus: vielen dank für ihren engagierten artikel!

    .~.

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    Ewald

    Es gibt also keine verschlüsselte Verbindung über z. B. Email?
    Es gibt keine Möglichkeit über Webmailer die über VPN oder von mir aus auch Torbrowser angesteuert werden zu kommunizieren?

    Kleine Geheimnisse bleiben Geheimnisse, wenn ich sie für mich behalte und nicht mit Dritten darüber spreche oder schreibe. Dann brauche ich auch kein Darknet.

    Mir springt das viel zu kurz. Klingt so, als wenn es außer dem Darknet nichts gibt, um sicher zu kommunizieren.
    Ober Whistleblower Snowden hat es offenbar auch ohne Darknet geschafft. Interessant oder?

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      Michael

      Ein Gegenargument: Metadaten.
      Ich kann meine Kommunikation soviel verschlüsseln wie ich will, es ist immernoch offensichtlich WANN ich mit WEM und eventuell noch WIE LANGE und WO kommuniziert habe.

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        Ewald

        Wann? Ja, um das zu verhindern muss mal die Zeit abschaffen oder besser die Uhrzeit
        Mit Wem?: Nö. Im Zweifel waren das zwei unbekannte Mailaccounts.
        Wie lange?: ja, auch hier gilt 1..
        Wo?: Nö. ist relativ einfach zu lösen, In sehr kurzer Zeit ist man virtiuell fast überall auf der Welt.

        Gegenargument: Trotz Metadaten und ohne Darknet hat Snowden das alles geschafft, interessant oder?

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          Michael

          Die Hälfte deiner Argumente sind einfach schlecht bis falsch, deswegen halte ich es kurz: da gewisse Behörden das Ziel haben soviel zu speichern wie möglich und wir aber das Recht haben, dass das nicht passiert, hat das darknet auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Außerdem kannst du nicht nur von unserer heilen Welt ausgehen.

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            Rita

            Gewissen Behörden wollen also so viel wie möglich speichern.
            Kann es sein, dass diese gewissen Behörden zum Beispiel das Tor Projekt mitfinanziert und entwickelt haben? Schon mal daran gedacht?

            Die Nummer mit dem Dissidenten hinkt. Gibt einige wwwvAlternativen. Allerdings müssen die armen Dissidenten jetzt den Kopf herhalten für jede Menge Kriminelle, für die das ein ganz famoser Raum ist, um in Ruhe den Geschäften nachzugehen.

            Im Übrigen glaube ich an die Verantwortung. Freiheit ohne Verantwortung führt zu Anarchie. Ist leider so. In einer heilen Welt könnte das klappen, aber nicht in unserer.


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