Cybertrading-Fall zieht weitere 18 Festnahmen nach sich

Mit 18 Festnahmen und zahlreichen Durchsuchungen in der Republik Kosovo sowie in Berlin gelangen weitere Schläge gegen Cybertrading.

In der Republik Kosovo nahmen Ermittler am vergangenen Mittwoch insgesamt achtzehn Männer im Alter zwischen 22 und 45 Jahren fest. Ihnen wird das Mitwirken an betrügerischen Online-Anlage-Plattformen (sog. „Cybertrading“) vorgeworfen. Die Inhaftierten stammen sowohl aus der Republik Kosovo, als auch aus Albanien und Deutschland. Wegen Cybertrading waren erst Mitte März fünf Festnahmen und zahlreichen Durchsuchungen in Bulgarien, in der Ukraine sowie in Berlin diesem Fall vorausgegangen. Die Täter-Gruppierung soll in den vergangenen Jahren Anleger aus ganz Europa um Millionenbeträge geprellt haben.

Als zielführend erwies sich im Cybertrading-Fall eine enge Zusammenarbeit der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg mit der Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm, aber auch mit den kosovarischen Behörden. So konnten bereits im Vorfeld Haftbefehle wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs erwirkt werden. Deutsche Fahndungsmaßnahmen trugen zudem zur Inhaftierung bei. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern wird um die Auslieferung von mindestens sechs der festgenommenen Männer ersuchen. Bei ihnen handelt es sich „einerseits um Call-Center-Mitarbeiter, die bei deutschsprachigen Geschädigten besonders „erfolgreich“ waren und als „Top Broker“ für Schäden im Millionenbereich verantwortlich sein sollen, sowie andererseits um die führenden Köpfe der Call-Center“.

Während der Durchsuchung von insgesamt 17 Objekten, darunter sieben Call-Center, gelang die Sicherung von umfangreichem Beweismaterial. Noch vor Ort wurde teilweise mit dessen Auswertung begonnen. An den Call-Center-Arbeitsplätzen fanden sich „detaillierte Anweisungen und Leitfäden für den Kontakt zu den Geschädigten“. Weiterhin zog man sieben Fahrzeuge sowie Bargeld in Höhe von ca.160.000 Euro ein. An die Fahndungsaktion schlossen sich dann noch die Beschlagnahme mehrerer Konten mit Guthaben in Höhe von rund 700.000 Euro an. Am Vollzug der Maßnahmen waren insgesamt 240 kosovarische Polizeibeamte beteiligt. Zeitgleich zu dieser Aktion erfolgte in Berlin noch die Durchsuchung einer Privat- und Geschäftsanschrift eines weiteren mutmaßlichen Mitglieds der internationalen Tätergruppierung.

Cybertrading-Betrug

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Vorgehensweise immer nach gleichem Schema

Gemäß den Ermittlungen operierte hier eine Tätergruppe von Anlagebetrügern europaweit im großen Stil, agierend mit immer gleicher Grundstruktur. Sowohl in Bulgarien, als auch in der Ukraine sowie in Berlin sowie in der Republik Kosovo sollen die Cyberkriminellen im Zeitraum von 2018 bis April 2020 die Cybertrading-Plattformen unter den verschiedenen Domainnamen, wie Trade Capital, Fibonetix, Nobel Trade, Forbslab und Huludox, betrieben haben.

„Die Täter spiegeln den potenziellen Kunden vor, digitale Cybertrading-Plattformen für den Handel mit unterschiedlichsten Finanzinstrumenten (bis zu deren Untersagung vor allem binäre Optionen, nunmehr insbesondere CFDs, Forex, Kryptowährungen) zur Verfügung zu stellen.

Eine Investition bzw. eine Platzierung von Optionen sowie ein Vorhalten von Anlegergeldern zur Rückzahlung bzw. zur Gewinnausschüttung finden in Wahrheit nicht statt. Die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt. Die für den Kunden sichtbare Handelsplattform ist ebenso wie das angebliche Kundenkonto eine reine Täuschung. In einer Vielzahl von Fällen kommt es nach einzelnen missglückten angeblichen Trades infolge zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die Täter, gegen die sich die jetzigen Maßnahmen in der Republik Kosovo sowie in Berlin richteten, sollen seit 2017 zumindest die Plattformen FXCMarkets, FXOptexGroup, Swissinv24, CFXPoint, IForex24, CodexFX, HBCMarket, CapitalGFX, Investment Department, Tradingmarkets24 und Brokermasters betrieben haben.“

International organisiertes Cybertrading verursacht europaweit große Schäden mit hoher Dunkelziffer

Kryptowährungsverbot, BitcoinAllein in Deutschland sollen mehrere tausend Anleger von dieser Masche betroffen sein. Zudem finden sich auch in anderen europäischen Ländern zahlreiche weitere Geschädigte. Die hier vorgespiegelten beträchtlichen Gewinne für Finanzprodukte oder dem Investieren in Kryptowährungen mündeten allerdings schließlich für tausende Anleger im Verlust von dutzenden Millionen Euro. Das Dunkelfeld wäre überdies beträchtlich.

Zahlreiche Anleger wissen um das hohe Verlustrisiko der gewählten Investmentart. Diese gehen dann infolge irrtümlich davon aus, dass bei ihrem Cybertrading eben gerade dieses Risiko eingetreten sei. Sie realisieren nicht, dass sie betrogen worden. Ohne die Angabe weiterer Einzelheiten dauern die gemeinsamen Ermittlungen auch weiterhin an.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.