Cyberbunker-Aushebung zog 227 Folgeverfahren nach sich

Cyberbunker-Fall
Bildquelle: anterovium

In einem Resume zum Cyberbunker-Fall weißt Jörg Angerer auf größte Erfolge, die Zerschlagung von DarkMarket und Operation Dark HunTOR, hin.

Gut zwei Jahre nach dem Schlag gegen den Cyberbunker zieht Oberstaatsanwalt Jörg Angerer von der Landeszentralstelle Cybercrime, bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, Bilanz. Demgemäß gab es bisher 227 Folgeverfahren gegen Kunden des illegalen Rechenzentrums aufgrund ihrer illegalen Darknet-Geschäfte, teilte Angerer der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der Cyberbunker-Prozess wird an diesem Montag mit einem Urteil vorerst beendet sein. Acht Angeklagte mussten sich seit Oktober 2020 vor dem Landgericht Trier verantworten. Gemäß der Anklage sollen die acht Beschuldigten eine kriminelle Vereinigung gegründet und Beihilfe zu rund 249.000 Straftaten geleistet haben.

Cyberbunker als Zentrum zahlreicher illegaler Aktivitäten

Das Rechenzentrum in Traben-Trarbach, das als „Bulletproof Hoster“ galt, war gemäß den Ermittlungen die Schaltstelle, über die Cyber-Kriminelle aus der ganzen Welt millionenschwere illegale Darknet-Geschäfte abgewickelt haben. Einziger Verwendungszweck der Serverfarm war das Hosten zahlreicher Webseiten, über die international agierende Cyber-Kriminelle illegale Waren bzw. Dienstleistungen, wie Drogen, Daten und Malware vertrieben, Kinderpornografie verbreiteten sowie groß angelegte Cyberangriffe durchführten. Die unterirdische Bunkeranlage war Ende September 2019 in einer großen Aktion mit Hunderten Einsatzkräften der Polizei nach fünfjährigen Ermittlungen ausgehoben worden.

Jörg Angerer weist aktuell darauf hin, dass die meisten der 227 Folgeverfahren zwar eingestellt werden mussten. In einigen Verfahren seien die Ermittlungen jedoch noch nicht abgeschlossen. Zu den Verfahrens-Einstellungen kam es, weil sich keine Ermittlungsansätze zur Identifizierung der Kunden finden ließen.

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Folgeverfahren führten zur Abschaltung von DarkMarket und Operation Dark HunTOR

Den größten Ermittlungserfolg erzielten die Behörden in Koblenz aus dem Komplex Cyberbunker mit einer Abschaltung der Server von DarkMarket am 11.01.2021. Er galt mit seinen fast 500.000 Nutzern und mehr als 2.400 Verkäufern als größter Darknet-Marktplatz der Welt. Insgesamt hat man mindestens 320.000 Transaktionen über den Markt abgewickelt. Dabei wechselten mehr als 4.650 Bitcoin und 12.800 Monero den Besitzer. Nun muss sich das mutmaßliche Betreiber-Ehepaar aus dem australischen Queensland, der 34-jährigen Julian K. und seine 32-jährigen Ehefrau Crystal K., vom 16. Dezember an vor dem Landgericht Trier verantworten.

Fortfolgend auf die Schließung von DarkMarket ergab sich die Operation Dark HunTOR. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Betreiber-Ehepaars durch deutsche Behörden beschlagnahmte die Polizei die kriminelle Infrastruktur. Damit lieferten sie Ermittlern auf der ganzen Welt eine Fülle von Beweisen. Das Europäische Zentrum für Cyberkriminalität (EC3) stellte infolge gemeinsam mit Europol seither Informationspakete zur Feststellung der wichtigsten Ziele zusammen. Bisher erfolgten in dem Zusammenhang rund 150 Festnahmen.

Tarnkappe.info

Antonia Frank

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.